APFELKÖNIGIN: "Das Verteilen der Äpfel ist auch ein Verteilen von Freude"

Sonja Rechberger-Schär wurde 1998 zur ersten Thurgauer Apfelkönigin gewählt. Auch heute noch blickt die Unterrichtsassistentin und Mutter gerne auf ihr Amtsjahr zurück.

Ines Biedenkapp
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Sonja Rechberger-Schär war Thurgaus erste Apfelkönigin. (Bild: Andrea Stalder)

Sonja Rechberger-Schär war Thurgaus erste Apfelkönigin. (Bild: Andrea Stalder)

Interview: Ines Biedenkapp

ines.biedenkapp@thurgauerzeitung.ch

Sonja Rechberger-Schär, wie sind Sie vor 20 Jahren dazu gekommen, Thurgauer Apfelkönigin zu werden?

Das ist über ein Inserat in der «Thurgauer Zeitung» geschehen. Ich glaube, das ist auch heute noch so, oder? Dazu muss ich anmerken, dass mein Bruder eine Obstanlage für Tafelobst hat. Früher führten diese meine Eltern. Schon seit meiner Kindheit war ich immer gern bei den Bäumen und habe dort meine Zeit verbracht. Das war auch mein Bezug, warum ich Apfelkönigin werden wollte.

Wie hat das Jahr als Apfel­königin damals für Sie ausgesehen?

Das war schon vielfältig. Ich war oft bei Grossverteilern wie Migros oder Coop und habe dort viele Äpfel verteilt. Das waren wirklich sehr viele Äpfel. Ich war an der Wega und der Olma. Dann am Obstlehrpfad in Altnau und einmal noch an einem Heissluftballon-Treffen. Es war eine Menge. Ich bin im Raum Zürich, St. Gallen und Thurgau unterwegs gewesen. Ich war die Erste, die Referate gegeben hat, aber das war eher bei Obstbauern.

Was machen Sie heute?

Ich bin Hausfrau und schaffe Teilzeit als Unterrichtsassistentin in der Primarschule. Ich habe zwei Kinder, die neun und elf Jahre alt sind. Im Übrigen habe ich während meines Jahres als Apfel­königin das Lehrerseminar in Kreuzlingen besucht und abgeschlossen.

Schauen Sie gerne auf das Jahr als Apfelkönigin zurück?

Ja absolut! Da habe ich sehr schöne Erinnerungen dran. Ich habe die Einsätze sehr genossen. Man kommt mit sehr vielen Leuten in Kontakt. Das Verteilen der Äpfel ist auch ein Verteilen von Freude. Auch heute ist der Apfel immer noch sehr wichtig für mich.

Verfolgen Sie die Wahlen der Apfelkönigin heute noch?

Ja, allerdings mehr via Medien. Es gibt ab und zu noch Treffen oder Einladungen, wo man Ehemalige trifft, da war ich auch schon.

Was hat sich verändert?

Ich finde, heute ist es relativ gut gecoached. Ich war damals 26. Für die Apfelkönigin muss man jung und unternehmungslustig sein. Aber es ist professioneller. Die Einsätze sind auch internationaler geworden. Ich habe damals für die Wahl 1000 Franken bekommen. Für einen halben Tageseinsatz 125 und für einen ganzen Tag 250 Franken. Aber ich musste mich um meine Einsätze selbst kümmern. Ich habe das Auto meiner Eltern nehmen müssen.

Heute tragen Apfelköniginnen die Thurgauer Tracht.

Diadem und Schärpe waren auch bei mir Pflicht. Aber weil der Verband eine moderne Apfelkönigin wollte, bestand mein Tenue damals aus einem dunkelblauen Hosenanzug.

Warum ist die Apfelkönigin auch heute noch so beliebt?

Ich denke, die Werbung für den Apfel ist etwas Positives. Er ist ein König der Früchte: «An apple a day keeps the doctor away.» Der Apfel hat halt eine sehr positive Ausstrahlung auf uns. In der Vergangenheit, in Mythen und Sagen, und heute auch. Und denken wir an Wilhelm Tell. Ohne Apfel gäbe es keinen Freiheitskämpfer. Ausserdem ist der Apfel etwas Volksnahes. Ich würde aber sagen, dass sich der Geschmack etwas geändert hat.