APPENZELL: Unfalltod eines Lehrlings in Appenzell bleibt ungeklärt

Der tragische Unfalltod eines 17-jährigen Lehrlings in einer Garage in Appenzell bleibt ungeklärt, weil der Fall verjährt ist. Verantwortlich ist die Staatsanwaltschaft, die zu langsam untersucht hat. Nun hat die Regierung eine externe Analyse angeordnet.

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Mehrfach beanstandet: Der Warenaufzug im Lager der Autogarage. (Bild: Illustration: Patric Sandri)

Mehrfach beanstandet: Der Warenaufzug im Lager der Autogarage. (Bild: Illustration: Patric Sandri)

Der Unfall passierte an einem Freitagnachmittag im September 2010 in einem Garagenbetrieb in Appenzell. Der 17-jährige Lehrling liess mit dem Warenlift Pneus vom Lager in die darunter liegende Werkstatt hinunter. Sein Oberkörper ragte in den Warenlift hinein, als dieser nach unten fuhr. Dabei wurde der Lehrling eingeklemmt und getötet.

Die Staatsanwaltschaft Appenzell Innerrhoden ermittelte wegen Verdachts auf fahrlässige Tötung. Wie «Tagblatt Online» am vergangenen Samstag schrieb, genügte der Lift den gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsbestimmungen nicht und war bereits bei der Inbetriebnahme vom Arbeitsinspektorat beanstandet worden. Wer für den tragischen Unfall verantwortlich war, bleibt ungeklärt. Der Fall ist seit einigen Tagen verjährt.

«Dies darf nicht mehr passieren»
Die Standeskommission (Regierungsrat) habe erst im vergangenen Juni erfahren, dass der Fall in Kürze verjähren werde, und habe bei der Staatsanwaltschaft interveniert, sagte Landamann (Regierungspräsident) Daniel Fässler am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Daraufhin sei das Verfahren zwar noch ans Gericht überwiesen worden. Doch es sei nicht mehr zur Ansetzung eines Termins gekommen und nun sei der Fall verjährt.

«Dies darf nicht mehr passieren», sagte Fässler. Die Standeskommission habe deshalb eine externe Organisationsanalsyse beim Zuger alt Regierungsrat Hanspeter Uster in Auftrag gegeben. Diese solle die Verfahrensabwicklung im Strafverfahren um den Todesfall des jungen Mannes abklären. Zudem solle die strukturelle und personelle Aufstellung der Staatsanwaltschaft geprüft werden. Erste Resultate erwartet Fässler Anfang 2018.

Verfahren dauern zu lang
Dass Verfahren in Appenzell Innerrhoden zu lange dauern, sei seit Jahren bekannt. Die Standeskommission bemühe sich, die Erledigung älterer Fälle zu beschleunigen, teilte die Ratskanzlei am Freitag mit. «Wegen der Gewaltentrennung haben wir keinen Einfluss auf das Gericht», erklärte Fässler am Telefon. Auch bei der Staatsanwaltschaft könne der Regierungsrat nur administrativ eingreifen. Auskünfte zu konkreten Fällen seien nicht zulässig.

Der zuständige Landesfähnrich Martin Bürki (Justiz- und Polizeidirektor) stehe regelmässig in Kontakt mit der Staatsanwaltschaft, die zwei Juristen zu 100-Prozent-Pensen beschäftige. Anhand der Pendenzenliste werde besprochen, ob Massnahmen nötig seien, um Fälle zu beschleunigen. Falls Engpässe drohten, setze die Standeskommission ausserordentliche Staatsanwälte ein. Dies sei in den vergangenen Jahren mehrmals nötig gewesen, sagte Fässler.

Staatsanwalt eingesetzt
Die Standeskommission habe zudem einem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprochen und den St. Galler Rechtsanwalt Julian Giesel als ausserordentlichen Staatsanwalt eingesetzt. Giesel, der zur Zeit in derselben Funktion in St.Gallen tätig ist, wurde für ein Jahr gewählt. Amtsantritt des ausserordentlichen Staatsanwalts ist der 1. November. (sda)