«100 Jahre Bahn zum Säntis»

Morgen Freitag jährt sich zum 100. Mal die Eröffnung des Teilstücks Appenzell–Wasserauen der ursprünglichen Säntisbahn. Eine Ausstellung im Bahnhof Wasserauen ehrt die glücklose Pioniertat.

David Scarano
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Die Säntisbahn erreichte den Gipfel nie: Gebaut wurde nur das Teilstück Appenzell–Wasserauen. (Bild: pd)

Die Säntisbahn erreichte den Gipfel nie: Gebaut wurde nur das Teilstück Appenzell–Wasserauen. (Bild: pd)

WASSERAUEN. Der Kampf um die erste Bahnerschliessung des Säntis war zäh – und schliesslich vergeblich: Es dauerte 25 Jahre von der Konzessionierung 1887 bis zur Inbetriebnahme des ersten Teilstücks Appenzell–Wasserauen 1912 der Säntisbahn. Mit dem Ersten Weltkrieg ging das spärliche Interesse noch mehr zurück. Die weiteren Etappen hinauf zum Gipfel wurden aufgegeben. Vier Jahre nachdem der Säntis von der Ausserrhoder Seite durch die Luftseilbahn erschlossen worden war, fand 1939 die Umbenennung in Appenzell-Weissbad-Wasserauen-Bahn (AWW) statt, 1947 fusionierte sie mit den Appenzeller Bahnen. Dieser wechselvollen Geschichte sowie den weiteren zahlreichen Projekten für eine Bahn auf den Säntis widmet der Museumsverein Appenzeller Bahnen eine umfassende Ausstellung im Bahnhof Wasserauen. Vom 14. Juli bis zum 26. August werden historische Gegenstände gezeigt sowie die Geschichte der «Bahn zum Säntis» mit Streckenplänen, Akten und Fotos illustriert. Ein historischer Wagen der Appenzeller Bahnen wurde eigens dafür restauriert und umgebaut. Die Vernissage der Ausstellung sowie der Dokumentation «100 Jahre Bahn zum Säntis» erfolgt morgen Freitag, 19 Uhr. Zum Abschluss der Ausstellung findet am 26. August im Anschluss an «Kino im Depot Wasserauen» ein Bahnfest (siehe Kasten) statt.

Skepsis in Innerrhoden

Seit jeher fasziniert der Säntis die Menschen. Den Gipfel mit einer Bahn zu erschliessen, war daher naheliegend. Bereits 1875 soll es Bestrebungen für eine Zahnradbahn gegeben haben. Es dauerte neun Jahre, bis das erste Konzessionsgesuch eingereicht wurde. Die erste Konzession erhielten 1887 die Initianten um den Innerrhoder Landammann Carl Justin Sonderegger – trotz grosser Skepsis im Kanton. Wie Stephan Müller in der «Geschichte der Appenzeller Bahnen» schreibt, hatte beispielsweise der Grosse Rat Nicht-Eintreten auf die Vorlage beantragt, weil die Bahn den Privatverkehr gefährde. Geplant war zunächst eine schmalspurige Eisenbahn hinauf auf die Wagenlücke. Die Initianten glaubten an das touristische Potenzial: Ihnen schwebte ein zweites Davos vor.

Zwei, dann vier Teilstücke

Doch das Projekt harzte von Beginn weg. In den folgenden Jahren wurde es mehrmals geändert. Zunächst waren zwei Etappen vorgesehen, später gar vier. Anfang des 20. Jahrhunderts erhielt die Säntisbahn Konkurrenz. Die Bahnfachleute Strub und Imfeld wollten den Gipfel von Urnäsch aus erschliessen. Unterstützung erhielten sie von der Ausserrhoder Regierung. Das Tauziehen entschieden jedoch die Innerrhoder für sich. 1909 entsprach die Bundesversammlung den erneuten Änderungen des Konzessionsgesuchs, das nun vier Teilstrecken vorsah. Das Interesse hielt sich gemäss der Appenzeller-Bahnen-Geschichte aber nach wie vor in Grenzen. Die spärlich fliessenden Mittel reichten nur für die Erstellung der 6,2 Kilometer langen Strecke von Appenzell nach Wasserauen, die vor 100 Jahren in Betrieb genommen wurde. Der Säntis wurde doch noch erschlossen. Fünf Jahrzehnte nach der ersten Konzessionierung fuhren 1935 dank der Schwebebahn die ersten Besucher hinauf, um runterzuschauen.

«100 Jahre Bahn zum Säntis», Bahnhof Wasserauen. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag, 16 bis 18.30 Uhr; Samstag und Sonntag, 14 bis 18.30 Uhr.