ANLEGESTELLE FREIHEITSSTATUE: Milliardär Würths Yacht verärgert New Yorker

Der schwäbische «Schraubenkönig» Reinhold Würth ist auch in der Ostschweiz ein Begriff: Sein Firmensitz mit Kunstausstellungen in Rorschach gilt als Touristenattraktion. Nun hat der superreiche Kunstsammler ausgerechnet als «Bildverderber» Touristen in New York verärgert.

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Ausriss des New Yorker Zeitungsberichts: Das Schimpfwort «Jackass» meint etwa «Blödmann» oder «Vollpfosten». (Bild: Screenshot: New York Post)

Ausriss des New Yorker Zeitungsberichts: Das Schimpfwort «Jackass» meint etwa «Blödmann» oder «Vollpfosten». (Bild: Screenshot: New York Post)

Weil er Ende Juli mit seiner Megayacht Vibrant Curiosity (Lebhafte Neugier) drei Tage bei der Freiheitsstatue anlegte, schimpfte die «New York Post» am 1. August über die «Trottel-Aktion» (jerk move) eines «weiteren Milliardär-Blödmanns» (jackass billionaire). Seither haben etliche deutsche Zeitungen das unrühmliche Manöver des 82-Jährigen verbreitet, bis hin zur «Frankfurter Allgemeinen».

«Ich bin so wütend, dass der mein Foto ruiniert hat», zitiert die «Post» eine 25-jährige Deutsche, die das Wahrzeichen von der Staten-Island-Fähre aus ablichten wollte. «Es ist das typische Image eines Reichen – kümmert sich um niemanden.» Dabei war es innert Kürze das dritte Mal, dass eine Yacht die weltberühmte Sicht verdarb. Laut dem Artikel begann die ärgerliche Reihe im April mit der Yacht des russisch-amerikanischen Oligarchen Eugene Shvidler und wurde im Juni mit der 97 Meter langen «Vava II» des italienisch-schweizerischen Milliardärs Ernesto Bertarelli fortgesetzt; beide Luxusboote blockierten tage- oder gar wochenlang die Anlegestelle am Sockel der Freiheitsstatue.

Zwar handelt es sich laut der Hafenbehörde um einen legalen Ankerplatz. Doch sei er verpönt, zumal man dort die andernorts teuren Anlegegebühren spare. «Diese Typen sollten Parkgelder zahlen wie alle andern auch», sagt der Präsident der Waterfront Alliance in der «New York Post». «Und sie sollten genug Menschenverstand und Höflichkeit besitzen, ihre Boote dort abzustellen, wo sie nicht Tausende täglich daran hindern, die Freiheitsstatue zu sehen.» Mit seiner Yacht machte Reinhold Würth – geschätztes Vermögen neun Milliarden Euro – bereits 2009 unrühmliche Schlagzeilen: Er kaufte den über 100 Millionen Euro teuren Kahn, kurz nachdem er seinen Beschäftigten Kurzarbeit und Lohnkürzungen verordnet hatte. Einen Widerspruch zu seiner Abneigung gegen Müssiggang und Verschwendung mochte er nicht sehen. Die Yacht sei für ihn «weniger Spielzeug als Geldanlage», meinte er im «Handelsblatt». Und die bringe nicht nur Vergnügen, sondern familiäre Probleme: «Meine Frau ist nicht so gern auf dem Wasser. Sie wird schnell seekrank.»

Den Standort Rorschach wählte der begeisterte Hobbypilot Würth auch wegen der Nähe zum Flugplatz Altenrhein. Nach der Episode in New York dürften sie im st.-gallischen Hafenstädtchen froh sein, dass der betagte Schiffskapitän nicht auf dem Bodensee schippert. Sonst müsste man noch ums Fotosujet Kornhaus bangen. (mel)