Appenzell Ausserrhoden ist Gastkanton am Zürcher Sechseläuten 2021 und wird «zöiftig»

Appenzell Ausserrhoden wird am Zürcher Sechseläuten 2021 als Gastkanton teilnehmen. Der Regierungsrat hat für die Durchführung des Anlasses einen Kredit von 250'000 Franken gewährt.

Karin Erni
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Die Verbrennung des Bööggs ist ein Teil des Zürcher Sechseläuten. (Bild: Keystone)

Die Verbrennung des Bööggs ist ein Teil des Zürcher Sechseläuten. (Bild: Keystone)

Am Montag, 19. April 2021, wird erstmals in der Geschichte des Zürcher Sechseläutens eine Ausserrhoder Delegation am Umzug durch die Strassen mitmarschieren, sich zujubeln und mit Blumen beschenken lassen. Mehrere Einladungen des Zentralkomitees der Zürcher Zünfte waren nötig gewesen, bis sich Ausserrhoden bereit erklärt hat, als Gast teilzunehmen und sich während vier Tagen im wirtschaftlichen Zentrum der Eidgenossenschaft zu präsentieren.

Ausserrhoden ist somit der einzige Deutschschweizer Kanton, der noch nie am Zürcher Traditionsanlass teilgenommen hat. Der Ausserrhoder Regierungsrat hat für die Teilnahme einen Beitrag von 250'000 Franken aus dem Lotteriefonds gesprochen. Bau- und Volkswirtschaftsdirektor Dölf Biasotto freut sich: «Ich bin mir sicher, dass es eine gute Investition in die Zukunft ist.» Erfahrungsgemäss ergäben sich durch solche Veranstaltungen neue Kontakte und nützliche Verbindungen. Er habe sich diesbezüglich bei der Innerrhoder Regierung erkundigt, so Biasotto. Deren Auftritt am Sechseläuten im Jahr 2001 habe messbare Effekte auf die Wirtschaft gehabt.

Früher war kein Geld vorhanden

Auf die Frage, warum man sich so lange bitten liess, sagt Biasotto: «Der Staatshaushalt war in früheren Jahren defizitär und die damit verbundenen Sparmassnahmen haben ein solches Engagement nicht zugelassen.» Die Erfahrungen mit der Fête des Vignerons hätten zum positiven Entscheid des Regierungsrates beigetragen, denn so wie es aussehe, sei man mit der Veranstaltung klar im Budget geblieben, so Biasotto. Auftritt wird von bekanntem Duo organisiert Für den Ausserrhoder Auftritt ist ein Team aus Teufen verantwortlich. OK-Präsident ist der ehemalige Gemeindepräsident Gerhard Frey, der mit der Organisation des Auftritts des Appenzellerlandes an der Olma und des Marché-Concours in Saignelégier über viel Erfahrung verfügt. Dieses Jahr konnte er sich als OK-Chef der Fête des Vignerons warmlaufen. Sekundiert wird Frey von Peter Zeller. Der ehemalige Springreiter züchtet Sportpferde und betätigt sich als Parcoursbauer und Schauexperte. Pferdeaffinität ist die ideale Voraussetzung für einen Anlass wie dem Sechseläuten, bei dem diese Tiere eine wichtige Rolle spielen.

Wirtschaft soll profitieren

Wie der Ausserrhoder Auftritt im Detail aussehen wird, sei noch nicht bekannt, sagt Dölf Biasotto. «Wir werden sicher im nächsten Frühjahr als Besucher des Sechseläutens nach Zürich fahren, die Ausstellung im Lindenhof genau anschauen und die Möglichkeiten ausloten.» Danach müsse man kreativ werden. Einige thematische Fixpunkte wie das Brauchtum, die Kultur und der Tourismus seien gesetzt. Man wolle aber nicht nur die Schwägalp und den Säntis präsentieren, sondern auch Orte wie Heiden. Auch Jugend und Schule würden einen Auftritt am Kinderumzug haben. Kanton soll wirtschaftlich profitieren Dölf Biasotto legt Wert darauf, dass der Gastauftritt vor allem den hiesigen Wirtschaftsstandort stärken soll, indem Kontakte mit Zürcher Firmen hergestellt werden. «Wir haben einige Perlen im Kanton, die wir vorzeigen können.» Ein Paradebeispiel sei die Firma Huber+Suhner, die über einen Standort in Zürich verfüge.

Teilweise umstrittener Anlass

Ein Auftritt am Sechseläuten war in der Vergangenheit bei einigen Angefragten umstritten. Im Jahr 2014 hat die Liechtensteiner Regierung ihre ursprüngliche Zusage wieder zurückgezogen, zuvor war bereits Luzern abgesprungen. Auch der geplante Auftritt von Uri 2020 stand auf der Kippe, weil die Finanzkommission den Kredit streichen wollte. Gemäss Biasotto droht in Ausserrhoden diesbezüglich kaum Gefahr, da die entsprechenden Posten im Aufgaben- und Finanzplan bereits erwähnt sind und der Kantonsrat davon Kenntnis hatte.