Anklage fordert Verwahrung

Der Prozess in Weinfelden um den Tod einer Prostituierten hat viele Facetten. Trotz erdrückender Beweislast bezeichnet sich der Angeklagte als unschuldig. Der Ehemann des Opfers hatte Sexfilme mit seiner Frau ins Internet gestellt.

Stefan Borkert
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Weinfelden. Wie kommen die DNA-Spuren der Getöteten an den Penis des Angeklagten? Für die Staatsanwaltschaft liegt das auf der Hand. Er hatte Sex mit dem Opfer. Der Angeklagte aber vermutet eine Manipulation seitens der Kriminalpolizei. Dasselbe gilt für die DNA-Spuren, die man unter seinen Fingernägeln und jenen des Opfers gefunden hat, sowie die Blutspuren in Hausgang und Wohnung des Angeklagten.

Fotos und Geld

Das Verhalten des Ehemannes des Opfers löst Erstaunen aus. Am Morgen schaut er während der Verhandlung ungerührt Fotos auf seinem Laptop an. Entschädigung und Genugtuung in Höhe von insgesamt 80 000 Franken forderte er. Der Gerichtspräsident rät ihm davon ab, denn sonst müsste er ihm Fragen stellen, die er hier in der Öffentlichkeit sicher nicht hören wolle. Also entscheidet sich der Ehemann für den Verweis auf den Zivilweg. Trauer zeigt er nicht.

Schliesslich erfährt man, dass der Ehemann einen Sexfilm ins Internet gestellt hat, der ihn beim Geschlechtsakt mit seiner Frau zeigt, dass sein Anwalt das Mandat niedergelegt hat und dass die Getötete in ihrem Tagebuch wenig schmeichelhaftes über ihren Gatten schrieb.

Reiner Indizienprozess

Der 43jährige Angeschuldigte selbst wird in Handschellen ins Gericht geführt. Für einmal tagt das Bezirksgericht Weinfelden im Ratssaal. Ein Dutzend Journalisten sind gekommen, und etwa 50 Personen verfolgen den Prozess als Zuschauer.

Der Angeklagte ist kräftig. Seine langen schwarzen Haare und sein Vollbart sind durchsetzt mit grauen Strähnen. Er trägt Westernstiefel und eine lange Lederjacke. Am Morgen zeigte er sich weniger kooperativ als jetzt, am Nachmittag. Dennoch rückt er von seiner Verschwörungstheorie nicht ab. Für die Staatsanwältin ist das nichts Neues: Selbst die Mutter des Angeklagten habe zu Protokoll gegeben, dass der Sohn hartnäckig lüge.

Zur Tatzeit selbst will der Angeklagte auf Beizentour in Märstetten und Weinfelden unterwegs gewesen sein. Laut Staatsanwaltschaft ist es aber durch Indizien erwiesen, dass der Angeklagte die 30jährige Frau in der Nacht vom 26. auf den 27. August 2008 in seiner Wohnung mit mindestens zwei Messerstichen in die Brust getötet hat. Zuvor soll er die Thailänderin von einem Zürcher Escort-Service für die ganze Nacht gebucht haben.

Ein mögliches Motiv für die Staatsanwältin ist die Tatsache, dass der arbeitslose Angeklagte die 2200 Franken, die die Nacht gekostet hätte, nicht bezahlen konnte.

Blutspuren gefunden

Die Tote soll der Angeklagte in einen Koffer gepackt haben, mit dem Töffli in einen Wald transportiert und in ein Tobel geworfen haben, wo sie erst vier Wochen später gefunden wurde. Zu Hause soll er die Spuren der Tat verwischt haben. Der Kriminaltechnische Dienst fand allerdings Blutspuren und reichlich DNA.

Als Beweis spielt auch ein Handy eine wichtige Rolle: Damit wurde die Sexarbeiterin angefordert. Der Angeklagte behauptet aber, das Handy müsse er verloren haben oder es sei ihm gestohlen worden.

Mit Würgen zum Sex gezwungen

Zweiter Anklagepunkt: Die sexuelle Nötigung seiner Ex-Freundin. Der mehrfach wegen Gewalt- und Sexualdelikten vorbestrafte Angeklagte streitet ab, die damalige Freundin durch Würgen zu Sexualpraktiken gezwungen zu haben, die sie strikt ablehnte.

Die Anklage fordert 20 Jahre Haft und lebenslängliche Verwahrung. Der Anwalt des Beschuldigten stellt keinen Antrag zum Strafmass. Er sät Zweifel. So sei es möglich, dass die Leiche wegen des Insektenbefalls nur zwei Wochen im Tobel gelegen habe. Da habe sich der Angeklagte bereits in Untersuchungshaft befunden. Der Prozess wird heute fortgesetzt.