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AMTSANTRITT: "Wenn schon, denn schon": Neu-Nationalrat Paganini reicht schon am ersten Tag einen Vorstoss ein

Man kennt ihn als Olma-Direktor, jetzt ist er auch CVP-Nationalrat: Nicolo Paganini startet in Bern als Nachfolger von Jakob Büchler. Mit dem Thema seines ersten Vorstosses, der Terrorgefahr, muss er sich auch im Beruf beschäftigen.
Adrian Vögele
Nicolo Paganini wird als Nationalrat vereidigt. (Bild: PETER KLAUNZER (KEYSTONE))

Nicolo Paganini wird als Nationalrat vereidigt. (Bild: PETER KLAUNZER (KEYSTONE))

Bahnhof St. Gallen, Montag, 9.10 Uhr: Nicolo Paganini steht auf dem Perron am Gleis 3 und sieht recht entspannt aus. Wobei: Er sei am Morgen früher erwacht als gewöhnlich, sagt der Olma-Direktor. Es ist ein grosser Tag: Nach dem Rücktritt von CVP-Nationalrat Jakob Büchler rückt Paganini ins Bundesparlament nach – mitten in der Legislatur. Jetzt nach Bern zu fahren, sei ein gutes Gefühl, sagt der 51-Jährige. «Es war ein langer Weg bis hierher.» Den Rucksack aus seiner Wahlkampfkampagne nimmt er allerdings nicht mit. «Ich habe mir das überlegt. Aber der Rucksack gehörte zum Wahlkampf – heute beginnt ein neuer Abschnitt.» Vorerst begeht er diesen mit einer Laptoptasche. Und natürlich im Anzug, samt neuer Krawatte.

An der Olma-Eröffnung begrüsst Paganini jedes Jahr Gäste aus Bundesbern. Nützen ihm diese Kontakte nun unter umgekehrten Vorzeichen? «Ja, ich lerne jedes Jahr einen anderen Bundesrat kennen und habe mit Parlamentariern zu tun», sagt er. Doch man dürfe sich keine Illusionen machen: In Bern warte niemand auf ihn. «Bisher war ich der Olma-Direktor, der das Fest organisiert. Den Respekt auf politischer Ebene muss ich mir erst noch erarbeiten.» Gelegenheit dazu hat er etwa in der Sicherheitspolitischen Kommission, der er angehören wird. «Da erwarten mich spannende Themen, die Beschaffung neuer Kampfjets beispielsweise.» Auch für die Wirtschaft will sich Paganini einsetzen – und für die Ostschweiz, wenn es um regionalpolitische Fragen geht.

Ein Schwur und ein erster Vorstoss

Der ICN nach Zürich fährt ein, Paganini steigt in einen 2.-Klasse-Wagen. Er reist nicht allein: Ein Dutzend Begleiterinnen und Begleiter darf er mitnehmen, Verwandte und Bekannte. Die Familie steigt in Gossau zu – samt seinem Koffer. Ob er aufgeregt sei, wird er gefragt. «Vor meiner ersten Olma-Eröffnungsrede war ich bedeutend nervöser», sagt Paganini und lacht. «Heute im Nationalrat muss ich ja nichts anderes tun als schwören.»

Fast nichts anderes: Denn schon am ersten Tag hat Paganini eigene politische Pläne. Ein Postulat wird er einreichen. Damit will er den Bundesrat beauftragen, die Einführung eines «Schweizer Terrorgefahrenbarometers» zu prüfen. Dieses soll etwa Veranstaltern von Grossanlässen und Messen helfen, die Sicherheitslage richtig einzuschätzen und darauf zu reagieren. Paganini greift hier auf eigene Erfahrungen im Beruf zurück: «Ich kenne dieses Thema von der Olma her.» Ihm sei klar, dass nicht jeder gleich am ersten Tag einen Vorstoss einreiche, sagt Paganini. «Manche sagten mir, das sei zu früh. Aber ich finde: Wenn schon, denn schon.»


Umsteigen in Zürich. Der Zug nach Bern ist gut gefüllt. Die Delegation Paganini findet knapp Platz – und rätselt über die Frage, wo der neue CVP-Nationalrat im Parlament sitzen wird. «Ich weiss es noch nicht», sagt Paganini und erzählt eine Episode aus seiner Jugend: Als Zwölfjähriger habe er gewettet, dass er sämtliche Parlamentarier der eidgenössischen Räte mit Sitzplatz und Partei innert 24 Stunden auswendig lernen könne. Es sei ihm gelungen – «dank fotografischem Gedächtnis». Auf einen neuen Versuch wird er es aber nicht ankommen lassen. «Das könnte ich heute nicht mehr.»

Und dann wird er doch noch nervös

Olma-Direktor sein und gleichzeitig Nationalrat – geht das zeitlich überhaupt? «Ich werde bei der Olma gewisse Tätigkeiten reduzieren – und zugleich auch einiges an Freizeit in die Bundespolitik investieren», sagt Paganini. Rechnerisch behält er bei der Olma ein Vollpensum. Dafür fliessen alle Taggelder, die er als Bundesparlamentarier erhält, an die Olma.

Es ist Mittag. Die Ostschweizer sind in Bern angelangt. Für Paganini ist es ein vertrautes Pflaster. Er hat hier studiert, erinnert sich an Auftritte mit den Singstudenten am Münsterplatz. «Ich freue mich, wieder hier zu sein.» Übernachten wird er einstweilen im Hotel. Während seine Begleiter sich in der Stadt umsehen, checkt er sein Gepäck ein. Die Vereidigung rückt näher, das Bundeshaus ist in Sicht.

14.30 Uhr. Paganini hat seinen Platz im Nationalratssaal gefunden: Es ist jener von Jakob Büchler, «ein guter Platz, gleich beim Gang». Der Neu-Nationalrat wird herzlich begrüsst, schüttelt viele Hände. Dann ertönt die Glocke, nun gilt es ernst – und Paganini wird doch noch nervös. Er tritt nach vorn, leistet den Schwur. Die Vereidigung, so kurz sie auch ist, rührt ihn sichtlich. «Das ist mir richtig eingefahren», sagt er danach, mit feuchten Augen und voller Tatendrang.

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