Amt für Kultur zieht in Hauptpost

Die St. Galler Hauptpost, vom Kanton für eine Bibliothek erworben, dient für allerlei kantonale Zwischennutzungen. Nach dem Ausländer- und dem Strassenverkehrsamt zieht dort im Februar auch das Amt für Kultur ein.

Marcel Elsener
Drucken
Teilen
Gartenhaus im Klosterhof: Hier sind statt Büros des Kulturamtes künftig Einrichtungen des St. Galler Polizeifunks (Polycom) untergebracht.

Gartenhaus im Klosterhof: Hier sind statt Büros des Kulturamtes künftig Einrichtungen des St. Galler Polizeifunks (Polycom) untergebracht.

St. Gallen. Man könnte es einen visionären Umzug nennen: Das St. Galler Amt für Kultur zieht im Februar mit den Büros der Amtsleitung und der Kulturförderung – gut einem Dutzend Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – aus dem Regierungsgebäude und dem nebenstehenden Gartenhaus in die Hauptpost. Also just in jenes Gebäude, das der Kanton für sein aktuell grösstes Kulturvorhaben erworben hat. Am St. Galler Bahnhofplatz soll eine moderne Publikumsbibliothek entstehen – ein «Jahrhundert-Wurf» wie damals zur Blütezeit der Textilmetropole um 1900.

Gefühl der Zukunft vermitteln

Mit der Zwischennutzung setze man «einen ersten Fuss in den wuchtigen Bau», schreibt das Amt für Kultur. Neben den neuen Büros im dritten Stock der Post an der St. Leonhard-Strasse wird ein Veranstaltungs- und Atelierraum eingerichtet. Gemeinsam mit Mitarbeitern der Bibliotheken sind dort Ausstellungen und Vorträge geplant, «um das inhaltliche Profil des zukünftigen Informations- und Bildungszentrum im Modellfall zu testen und ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie es in Zukunft aussehen könnte».

Zwar verursachte nicht die Vision den Umzug, sondern die Raumknappheit im Klosterbezirk, wie Kulturamtsleiterin Katrin Meier erklärt. In der Pfalz haben Post- und Telefondienst Raumbedarf, ins Gartenhaus sollen technische Dienste der Kantonspolizei ausgelagert werden.

Alles eine Frage der Priorität

Doch könnten der «erste Fuss» und ausgemalte Zukunftsskizzen nicht schaden. Denn in Zeiten knapper Finanzmittel ist die Realisierung der Bibliothek alles andere als ein Selbstläufer, wie die Vorboten der Verzichtsplanung im Kantonsrat zeigten – die Kultur dürfte es gegenüber ebenfalls anstehenden Investitionen in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Verkehr schwer haben. Im Januar will die Regierung ihre Prioritäten setzen, die dann im Februar vom Kantonsrat verhandelt werden. Bis zum Bericht der Regierung zur Priorisierung lasse sich die Zukunft der Hauptpost nicht planen, sagt Kantonsbaumeister Werner Binotto – auch nicht die unmittelbare.

Begehrte Räume in Hauptpost

Bei Binottos Abteilung sind viele Anfragen für die Zwischennutzung der Hauptpost eingegangen, namentlich aus dem Kreativ- und Dienstleistungsbereich. Doch auch wenn das Bibliotheksprojekt um zehn oder mehr Jahre verschoben würde, stünde laut Kantonsbaumeister eine Vermietung an Private kaum zur Diskussion. «Die Hauptpost ist in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen», sagt Binotto, «da kann man nicht einfach Private rein tun.» Dass die HSG bereits unverhohlen Interesse angemeldet habe, weist er als Gerücht zurück: «Obwohl die Bildung immer Platz braucht…»

Derzeit sind im hinteren Teil der Post bereits das Strassenverkehrs- und das Ausländeramt untergebracht. Weil deren Neubauten am Oberen Graben in Verzug sind, dürfte dieses Provisorium noch bis in die zweite Hälfte 2012 anhalten. Nebst dem Amt für Kultur gebe es Bedarf für weitere kantonale Provisorien, sagt Binotto. Doch alle «Überbrückungsmassnahmen» hingen nun von den politischen Entscheiden ab.

St. Galler Hauptpost: Im südlichen Gebäudeteil besteht Platz für kantonale Zwischennutzungen – wie demnächst jene des Amts für Kultur. (Bilder: Michel Canonica)

St. Galler Hauptpost: Im südlichen Gebäudeteil besteht Platz für kantonale Zwischennutzungen – wie demnächst jene des Amts für Kultur. (Bilder: Michel Canonica)

Aktuelle Nachrichten