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Anflug der Anspruchsvollen: Erste WEF-Jets in Altenrhein gelandet

Kurz vor dem Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos herrscht am Flugplatz Altenrhein noch so etwas wie Ruhe vor dem Sturm. Das kann sich allerdings rasch ändern – und die WEF-Gäste stellen hohe Ansprüche.

Adrian Vögele
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Schnell, luxuriös, teuer: Zwei Businessjets am Montagmittag auf dem Flugfeld in Altenrhein.

Schnell, luxuriös, teuer: Zwei Businessjets am Montagmittag auf dem Flugfeld in Altenrhein.

Hanspeter Schiess

Das Flugwetter ist top. Blauer Himmel, so weit das Auge reicht. Gute Nachrichten für alle Piloten, die diese Woche die hochrangigen Gäste des Weltwirtschaftsforums (WEF) in die Schweiz fliegen. In Altenrhein lässt der Ansturm der Businessjets am Montagmittag allerdings noch auf sich warten. Erst etwa ein halbes Dutzend Geschäftsflugzeuge sind auf dem Gelände parkiert, man muss sie regelrecht suchen. ­ Flugplatz-Pressesprecher Thomas Mary rechnet dennoch mit einer verkehrsreichen Woche: «Wir erwarten wie immer zwischen 350 und 400 Flugbewegungen.» Die Zahl der Anmeldungen von WEF-Jets liege im üblichen Rahmen.

In Altenrhein können ungefähr 50 Geschäftsflugzeuge gleichzeitig parkieren. Manche werden frühzeitig angekündigt, andere kommen sehr spontan. Die einen liefern ihre Passagiere in Altenrhein ab und starten gleich wieder, die anderen bleiben für mehrere Tage. Sicher ist: Das Rangieren und Jonglieren mit den teuren, luxuriösen Maschinen ist diesmal dank des guten Wetters einfacher als auch schon. Kein Schneeräumen auf Piste und Rollwegen, kein langwieriges Enteisen der Flugzeuge – letzteres bringt dem Flugplatz zwar Einnahmen, kann aber auch zu Verspätungen und zusätzlichem Stress führen.

Eine Embraer Legacy 600 landet in Altenrhein.
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Auch kleinere Geschäftsflugzeuge sind auf dem Flugfeld zu sehen.
Die Bombardier Global 6000 (links) hat je nach Ausstattung Platz für bis zu 17 Passagiere und gehört zu den grössten Businessjets. Rechts eine etwas kleinere Gulfstream G280.
Thomas Mary, Pressesprecher der People's Air Group, erwartet ähnlich viel WEF-Verkehr wie im Vorjahr – zwischen 350 und 400 Flugbewegungen.
Am Montag herrschte bestes Wetter für Anflüge auf Altenrhein.
Auch die Fluglotsen im Tower haben während der WEF-Woche mehr zu tun als sonst.

Eine Embraer Legacy 600 landet in Altenrhein.

Hanspeter Schiess

«Die Kunden schätzen die Diskretion»

Die WEF-Passagiere reisen entweder per Helikopter oder mit der Limousine weiter nach Davos. Vor dem Terminal stehen schwarze, auf Hochglanz polierte Mietfahrzeuge mit illustren Kennzeichen bereit ­– Hamburg, München, Appenzell Innerrhoden. Zu den durchreisenden VIPs machen die Flugplatzbetreiber wie immer keine Angaben. «In der Regel wissen wir selber auch nicht, wer in welchem Flugzeug sitzt», sagt Thomas Mary. Die Diskretion in Altenrhein werde von der WEF-Kundschaft geschätzt. Pressefotografen haben die Auflage, die Immatrikulationsnummern der Flugzeuge zu kaschieren. Rückschlüsse auf die gut betuchten Kunden sind aber ohnehin kaum möglich: In den meisten Fällen sind die Geschäftsflugzeuge gechartert und gehören nicht den Passagieren oder deren Firma.

Am Montag stehen auf dem Flugfeld mehrere Maschinen aus Skandinavien, ein weiterer Jet ist auf der (steuergünstigen) Insel Guernsey beheimatet. Die Branche hofft offenbar sogar, dem einen oder anderen Durchreisenden gleich ein neues, eigenes Flugzeug schmackhaft zu machen: Im Terminal wirbt der Luftfahrtkonzern Dassault mit einem Stand für seine Businessjets: Die Falcon 6X kann bis zu 16 Passagiere transportieren, erreicht eine Geschwindigkeit von 950 Kilometern pro Stunde und kostet um die 50 Millionen Franken. Das steht hier natürlich nirgends angeschrieben, sondern wird allenfalls diskret mitgeteilt. Ein Mitarbeiter hinter der Theke telefoniert auf Französisch.

Catering vom Sandwich bis zum Gourmetmenü

Für den Flugplatz Altenrhein ist die WEF-Woche die wichtigste des Jahres. In diesen Tagen wird viermal mehr Geschäftsreiseverkehr abgewickelt als im Normalfall. Alle Flugplatzmitarbeiter sind an Deck: «Wir haben Feriensperre», sagt Thomas Mary. Wenn der Trubel besonders gross wird, helfen auch mal Büroangestellte beim Koffertragen draussen auf dem Rollfeld. Der Aufwand ist gross, lohnt sich aber finanziell. Allein die Landetaxe für einen grossen Businessjet beträgt gegen 2000 Franken. Je nach Service, den die Kunden verlangen – Parkieren, Betanken, Catering und so weiter ­– wird die Rechnung noch deutlich teurer.

Die Wünsche an die Cateringfirma vor Ort reichen vom Sandwich bis zum Gourmetmenü. So haben die Köche während des WEF auch schon über 20 verschiedene Gerichte für einen einzigen Businessjet zubereitet. Auch 18 Flaschen eines ganz bestimmten Whiskys wurden schon organisiert, ebenso wie ein Paar Lackschuhe für einen Passagier.