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Wenn die Berghütte reserviert ist, aber niemand kommt: Unzuverlässige Wanderer sorgen für Ärger – auch im Alpstein

Eine Unsitte greift um sich: Immer öfter reservieren Berggänger mehrere Hütten für die gleiche Nacht und steuern am Ende aber nur jene mit dem besten Wetter an. Für den Schweizer Alpenclub (SAC) sind die kurzfristigen Absagen ein Ärgernis. Auch im Alpstein kennt man das Problem.
Chiara Stäheli / Tim Naef
Der Hüttenwart der Zwinglipasshütte hat immer wieder mit kurzfristigen Absagen zu kämpfen. (Bild: pd)

Der Hüttenwart der Zwinglipasshütte hat immer wieder mit kurzfristigen Absagen zu kämpfen. (Bild: pd)

Der Schweizer Alpenclub ist im Besitz von 153 Hütten. Sie stehen in der ganzen Schweiz und sind sowohl Ausgangspunkt für Bergtouren von Alpinisten als auch Ausflugsziel von Wanderern. Doch viele Hüttenwarte kämpfen seit Jahren mit dem gleichen Problem: Kurzfristige Absagen oder angemeldete Gäste, die nicht auftauchen, häufen sich.

Denn viele Berggänger sind wählerisch: Nur wenn das Wetter passt, wird die Wanderung angetreten – selbst wenn die Hütte reserviert ist. Um die Chancen zu erhöhen, reservieren viele Gruppen gleich mehrere Hütten für dasselbe Datum. Eine im Wallis, eine in der Zentralschweiz und eine im Alpstein beispielsweise. Am Vortag oder gar erst am Wandertag selbst entscheidet sich die Gruppe dann für eine Hütte. Den anderen Hüttenwarten wird –bestenfalls – abgesagt, sie bleiben mit leeren Betten zurück.

Lockere Geschäftsbedingungen

Das Zimmer ist gemacht, das Essen gekocht, von den Gästen aber fehlt jede Spur. Ein Problem, welches man in der Ostschweiz nur zu gut kennt. «Kurzfristige Absagen haben in der jüngsten Vergangenheit zugenommen», sagt Hans Egli, Hüttenwart der Zwinglipasshütte.

Mühsamer seien aber jene, die gar nicht stornieren. «Kommt eine erwartete Gruppe nicht, nehmen wir sogleich den Telefonhörer in die Hand und überprüfen, ob nicht etwas Schlimmes passiert ist», so Hüttenwart Egli. Das bedeute einen weiteren Zeitaufwand.

Begünstigt wird das Treiben durch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des SAC. Wer für eine Gruppe von unter 18 Personen Betten bucht, kann diese teils noch am selben Tag unentgeltlich stornieren.

Das Geld einzutreiben ist schwierig

Doch nicht nur in SAC-Hütten kennt man das Problem der kurzfristig stornierten Buchungen. «Das ist nichts Neues», sagt Thomas Manser, Präsident des Bergwirtevereins im Alpstein. Das habe es bereits vor 20 Jahren gegeben. Wenn das Wetter schlecht ist, komme es zu Absagen. Das sei halt so, sagt Manser. «Wir müssen damit leben. Wir arbeiten im Alpsteingebiet und nicht in einem Wellnesshotel, wo man mit dem Auto bis vor die Haustüre fahren kann.»

Die Wirte im Alpstein haben aber die Möglichkeit, bis zu 25 Prozent des Buchungsbetrages in Rechnung zu stellen. Das kann auch Hans Egli von der Zwinglipasshütte. Das mache aber nicht viel Sinn. Sie hätten zwar schon versucht Geld einzutreiben. Wenn sich die Besucher aber wehren würden, seien die Möglichkeiten schnell ausgeschöpft. «Betreibungen sind so oder so chancenlos.»

Alle Optionen offenhalten

«Der häufigste Grund für kurzfristige Stornierung ist das Wetter», sagt Bruno Lüthi, Bereichsleiter Hüttenbetrieb des SAC. Er sieht aber noch zwei weitere Gründe, weshalb immer häufiger kurzfristige Buchungen storniert werden:

«Die Leute entscheiden heutzutage immer kurzfristiger – sie wollen sich möglichst alle Optionen offenhalten. Zudem haben wir im Vergleich zu Hotels sehr grosszügige Geschäftsbedingungen, die Abmeldungen bis zum Vorabend ohne Konsequenzen erlauben.»

Bruno Lüthi kann die Frustration der Hüttenwarte verstehen: «Solche kurzfristigen Absagen sind besonders ärgerlich, wenn sie dann noch mitten in der Hochsaison beispielsweise an einem Samstag auftreten, an dem man die Hütte sogar doppelt hätte belegen können.»

Und auch Lüthi betont den Sicherheitsaspekt: «Wenn eine Gruppe ohne Abmeldung nicht auftaucht, beginnt man sich – besonders als Hüttenwart in einer alpinen oder hochalpinen Region – Sorgen zu machen.»

Technische Herausforderungen für Kreditkarten-System

Grundsätzlich empfiehlt Lüthi den Hüttenwarten, mit dem Online-Reservierungssystem zu arbeiten. So könne sichergestellt werden, dass im Fall des Nichterscheinens die Angaben für die Rechnung vorhanden sind. «Falls dann jemand nicht kommt, kann die No-Show-Gebühr direkt von der Kreditkarte abgebucht werden», sagt Lüthi. Momentan sei das aber in der Schweiz aufgrund technischer Herausforderungen noch nicht möglich.

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