Appenzell Ausserrhoden
Auf Paola Giuliani folgt ein erfahrener Troubleshooter +++ Spitalverbund kündigt Untersuchung am PZA an

Paola Giuliani hat den Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden (Svar) vorzeitig verlassen. Ausschlaggebend seien persönliche und private Gründe. Ad interim übernimmt Urs Müller.

David Scarano und Jesko Calderara
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Paola Giuliani ist vorzeitig von ihrem Amt als CEO des Spitalverbunds Appenzell Ausserrhoden zurückgetreten.

Paola Giuliani ist vorzeitig von ihrem Amt als CEO des Spitalverbunds Appenzell Ausserrhoden zurückgetreten.

Bild: Michel Canonica

Der Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden (Svar) kommt nicht zur Ruhe. CEO Paola Giuliani verlässt Ende Juli das Unternehmen vorzeitig. Dies teilte der Svar am Dienstag mit. Ursprünglich war vorgesehen, dass Giuliani nach ihrem Anfang Juni angekündigten Abgang bis Ablauf der sechsmonatigen Kündigungsfrist im Amt bleibt.

Kurz vor dieser Ankündigung Giulianis hatte die Ärztegesellschaft ihren Kopf gefordert – und zwar per sofort. Aus der Politik gab es danach ebenfalls vereinzelt Forderungen, wonach die umstrittene CEO vorzeitig abtreten solle, um zusätzlichen Schaden zu vermeiden. Die Ärztegesellschaft machte unter anderem einen Vertrauensverlust in die Führungspersonen des Svar geltend.

Spitalverbund verurteilt die Angriffe auf den CEO

Nun hat Giuliani den Svar-Verwaltungsrat um die vorzeitige Entbindung von ihren Aufgaben ersucht. Der Verwaltungsrat respektiere diesen Entscheid und bedauere gleichzeitig, dass die Geschäftsführerin per Ende Juli ausscheidet, schreibt der Svar in einer Medienmitteilung. Als Grund für den Schritt werden persönliche und private Gründen genannt. Die nach der Bekanntgabe ihrer Kündigung «lancierten massiven persönlichen Angriffe und die öffentliche Diskreditierung ihrer Person mit Falschaussagen durch notorische Svar-Kritiker» hätten die Ausübung ihrer Funktion in einem Masse beeinflusst, dass ein vorzeitiger Rücktritt nötig geworden sei, heisst es in der Mitteilung weiter.

Darin werden gleichzeitig die Verdienste der scheidenden CEO gewürdigt. Giuliani habe den Spitalverbund während vier Jahren mit persönlichem Engagement, viel Fachwissen und Herzblut geleitet, lobt der Verwaltungsrat. Ausserdem habe sie wesentliche Massnahmen sowie Projekte angestossen und umgesetzt.

Urs Müller mit Erfolg am Spital Bülach tätig

Urs Müller übernimmt die Leitung des Svar im August.

Urs Müller übernimmt die Leitung des Svar im August.

Bild: PD

Nachfolger von Paola Giuliani wird der Arzt, Unternehmer und Interimsmanager Urs Müller. Er übernimmt die operative Führung des Svar im August. Müller soll gemäss Mitteilung die laufende Restrukturierung fortführen und die Neupositionierung des Unternehmens im Kanton und der Spitalregion Ostschweiz umsetzen. Als Orthopäde und Manager mit viel Erfahrung habe er umfassende Kenntnisse in medizinischen sowie betriebswirtschaftlichen Belangen und sei es sich gewohnt, komplexe Situationen erfolgreich zu meistern, schreibt der Svar.

Diese Fähigkeiten unter Beweis stellen musste Müller zuletzt am Spital Bülach, wo er im November 2020 die Leitung interimsweise in einer schwierigen Situation übernahm. Diese war vergleichbar mit der Lage, in der sich der Spitalverbund heute befindet. So gab es auch in Bülach Unruhen unter den Mitarbeitenden und eine hohe Fluktuation. Durch sein grosses Engagement sei es Müller in kurzer Zeit gelungen, das Spital zu beruhigen, notwendige Massnahmen zu installieren und wichtige Projekte weiterzuführen, schreibt das Spital Bülach am Dienstag in einer Mitteilung zum Wechsel seines CEO nach Ausserrhoden. Wie lange er dort bleiben wird, ist gemäss Alain Kohler, Leiter Marketing und Kommunikation beim Svar, offen. Die Suche nach einer geeigneten Nachfolge werde zeitnah gestartet.


Untersuchung wegen hoher Fluktuation am PZA

Der Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden (Svar) kündigte am Dienstag nicht nur einen Wechsel an der Spitze, sondern auch eine Untersuchung am Psychiatrischen Zentrum Herisau (PZA) an. Grund dafür sei die seit längerem überdurchschnittlich hohe Personalfluktuation, welche die Geschäftsleitung festgestellt habe, schreibt der Svar in einer Medienmitteilung. 2020 betrug die Fluktuation beim Svar 22,5 Prozent, wie Regierungsrat Yves Noël Balmer Ende März im Kantonsrat sagte. Wie hoch dieser Wert beim PZA liegt, ist nicht bekannt. Zuletzt hätten sich aber mehrere Kaderpersonen entschieden, das PZA zu verlassen, heisst es in der Mitteilung des Svar weiter. Gleichzeitig entstehe der Eindruck, dass das PZA mutwillig und gezielt destabilisiert und dass die Team-Integration neu eintretender Personen bewusst unterbunden werde. Was damit genau gemeint ist, nennt der Spitalverbund nicht im Detail. «Aus den Austrittsgesprächen kennen wir die genannten Beweggründe im jeweiligen Einzelfall», sagt Alain Kohler, Leiter Marketing und Kommunikation. Um die Dynamik und einen möglichen Zusammenhang mit weiteren Ereignissen rund um das PZA zu verstehen, sei jedoch eine vertiefte Untersuchung notwendig. Diese wird nun mit der Zürcher Anwaltskanzlei Ruoss Vögele eine externe und neutrale Stelle durchführen. Im Rahmen der Untersuchung werden unter anderem diverse Mitarbeitergespräche geführt. Zum Abschluss wird der Verwaltungsrat einen Bericht erhalten. Ziel der Untersuchung sei es, die Vorgänge am PZA zu verstehen, damit anschliessend gezielt die richtigen Massnahmen eingeleitet werden könnten, sagt Alain Kohler. Wie lange die Arbeit der Anwälte dauern wird, ist offen. Bis zum Vorliegen des Schlussberichts wird sich der Spitalverbund gemäss Kohler nicht weiter äussern, «insbesondere nicht zu Gerüchten und Vermutungen». (cal)