Kolumne

«Angst habe ich keine, aber Respekt»: Arzt Claudio Rüegg über die Ruhe vor dem Sturm im Kantonsspital St.Gallen

Wir lassen täglich Menschen aus der Ostschweiz zu Wort kommen, die in der Corona-Krise weiterhin arbeiten. Claudio Rüegg, Leitender Arzt am Kantonsspital St.Gallen, erlebt bei seiner Arbeit grosse Solidarität. Und vermeintliche Ruhe. 

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«Es ist faszinierend, in dieser Zeit Arzt zu sein», Claudio Rüegg, Leitender Arzt in der Klinik für Allgemeine Innere Medizin am Kantonsspital St.Gallen.

«Es ist faszinierend, in dieser Zeit Arzt zu sein», Claudio Rüegg, Leitender Arzt in der Klinik für Allgemeine Innere Medizin am Kantonsspital St.Gallen. 

Bild: PD

Es ist ruhiger im Spital als sonst. Wir haben wegen des Besuchsverbots fast keine Besucher und führen nur dringende Eingriffe und Operationen durch. Geplante Hüftoperationen fallen zum Beispiel aus. Trotz der vermeintlichen Ruhe ist die Stimmung aber angespannt. Wir bereiten uns auf den grossen Andrang vor. Ich bin 48, Leitender Arzt in der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und seit bald 14 Jahren am Kantonsspital. Angst habe ich keine, aber Respekt. Wir haben Schulungen besucht für den Umgang mit Corona-Patienten und die Hygienevorschriften verschärft. Meine Hände wasche ich jetzt noch häufiger.

Und klar, im Privaten versuche ich, die Regeln des BAG einzuhalten. Auch im Spitalalltag versuchen wir das. Für Sitzungen gehen wir zum Beispiel in grössere Zimmer. Was manchmal vergessen geht: Der Spitalbetrieb geht weiter. Für die Corona-Patienten, die wir haben, müssen wir mehr Aufwand betreiben, aber die anderen Patienten gibt es auch noch.

Die Bilder aus Bergamo machen mich sehr betroffen

Alle Abteilungen ziehen jetzt an einem Strang. Diese grosse Solidarität ist sehr schön. Wir wissen, dass wir es nur dann schaffen können. Die Bilder aus Bergamo machen mich sehr betroffen. Ich bin zuversichtlich, dass wir das hier nicht erleben müssen. Dafür müssen sich aber alle an die Massnahmen der Regierung halten. Die Forschung arbeitet jetzt auf Hochtouren, fast täglich kommen neue Erkenntnisse. Es ist faszinierend, in dieser Zeit Arzt zu sein. Wir haben klare Ziele: schnell eine Therapie und bald einen Impfstoff.

Aufgezeichnet von Katharina Brenner

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