Kommentar

Anklage gegen ehemaligen Innerrhoder Staatsanwalt: Jetzt muss wieder Vertrauen her

Dass der Todesfall eines Lehrlings in einem Warenlift ohne Urteil verjährte, trug der Innerrhoder Justiz massive Kritik ein. Mit der Anklage gegen den ehemaligen Leitenden Staatsanwalt gewinnt sie ein Stück Vertrauen zurück.

Adrian Vögele
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Adrian Vögele, Redaktor Ressort Ostschweiz

Adrian Vögele, Redaktor Ressort Ostschweiz

Der tragische Fall des Lehrlings, der in einem ungesicherten Lift in Appenzell Innerrhoden zu Tode kam, hat juristische Spätfolgen. Das ist eine gute Nachricht. Dass es die Staatsanwaltschaft nicht fertigbrachte, den Fall rechtzeitig vor Gericht zu bringen und ein Urteil zu erwirken, bevor die Verjährungsfrist ablief, hat nicht nur die Familie des Opfers erschüttert. Auch Unbeteiligte zweifelten an der Justiz. Was nützt ein Rechtsstaat, wenn es ihm nicht gelingt, einen derart schweren Vorfall zu ahnden? Diese Frage werden sich viele gestellt haben. Das Vertrauen in die schon früher kritisierte Innerrhoder Staatsanwaltschaft drohte vollends verloren zu gehen. Erst recht, als die Administrativuntersuchung zum Schluss kam, dass es sehr wohl möglich gewesen wäre, die Prioritäten anders zu setzen und den Fall des Lehrlings rascher zu bearbeiten – trotz der knappen Ressourcen und der hohen Arbeitslast in der Staatsanwaltschaft.

Dass nun der ehemalige Leitende Staatsanwalt seinerseits angeklagt wird, ist ein Signal mit positiver Wirkung nach aussen. Es geht nicht um Rache, sondern um die Glaubwürdigkeit der Innerrhoder Staatsanwaltschaft als Institution. Mit dieser Anklage – so tragisch sie auf der persönlichen Ebene sein mag – gewinnt die Justiz beim Normalbürger ein Stück Vertrauen zurück. Dass der Kanton sich externe Hilfe geholt hat, zahlt sich aus. Denn diese Geschichte zeigt: Ein kleines Staatswesen kann bei allem Stolz auf die eigene Unabhängigkeit eben doch auch schmerzhaft an Grenzen stossen.