Anwohner bekämpfen Antenne

Sunrise will im Zentrum von Romanshorn eine Mobilfunkantenne bauen. Anwohner wehren sich gegen das Vorhaben. Sie machen sich Sorgen um ihre Gesundheit und befürchten, dass die Immobilien in der Nachbarschaft an Wert verlieren.

Michèle Vaterlaus
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Ruedi Schraff, Gerhard Ströbele und Fritz Wehrli wehren sich gegen die Installation einer Mobilfunkantenne. (Bild: Michèle Vaterlaus)

Ruedi Schraff, Gerhard Ströbele und Fritz Wehrli wehren sich gegen die Installation einer Mobilfunkantenne. (Bild: Michèle Vaterlaus)

ROMANSHORN. Ruedi Schraff sorgt sich um seine Gesundheit. Denn direkt neben seiner Eigentumswohnung in Romanshorn will die Sunrise Communications AG eine Mobilfunkantenne aufstellen. Dies, obwohl er von seinem Balkon aus bereits sieben Antennen sehen kann. Mit seinen Sorgen ist der Romanshorner nicht allein. Auch sein Nachbar Fritz Wehrli macht sich seine Gedanken. Die Antenne wäre nur 30 Meter von seinem Schlafzimmer entfernt. «Niemand weiss, wie gefährlich die Strahlen für unsere Gesundheit sind», sagt Schraff. Versichern wolle das Risiko niemand. «Also kann das Ganze nicht harmlos sein.»

Gemeinsam mit Gerhard Ströbele haben Ruedi Schraff und Fritz Wehrli die IG Strahlenfreies Zentrum gegründet. Sie hat zum Ziel, die geplante Antenne an der Gartenstrasse in Romanshorn zu verhindern.

220 Personen betroffen

Das Baugesuch liegt seit dem 27. März und noch bis am 15. April auf. «Berechtigt zur Einsprache sind alle, die in einem Umkreis von 577 Meter von der Antenne wohnen», sagt Schraff. Die drei Einwohner sammeln in diesem Gebiet Unterschriften und haben Flyer verteilt. Betroffen sind gemäss Berechnungen der IG 85 Wohnungen mit 220 Bewohnern, 20 Arbeitsplätze und 35 künftige Wohnungen. «Die Frage ist, wer noch bauen will, wenn eine Antenne steht.» Neben dem gesundheitlichen Risiko, welches eine Antenne berge, verlören durch den Bau einer solchen auch die Liegenschaften an Wert. «Bis zu 50 Prozent Wertverlust – im schlimmsten Fall wird ein Objekt unverkäuflich. Das kommt einer Enteignung gleich», sagt Fritz Wehrli. «Das kann doch nicht im Interesse der Stadt sein, die eine Belebung des Zentrums anstrebt.»

Damit rückt Kritik an der Stadt in den Fokus. Die drei werfen der Behörde nämlich schlechte Kommunikation vor. Die Sunrise Communications AG sei mit ihrem Baugesuch bereits im Oktober an die Stadt gelangt. Diese hat es zur Prüfung dem Kanton weitergereicht. «Seit Herbst hätte man uns informieren können. Das ist nicht geschehen. Wir müssen annehmen, dass die Stadt den Bau der Antenne befürwortet», sagt Schraff.

Stadt hält sich an das Recht

Weil die IG bisher keinen Kontakt mit der Stadt aufgenommen hat, will Stadtschreiber Rolf Vorburger keine Stellung zu den Vorwürfen nehmen. Er weiss, dass bereits einige Einsprachen gegen die Antenne eingegangen sind. Die Stadt kann aber wenig tun: «Es gibt ein Baurecht, an das wir uns halten müssen.» Kommuniziert habe die Stadt richtig, und zwar mit der Auflage des Baugesuches. Im Oktober habe Sunrise lediglich erklärt, dass sie die Absicht habe, eine Mobilfunkantenne zu bauen. Ein Baugesuch habe nicht vorgelegen.

Sunrise baut nicht aus Spass

Roger Schaller, Mediensprecher bei Sunrise, betont: «Wir bauen niemals aus Spass eine Antenne, sondern nur, wenn ein Bedürfnis vorhanden ist.» Sunrise betreibe derzeit drei peripher gelegene Standorte in Romanshorn. Mit dem neu geplanten Standort habe das Unternehmen die Absicht, «dem vermehrten Verkehrsaufkommen gerecht zu werden und eine gute Versorgungsqualität aufrechtzuerhalten». Der Standort an der Gartenstrasse liege sehr zentral zwischen den bestehenden Anlagen und könne deshalb eine optimale Versorgung des Zentrums sicherstellen. Beim Bau einer Antenne müsse sich Sunrise selbstverständlich an Grenzwerte halten, die vom Bund vorgeschrieben seien. «Die Zahlen, die wir berechnen, basieren dabei immer auf einem Worst-Case-Szenario. Das heisst, die Werte der elektromagnetischen Strahlung werden nur bei einer vollen Auslastung der Antenne erreicht», erklärt Schaller. Diese sei selten erreicht, schon gar nicht mitten in der Nacht. Des weiteren würden Beton und Fenster die elektromagnetische Strahlung dämpfen.

Bis vor Bundesgericht

Die IG Strahlenfreies Zentrum weiss: Der Kanton hat das Gesuch als bewilligungsfähig eingestuft. Seitens der Denkmalpflege oder des Ortsbildschutzes gebe es keine Einwände. «Uns bleibt wohl nichts anderes übrig, als ins Rekursverfahren über die kantonalen Beschwerdeinstanzen bis zum Bundesgericht zu gehen», sagt Schraff. Nütze das nichts, müsse er allenfalls einen Verkauf der Wohnung und einen Umzug in Betracht ziehen.

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