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Anwalt aus und mit Überzeugung: Alt Nationalrat Remigius Kaufmann

Als Anwalt, Kantonsrat, Nationalrat und Administrationsratspräsident hat sich Remigius Kaufmann in Politik und Gesellschaft engagiert. Vor neun Jahren setzte ein plötzliches Leiden seinem Wirken ein abruptes Ende; ihm ist er am 28. März erlegen.
Josef Osterwalder
Remigius Kaufmann, 20. Juli 1925 bis 28. März 2011. (Bild: Regina Kühne)

Remigius Kaufmann, 20. Juli 1925 bis 28. März 2011. (Bild: Regina Kühne)

Ein Leben für das Recht; ein Anwalt «mit Leib und Seele» – so hat die Öffentlichkeit Remigius Kaufmann kennengelernt: im Beruf, in der Politik und nicht nur in St. Gallen allein, sondern landesweit. Er gehörte zu den Politikern, die sich einen Namen machten. Nicht weil sie das Rampenlicht suchten, sondern weil sie geradlinig ihre Überzeugungen vertraten. Als Anwalt fühlte er sich der Gerechtigkeit, als Politiker dem Allgemeinwohl verpflichtet, berufliches und politisches Wirken gingen Hand in Hand.

Politik und Beruf

Remigius Kaufmann ist in Wil aufgewachsen. Als Sohn eines Rechtsanwalts hat er sich ebenfalls für die Rechtswissenschaft entschieden. Seine Studien in Freiburg beendet er 1951 mit dem Doktorat. Nach einem Praktikum in St. Gallen erwarb er 1953 das Anwaltspatent. Acht Jahre nach dem Krieg war es für Juristen nicht leicht, Arbeit zu finden. Deshalb arbeitete er auf einem Architektur- und Immobilienbüro, bis er 1956 als Partner in die Kanzlei von Remigius Bärlocher eintrat, in der bis zur Wahl in den Bundesrat auch Thomas Holenstein gewirkt hatte. In diese Zeit fiel auch die Familiengründung mit Pia Haag, was ihn in St. Gallen sesshaft werden liess. 1964 eröffnete er seine eigene Anwaltspraxis. Bereits die Doktorarbeit über steuerliche Aspekte der Personalfürsorge zeigte sein Interesse am Zusammenspiel von privatem und öffentlichem Recht, ein Bezugsfeld, das wie von selbst zur Politik führte. 1968 wurde er in den Kantonsrat gewählt, als Mitglied des christlichsozialen Parteiflügels der CVP. Schwerpunkt bildeten in dieser Zeit das Baurecht und das Steuerrecht. Als Kurt Furgler im Dezember 1971 in den Bundesrat gewählt wurde, rückte Remigius Kaufmann für ihn in den Nationalrat nach.

Natur als Verpflichtung

In seinen elf Berner Jahren entwickelte er ein besonderes Sensorium für kommende Entwicklungen. Als passionierter Wanderer und Berggänger suchte er in der Natur nicht nur Erholung, sondern spürte früher als andere, wie wichtig es ist, die Umwelt nachhaltig zu schützen. Er engagierte sich für das Umweltschutzgesetz, Autobahnvignette, Abgasfilter, Raumplanung, Wanderwege. Er wirkte massgebend mit, dass in Montlingen die Autobahn tunneliert und in Quarten der Tunnel verlängert wurde. Er hätte auch in St. Gallen die Autobahn ganz in einen Tunnel verlegt und auf den Splügenanschluss verzichtet.

Wichtig waren ihm als Nationalrat auch eine soziale Familienpolitik und der Schutz des Lebens.

Franziskanische Prägung

In all diesen Bereichen war er fortschrittlich und wertkonservativ zugleich. Hier wirkte wohl die franziskanische Prägung nach, die er im Kapuzinergymnasium in Stans kennengelernt hatte. Sie lehrte ihn auch eine lebensnahe, wetterfeste Frömmigkeit; Eigenschaften, die er als Präsident des Administrationsrates brauchen konnte, dem Amt, das er von 1982 bis 1995 versah. In dieser Zeit setzte er sich für ein selbstbewusstes, aber auch kooperatives Auftreten des katholischen Konfessionsteils ein. In seine Amtszeit fiel das Scheitern der Sparkassa der katholischen Administration, ein Ereignis das ihn stark belastete, dem er aber als Leiter der Liquidation noch eine positive Wende geben konnte. Umso mehr freute ihn der andere «Betrieb» des Konfessionsteils: die positive Entwicklung der Flade.

Schicksalstag wurde der 19. Juli 2002, als ihn ein Hirnschlag traf und in dauernde Ohnmacht versetzte. Für die Familie begann ein langes Abschiednehmen; den Tod erlebte sie nun «wie eine Frucht, die ausgereift zur Erde fällt».

Zu Idealen stehen

Ein Leitsatz des Verstorbenen lautete: «Wenn man zu seinen Idealen steht, muss man dafür büssen.» Er wurde für seine Ideale nicht nur gebüsst, sondern auch geachtet.

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