Anzeige gegen Daniel Model

Eigene Sheriffs, eigenes Gericht: Der Thurgauer Unternehmer Daniel Model baut an seinem eigenen Staat. Nun will ihn ein Blogger aus Österreich wegen Nötigung vor Gericht bringen.

Sabrina Bächi
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Der Mediensprecher der Thurgauer Staatsanwaltschaft, Stefan Haffter, bestätigt, dass gegen den Unternehmer Daniel Model eine Anzeige eingegangen ist. Der Österreicher Dietmar Mühlböck will Model wegen Nötigung vor Gericht bringen. Dabei geht es im Grunde auch um ein Gericht, allerdings um ein selbst legitimiertes, frei erfundenes, das sich International Common Law Court of Justice Vienna (ICCJV) nennt und seit einem halben Jahr den Hauptsitz in Müllheim im Modelhof hat.

Mühlböck schreibt in seiner Anzeige, dass Model nicht nur die Infrastruktur dem Phantasiegerichtshof zur Verfügung stellt, sondern gemäss der Gründungsurkunde auch Mitgründer des ICCJV ist. Auf deren Homepage ist diese Urkunde einsehbar. Sie wurde am 2. Oktober 2015 in Bern unterzeichnet. Als Gründer und Initiator setzte Model seine Unterschrift samt Fingerabdruck auf das Dokument. Darauf angesprochen bestreitet Model, dass er ein Gründungsmitglied der internationalen Organisation ICCJV sei. Er bekleide lediglich das Amt eines Friedensrichters.

Das Phantasiegericht hat am 17. Februar 2016 die Republik Österreich wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag angezeigt. Unter den Beschuldigten sind nebst Beamten und Politikern auch Privatpersonen aufgeführt, die ebenfalls wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit angezeigt wurden. Eine dieser beschuldigten Personen ist Dietmar Mühlböck, der sich seinerseits nun mit einer Anzeige gegen Daniel Model und den Phantasiegerichtshof wehrt.

«Völlig aus der Luft gegriffen wird behauptet, ich hätte nicht näher bezeichnete Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen», schreibt Mühlböck. Der Phantasiegerichtshof wirft dem österreichischen Blogger, der seit einigen Jahren über die Bewegung von Staatsverweigerern schreibt, vor, er hätte sich durch seine Berichterstattungen der Verleumdung, Verhetzung, des Rufmordes schuldig gemacht. «Ich möchte mit meiner Anzeige erreichen, dass gegen diesen illegitimen Gerichtshof vorgegangen wird – aber das ist die Maximalhoffnung», sagt Mühlböck. Er selbst wurde wegen seiner schriftlichen Äusserungen schon mehrfach bedroht: «Das grenzt fast schon an Terrorismus.»

In Österreich ist das Phänomen der Staatsverweigerer bekannter als in der Schweiz. Wie Model halten sie nichts von Staaten, die ihnen ihre Souveränität mit Begriffen wie Verfassung oder Gesetz nehmen wollen. Model hat sich mit seinem Staat Avalon im Modelhof einen Ort geschaffen, an dem er ohne solche Bevormundungen leben will.

Mitglieder tragen Waffen

Weil Model seinen Wohnsitz aus steuerrechtlichen Gründen nach Vaduz verlegt hat, ging die Anzeige gegen ihn zunächst an die Staatsanwaltschaft Liechtenstein. Diese hat den Fall mangels inländischer Zuständigkeit eingestellt. Nun liegt die Anzeige im Thurgau. Model wusste bis gestern nichts von einer Anzeige, schreibt aber auf Anfrage: «Eine etwaige Anklage an meine Person wäre merkwürdig.» Ausserdem lässt er verlauten, dass er die Fragen unserer Zeitung als Nötigung empfinde.

Dass von dem Phantasiegericht und dessen Ablehnung gegenüber staatlichen Gesetzen eine reale Gefahr ausgeht, sieht Dietmar Mühlböck auch in deren Ansichten zum Waffengesetz. Die zum Phantasiegericht gehörende Sheriff-Vereinigung ist gemäss der Homepage des ICCJV «aus der Immunität als Völkerrechtssubjekt» befugt, «geladene Waffen offen oder verdeckt zu tragen». Sie schreiben weiter, dass das Tragen einer Waffe nicht nur zur Selbstverteidigung dient, sondern dass sie «gegen jeden Friedensstörer» verwendet werden darf. Sogenannte Sheriffs laufen auch in Müllheim durch die Strassen.

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