Anders als in Vorarlberg: Die Häfen am Schweizer Bodenseeufer bleiben trotz Corona geöffnet – Regatten hingegen finden keine statt

Die Häfen am Schweizer Bodenseeufer bleiben trotz der Coronakrise geöffnet – anders als in Vorarlberg. Solange der Bund keine schärferen Massnahmen verhänge, bleibe das so, zeigt eine Umfrage bei den Hafenbetreibern. Härter trifft es hingegen die Seglerszene.

Marco Cappellari
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Der Hafen in Altnau bleibt wie die meisten am Schweizer Bodenseeufer geöffnet.

Der Hafen in Altnau bleibt wie die meisten am Schweizer Bodenseeufer geöffnet.

Bild: Reto Martin

In Vorarlberg bleiben wegen der Coronakrise alle Häfen geschlossen, vorerst bis 13. April, wie die Bezirkshauptmannschaft Bregenz am Dienstag bekanntgab. Das Ein- und Auswassern sowie die Inbetriebnahme von Wasserfahrzeugen jeglicher Art sind untersagt. Davon ausgenommen ist die Berufsfischerei.

Damit solle verhindert werden, dass sich die Häfen beim aktuellen Frühlingswetter zu einem Treffpunkt entwickelten, hiess es.

An den Schweizer Bodenseehäfen ist eine ähnliche Regelung nicht vorgesehen, wie eine Umfrage zeigt.

Arbon: «Schliessung kein Thema»

Hans Schuhwerk, Arboner Hafenmeister.

Hans Schuhwerk, Arboner Hafenmeister.

Archivbild: Helio Hickl

«Bei uns sind sie schon fleissig am Einwassern», sagt der Arboner Hafenmeister Hans Schuhwerk. «Tendenziell sind es etwas weniger Boote als in anderen Jahren. Das liegt aber wahrscheinlich daran, dass das Wetter in letzter Zeit nicht besonders schön war.»

«Eine Schliessung des Hafens steht momentan nicht zur Debatte. Falls der Bund oder Kanton neue Weisungen erlässt, wird darauf reagiert», bestätigt Alexander Stojkovic, Leiter Freizeit/Sport/Liegenschaften der Stadt Arbon. «Die Verhaltensregeln im Umgang mit dem Corona-Virus müssen natürlich eingehalten werden.»

Lediglich die nicht-öffentlichen Sanitäranlagen im Hafengebäude seien bis zum 19. April geschlossen. «Bootsbesitzer mit Festplätzen dürfen auch Einwassern», sagt Stojkovic. «Nur der Gästebetrieb ist eingestellt.»

Altnau: Bootsfahrschulen bleiben geschlossen

Auch in Altnau ist das Ein- und Auswassern nach wie vor erlaubt, die Bootsfahrschulen bleiben aber geschlossen. «Wenn jemand unbedingt bis zum 19. April aufs Wasser muss, muss er über die Werft gehen», sagt Gemeindeschreiber Remo Dietsche. «Solange der Bund keine anderweitigen Massnahmen verhängt, bleibt der Hafen geöffnet.»

«Werden die Hygienevorschriften eingehalten, sehe ich kein Problem dabei», sagt Dietsche. Doch er wendet ein: «Nach Deutschland oder Österreich rüberzufahren, ist nicht möglich, die Restaurants und Hafenbeizen sind geschlossen: Ich glaube deshalb, dass es die meisten Böötler nicht dringend aufs Wasser zieht.»

Kreuzlingen: Segler kommen bei jedem Wetter

Stadtrat Thomas Beringer, Kreuzlingen.

Stadtrat Thomas Beringer, Kreuzlingen.

Bild: Andrea Stalder

«Wir haben eine Schliessung diskutiert, aber davon abgesehen», sagt der zuständige Kreuzlinger Stadtrat Thomas Beringer. «Der Hafenbetrieb läuft weiter, die Werften können arbeiten.» Derzeit habe es vor allem eingefleischte Segler auf dem See. «Die kommen bei jedem Wetter.» Motorboote seien noch weniger auf dem Wasser.

«Auch wir richten uns nach den Weisungen des Bundes», sagt Beringer. «Erst wenn etwa eine Ausgangssperre oder ähnliches kommt, werden wir die Entscheidung überdenken.»

«Ich finde, man sollte der Bevölkerung nicht verbieten, aufs Wasser zu gehen. Der Kontakt mit Mitmenschen hält sich dort in Grenzen», sagt Beringer.

Sämtliche Segel-Regattas wurden abgesagt

Theo Naef, Präsident Regionalverband Swiss Sailing.

Theo Naef, Präsident Regionalverband Swiss Sailing.

Bild: PD

Die Coronakrise trifft die Seglerszene am Bodensee. «Sämtliche Regatten sind abgesagt», sagt Theo Naef, Präsident des Regionalverbandes Bodensee/Rhein von Swiss Sailing. Das habe der Verband schweizweit entschieden. «So musste leider auch unser alljährliches Frühlingstraining für die jugendlichen Segelnden, das für Ende März angesetzt war, abgesagt werden.»

Besonders finanziell sei die Situation für die Segelklubs eine schwierige. «Zwar arbeiten alle ehrenamtlich, doch der Ausfall der Regatten trifft sie.» Auch seien sämtliche sozialen Anlässe in den Klubs zum Erliegen gekommen. «Viele Mitglieder sind oft über 50 Jahre alt und nahe der Risikogruppe. Da müssen wir sowieso aufpassen», sagt Naef.

Generell spreche aber nichts dagegen, auch während der Coronakrise aufs Wasser zu gehen. Mehr Abstand von seinen Mitmenschen zu haben als auf dem Wasser sei kaum möglich. «Solange weniger als fünf Leute an Bord sind. Deshalb gibt es die Weisung, nur in der eigenen Familie aufs Boot zu gehen», sagt Naef.

«Ich habe es aber selber am Wochenende gesehen: Aktuell sind sehr wenige Segler draussen.»

Zumindest im kleinen Rahmen gibt es für die Segler eine Alternative zu den abgesagten Regatten. «Es gibt das sogenannte E-Sailing, eine Regattasimulation für den Computer, die auch schon zu Trainingszwecken eingesetzt worden ist», sagt Naef.

«Der Verband plant, in den nächsten Tagen eine Webseite aufzuschalten, wo Links zu den entsprechenden Plattformen und Angeboten zu finden sind. So können die Segler in kleinen Gruppen immerhin virtuell Regatten organisieren.»

Viele Klubs hätten ebenfalls Angebote für Daheimgebliebene lanciert. «So gibt es zum Beispiel ein Fitnessprogramm für die Junioren, dass sie online abrufen und zu Hause durchführen können.»

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