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APPENZELL: Kinderporno in Appenzell - Experte: "Jugendliche wollen durch bewusstes Schockieren Prestige gewinnen"

Ein Appenzeller Teenager hat mutmasslich einen Porno verbreitet. Das betroffene Gymnasium St.Antonius ergreift nun Massnahmen. Denn Pornos sind unter Jugendlichen verbreitet.
Marlen Hämmerli
Jugendliche können via Smartphone sehr einfach in Kontakt mit Pornographie kommen. (Bild: Keystone (Symbolbild))

Jugendliche können via Smartphone sehr einfach in Kontakt mit Pornographie kommen. (Bild: Keystone (Symbolbild))

Nachdem ein Schüler des Gymnasium St.Antonius mutmasslich einen Kinderporno verbreitete, ergreift die Schule Massnahmen. "Wir planen mit der Jugendanwaltschaft Appenzell eine weitere Veranstaltung", sagt Prorektor Marco Knechtle auf Anfrage von "Tagblatt Online". "An dieser wird auch eine Fachpsychologin zugegen sein." Thema des Anlasses wird denn auch nicht in erster Linie die Rechtslage sein, sondern die Hintergründe von und der Umgang mit illegalen Inhalten im jugendlichen Kontext.

Zufällig führt das Gymnasium kommende Woche ausserdem eine besondere Studienwoche durch. Die Neuntklässler werden dabei als Teil des Lehrplans das Thema Medien und Kommunikation behandeln. "Dabei werden wir natürlich auch auf den Vorfall zu sprechen kommen", sagt Knechtle. Ihm sei kein ähnlicher Fall bekannt.

Am Mittwoch hatte die Jugendanwaltschaft die Schülerinnen und Schüler informiert, dass ein Mitschüler mutmasslich mit dem Handy eines Elternteils einen Kinderporno ins Internet gestellt hat. Die Schüler wurden bei diesem Anlass aufgefordert, diesen Film und andere illegale Inhalte von ihren Geräten zu löschen. Auf diese Ereignisse hat Prorektor Knechtle bisher nicht viele Reaktionen erhalten. "Von Seiten der Eltern habe ich nichts gehört. Einzelne Schüler sagten, sie hätten die Art der Information gut gefunden."

Wie "FM1Today" berichtet, stammt das fragliche Kinderporno-Video ursprünglich aus Deutschland. Es war bereits vor zweieinhalb Jahren im Umfeld des St.Galler Schulhauses Grossacker aufgetaucht. Im Filmchen sind zwei Buben zu sehen, die einander unter dem T-Shirt an die Brust fassen. Am Ende des Films ist kurz das Glied eines Kindes ersichtlich.

"Sexualität darf kein Tabu sein"

Um solche Vorfälle wie jenen im Appenzellerland zu vermeiden, ist laut dem Professor für Medienpsychologie, Daniel Süss, vor allem eines wichtig: Aufklärung. "Sexualität darf kein Tabu sein. Auch dargestellte Sexualität nicht." Eltern und Lehrer müssten die Kinder und Jugendlichen zudem altersgerecht darüber aufklären, was illegal sei und was nicht.

Zum Motiv des Appenzeller Schülers möchte sich Süss nicht äussern. "Darüber zu spekulieren ist nicht sinnvoll, da die Gründe individuell sehr unterschiedlich sein können." Ausserdem seien zu wenige Details, etwa zur Herkunft des kinderpornographischen Materials, bekannt. "Schicken Jugendliche einander Pornos, kann das sein, weil sie einander imponieren und durch das bewusste Schockieren Prestige gewinnen wollen." Aber auch Neugierde oder Naivität können laut dem Medienpsychologen Gründe für das Verbreiten von Pornos sein.

Praktisch jeder 13-jährige Junge hat schon Porno gesehen

Bereits 2012 zeigte eine Befragung der Zürcher Fachstelle für Sexualpädagogik "Lust und Frust": 94 Prozent der 13-jährigen Jungen und rund 50 Prozent der gleichaltrigen Mädchen hatten schon einmal einen Porno gesehen. "Dabei handelt es sich in der Regel um Mainstream-Pornos", sagt Süss. "Diese lösen vor allem bei den männlichen Jugendlichen mehrheitlich positive Gefühle aus. Anders als Pornos mit Kindern, Tieren oder Gewalt. Diese werden von praktisch allen Jugendlichen klar abgelehnt."

Fedpol erhält jährlich 3000 Meldungen

Dass pornographisches Material weit verbreitet und relativ leicht zugänglich ist, bekommt auch das Bundesamt für Polizei (Fedpol) zu spüren. Das "National Center for Missing & Exploited Children", das ursprünglich auf den Porno des Appenzeller Teenagers gestossen war, meldet jährlich rund 3000 Verdachtsfälle an die Schweiz, wie Mediensprecher Niklaus Sarbach sagt. Die Organisation greife dazu auf eine Datenbank mit einschlägigen Bildern und Videos zurück und suche dann nach diesen im Internet. "Gibt es einen Treffer, erfolgt eine automatische Meldung an das betroffene Land", sagt Sarbach. Auch aufgrund dieser Meldungen wurden vergangenes Jahr 661 Minderjährige strafrechtlich belangt - wegen strafbaren Handlungen gegen die sexuelle Integrität.

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