Mit Paletten, Absperrband und freundlichem Personal: Die Ostschweizer Supermärkte sind für den Oster-Ansturm gerüstet

Der Ostereinkauf in Zeiten der Coronakrise: Viele Kunden vermeiden den Einkauf in der Karwoche.

Christoph Zweili
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Um Ansammlungen am Gründonnerstag und am Karsamstag zu vermeiden, haben viele ihren Ostereinkauf vorverlegt.

Um Ansammlungen am Gründonnerstag und am Karsamstag zu vermeiden, haben viele ihren Ostereinkauf vorverlegt.

Bild: Ralph Ribi

Der Zugang zum Herzstück des Einkaufszentrums «Amriville», dem Migros-Supermarkt in Amriswil, ist speziell markiert: Zutritt nur über den Haupteingang Nord! In Zeiten der Coronakrise gelten Regeln beim Einkaufen – gerade bei den Grossverteilern. Das Migros-Restaurant und die m-electronics-Filiale sind hinter dicken Gittern versteckt, vor dem Kiosk bildet sich eine Schlange. Ein Plakat an der Rolltreppe warnt: Aufgrund der Bundesvorgaben ist nur eine beschränkte Anzahl Personen zugelassen. Im oberen Stock lenken Paletten und Absperrbänder die Besucher zum Eingang. Über Lautsprecher werden sie im Innern an die 2-Meter-Abstandsregel erinnert, dann die Aufforderung:

«Bitte verzichten Sie aus Respekt auf Hamsterkäufe. Es gibt genug Lebensmittel!»

Der Grossverteiler weiss, was vor Ostern auf ihn zukommt, es ist neben Weihnachten die verkaufsstärkste Zeit des Jahres: Man orientiere sich auch in Zeiten der Pandemie an Erfahrungswerten aus den Vorjahren, heisst es in der Zentrale in Gossau. Was dieses Jahr neu dazukomme, seien die behördlich verordneten Einschränkungen.

Die Kunden sind gelassen – das Personal ist freundlich

Vor allem die grossen Filialen machen in diesen Tagen deutlich höhere Umsätze. «In den vergangenen Tagen haben wir aber auch in kleineren Verkaufsstellen eine aussergewöhnlich hohe Kundenfrequenz und Nachfrage festgestellt», sagt Mediensprecher Andreas Bühler. «Das gilt insbesondere für Grundnahrungsmittel und Güter des täglichen Bedarfs.» Im Migros-Supermarkt in Amriswil geht alles seinen Gang – die Kunden sind gelassen, das Personal ist freundlich. Man weicht sich aus, lässt andern an der Hausbäckerei und den bedienten Fleisch-, Fisch- und Käsetheken den Vortritt. Die Regale mit WC-Papier, Konserven, Pasta oder Teig sind voll. Die Zeit der Hamsterkäufe ist vorbei.

Wie in andern Migros-Filialen füllen auch in Amriswil Mitarbeitende aus den Fachmärkten, der Gastronomie oder den Klubschulen die Regale auf, führen Eingangskontrollen durch oder reinigen Einkaufswägeli, weil sie aufgrund der behördlichen Restriktionen nicht ihrer regulären Tätigkeit nachgehen können. Von der erwarteten Einkaufshektik vor Ostern keine Spur – statt der maximal zugelassenen 180 Personen werden nur rund 70 im Verkaufsraum registriert. Würde die Höchstzahl überschritten, käme das Tropfensystem zum Tragen – die Kunden müssten anstehen. In den grösseren Filialen hat die Migros das Sicherheitspersonal aufgestockt, um bei Kundenandrang vor den Gebäuden die Einhaltung der Distanzregeln durchzusetzen.

Via Lautsprecher-Durchsagen und im Migros-Magazin hat der Grossverteiler im Vorfeld die Kunden darauf hingewiesen, ihre Einkäufe sorgfältig zu planen und diese wenn möglich nicht in letzter Minute zu tätigen. Das zeigt offenbar Wirkung, wie auch Beobachtungen aus andern Filialen zeigen – teilweise gab es dafür bereits am Mittwoch einen Grossandrang in Migros-Märkten, so etwa in Romanshorn. Auch Coop hat am Montag die Kunden über Social Media gebeten, ihre Ostereinkäufe frühzeitig zu erledigen.

100 Bestellungen pro Tag für Nachbarschaftshilfe

Im «Amriville»-Migrosmarkt erinnert derweil eine Lautsprecher-Durchsage an das zusammen mit Pro Senectute lancierte Nachbarschaftshilfe-Projekt für Personen in der Risikogruppe. Schweizweit werden bisher Bananen, Rüebli, Eier, Chicorée und Frischhefe am häufigsten bestellt. Bis Dienstag wurden 10'000 Bestellungen ausgeliefert, 19'300 Helfer haben sich registriert.

Auch im Einzugsgebiet der Migros Ostschweiz ist das Projekt «sehr erfreulich angelaufen», wie Migros mitteilt. In den letzten Tagen seien «weit über 100 Bestellungen pro Tag notiert worden», mehr als 2000 Helfer hätten sich registriert. Coop hat mit dem Schweizerischen Roten Kreuz einen kostenlosen Heimlieferdienst für Personen über 65 Jahre aufgezogen. Er werde «sehr geschätzt» und «rege genutzt» heisst es von offizieller Stelle.

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