Begrüssung
Ein grosses «Sankt Hallo»: Der St.Galler Willkommensanlass für die Neuzuzüger ist gelungen – mit einem Schönheitsfehler

Bier, Bratwürste und eine junge Popsängerin aus St.Gallen: Die Standortförderer legen sich mächtig ins Zeug, um den Neo-St.Gallerinnen und Neo-St.Gallern eine tolle Party zu bieten.

Melissa Müller
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Die St.Galler Newcomerin Joya Marleen begeistert die Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger ebenso wie die Bratwürste.

Die St.Galler Newcomerin Joya Marleen begeistert die Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger ebenso wie die Bratwürste.

Bild: PD

Da ist eine Heimweh-Ostschweizerin, die mit Mann und Baby aus dem Kanton Aargau zugezogen ist, eine junge Web-Designerin, die in Gossau keine bezahlbare Wohnung fand. Oder ein älterer Toggenburger, den es wegen einer neuen Liebe in die Stadt St.Gallen zog. 550 Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger sind am Mittwoch der Einladung ins St. Galler Athletikzentrum gefolgt. Unter dem Motto «Sankt Hallo» gab’s einen lockeren Willkommenstreff mit Infos rund um die Stadt.

Nur einen kleinen Schönheitsfehler hat der aufwendig organisierte Anlass: Stadtpräsidentin Maria Pappa und weitere Redner halten ihre Ansprachen in breitem St.Galler Dialekt. So erfahren nicht alle Zuhörerinnen, was es mit Gallus und dem Bären auf sich hat. Und dass der irische Mönch nicht wegen des Bären da blieb, sondern weil St.Gallen ein Kraftort sei. Manche Gäste kommen aus England, Frankreich, Indien oder Deutschland. Ist die Mundart da die richtige Wahl für eine offizielle Ansprache? «Auch meine Eltern wanderten vor 60 Jahren aus Sizilien in die neue Heimat ein», erzählt Maria Pappa. Warum macht sie das nicht sensibel dafür, dass das St.Gallerdeutsch nicht allen Anwesenden geläufig ist? An der Wand hängen Wappen mit Sprüchen wie «Sankt ohne Senf» oder «Sankt Punk». «Sankt Fettnäpfchen» möchte man da hinzufügen.

Zum Auftakt betritt eine aufgestellte junge Frau mit Gitarre die Bühne: Kantischülerin Joya Marleen singt ihren Hitparaden-Ohrwurm «Nightmare». Kein Albtraum wird die Party danach: Die Stimmung ist ausgelassen, das Bier fliesst, die Würste dampfen, man kommt rasch ins Gespräch. Neuzuzügerinnen flanieren entlang der Stände, an denen sich Handballerinnen, Rugbyspieler, Sexberaterinnen, Polizisten, Politikerinnen und Naturschützer von ihrer besten Seite zeigen und kleine Geschenke und Broschüren mit auf den Nachhauseweg geben. Eine unkomplizierte Kontaktbörse.

In der Einladung wurde darauf hingewiesen, dass auch die «berühmteste St.Gallerin» nicht fehlen werde: die Bratwurst. Ein plumper Scherz. Die ganze Halle riecht nach Würsten. Fleischlose Alternativen gibt’s nicht. «Warum tut man immer so, als ob die Bratwurst die einzige St.Galler Spezialität sei?», fragt sich eine junge Vegetarierin. Es bleibt ihr nur der Biss ins trockene Bürli. Was wiederum zum viel beschworenen Klischee der «brötigen» St.Gallerinnen und St.Galler passt.