Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Die «älteste Schlepperin der Schweiz» und die Crew eines deutschen Rettungsschiffes: Wer den diesjährigen Paul-Grüninger-Preis erhält

Der Paul-Grüninger-Preis 2019 richtet sich gegen die Kriminalisierung von Fluchthelferinnen und Fluchthelfern. Viele von ihnen treffen zur Preisverleihung vom Freitag aus ganz Europa in St.Gallen ein.
Noemi Heule
Das Rettungsschiff Iuventa auf einem Einsatz im Mittelmeer, bevor es im August 2017 von der Italienischen Staatsanwaltschaft beschlagnahmt wurde. (Bild: Cesat Dezfuli/PD)

Das Rettungsschiff Iuventa auf einem Einsatz im Mittelmeer, bevor es im August 2017 von der Italienischen Staatsanwaltschaft beschlagnahmt wurde. (Bild: Cesat Dezfuli/PD)

Während heute an der Universität St.Gallen das Symposium zu Ende geht, wo die «Leaders of tomorrow» auf «Entscheidungsträger von heute» treffen, findet am Fusse des Rosenbergs ebenfalls ein kleines Gipfeltreffen statt. Im ehemaligen Kino Palace treffen Fluchthelferinnen und Fluchthelfer von heute auf das Erbe des bekanntesten St.Galler Flüchtlingsretters.

Alle drei Jahre verleiht die Paul-Grüninger-Stiftung einen Preis dotiert mit 50'000 Franken an Menschen, die sich – wie der einstige Polizeihauptmann – durch «besondere Menschlichkeit und besonderen Mut auszeichnen». Diesmal steht die Auszeichnung unter dem Leitsatz «Leben retten statt die Helfenden kriminalisieren».

Gerichtskosten von 500'000 Euro

Der Preis geht an die Crew des deutschen Rettungsschiffes Iuventa. Seit 2016 barg sie mehr als 14000 Menschen aus dem Mittelmeer, wie die Stiftung schreibt und weiter: «Die jungen Crew-Mitglieder wirken damit dem humanitären Versagen der europäischen Politik entgegen.» 2017 wurde das Boot von der italienischen Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Gegen zehn Mitglieder laufen nun Verfahren wegen «Beihilfe zur illegalen Einwanderung»; es drohen bis zu 15 Jahre Haft. Die Besatzung weist die Vorwürfe zurück und beruft sich auf internationales Seerecht. Der Betrag soll laut Stiftung einen Beitrag an die Verteidigung leisten. Allein in erster Instanz rechnen die Angeklagten mit Kosten von 500'000 Euro.

Dass der Iuventa-Crew für ihre Arbeit der Paul-Grüninger-Preis verliehen wird, diese Nachricht hat es bis in den deutschen Bundestag geschafft. Die Grünen nehmen die Auszeichnung zum Anlass für einen Aufruf an die Regierung. Sie soll sich dafür einsetzen, «dass die politisch motivierte Kriminalisierung ziviler Seenotrettung unverzüglich endet.»
Ähnlich tönt es in der gestrigen Mitteilung der SP Schweiz. In einer Motion fordert Nationalrätin Mattea Meyer, dass sich die Schweiz am Aufbau eines europäisch organisierten zivilen Seenot-Rettungssystems beteilige. Sie erhält Unterstützung aus allen Parteien, mit Ausnahme der SVP.

Die «älteste Schlepperin der Schweiz»

Dass Helferinnen und Helfer kriminalisiert werden, kommt nicht nur in den europäischen Nachbarländern vor, wie die Paul-Grüninger-Stiftung schreibt. Sie vergibt zusätzlich einen Anerkennungspreis in Höhe von 10'000 Franken an Anni Lanz. Auch sie kann das Geld für Gerichtskosten gut gebrauchen. Die «älteste Schlepperin der Schweiz», wie das SRF titelte, ist auch die bekannteste. Im vergangenen Dezember musste sich die 72-Jährige vor dem Bezirksgericht Brig verantworten, das ihr eine Busse von 800 Franken und Verfahrenskosten von 1400 auferlegte.

Anni Lanz, Fluchthelferin aus Base. (Bild: Keystone)

Anni Lanz, Fluchthelferin aus Base. (Bild: Keystone)

Vor einem Jahr half Anni Lanz einem Flüchtling in Gondo über die Schweizer Grenze, nachdem die Behörden den psychisch angeschlagenen Mann zuvor nach Italien ausgeschafft hatten. Das Gericht verurteilte Lanz wegen Widerhandlung gegen das Ausländergesetz. Die Basler Menschenrechtsaktivistin hat das Urteil angefochten.

Aus Deutschland, Frankreich, Griechenland oder Kroatien

Der aktuelle Paul-Grüninger-Preis geht laut Veranstaltern mit der Iuventa-Crew stellvertretend an zahlreiche Fluchhelferinnen und Fluchthelfer in ganz Europa, die zunehmend kriminalisiert werden. Die zehn Preisträger, von denen acht anreisen, haben deshalb weitere Mitstreiter eingeladen.

Dem Aufruf folgte unter anderen Stefan Schmidt, Kapitän des Schiffes Cap Anamur. Er wurde 2004 von einem italienischen Gericht wegen Schleusung angeklagt und fünf Jahr später freigesprochen. Zudem reisen Vertreter von Organisationen an wie Alarmphone, einem Callcenter für Flüchtlinge in Seenot oder Borderline Europe, die sich für «Menschenrechte ohne Grenzen» einsetzt. Auch Fluchthelfer aus Frankreich oder Kroatien sind vor Ort und nehmen an der abschliessenden Diskussionsrunde teil.

Preisverleihung

Die öffentliche Preisverleihung des Paul-Grüninger-Preises findet am Freitag, 11.Mai, um 19 Uhr im Kulturlokal Palace in St.Gallen statt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.