Neues Wohnungskonzept
Die stadtbekannten Amriswiler Häuser Aida und Carmen sowie Isabel und Fernando werden abgerissen

Die Näherinnenhäuser an der Freiestrasse und an der Alleestrasse werden abgebrochen. An deren Stelle entstehen Wohnungen mit einem ganz speziellen Konzept, das es in der Ostschweiz nur noch in Frauenfeld gibt.

Manuel Nagel
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Noch stehen links der Bildmitte die beiden länglichen Näherinnenhäuser. An deren Stelle entstehen bis im Frühling 2024 zwei Wohnblöcke mit 17 und 22 Metern Höhe. Das Doppelhaus Aida und Carmen befindet sich gegenüber der Turnhalle Freiestrasse, das Doppelhaus Isabel und Fernando ist nördlich des grossen Parkplatzareals. Auf diesem ist in einer zweiten Etappe gar ein 30-Meter-Haus geplant.

Noch stehen links der Bildmitte die beiden länglichen Näherinnenhäuser. An deren Stelle entstehen bis im Frühling 2024 zwei Wohnblöcke mit 17 und 22 Metern Höhe. Das Doppelhaus Aida und Carmen befindet sich gegenüber der Turnhalle Freiestrasse, das Doppelhaus Isabel und Fernando ist nördlich des grossen Parkplatzareals. Auf diesem ist in einer zweiten Etappe gar ein 30-Meter-Haus geplant.

Bild: Manuel Nagel

In Amriswil waren Aida und Carmen wohl fast allen bekannt. Isabel und Fernando etwas weniger, denn sie standen hinter den beiden anderen und so waren ihre Namen nicht sichtbar für Passanten, welche der Freiestrasse entlangliefen.

Hermann Hess beim Spatenstich der neuen Überbauung.

Hermann Hess beim Spatenstich der neuen Überbauung.

Bild: Manuel Nagel

Doch das Quartett war nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Beton und Dachziegeln. Es waren keine Menschen – es waren Wohnhäuser. Und zwar ganz spezielle, wie Besitzer Hermann Hess erzählt. Sein Vater liess sie einst Anfang der 1960er-Jahre als Personalhäuser bauen – für seine Näherinnen, die damals in der Fabrik von Hess Arbeit fanden. Und weil diese Frauen vor allem aus Italien und Spanien in den Oberthurgau kamen, sollten die italienischen Opern sowie das spanische Königspaar als Name dieser Häuser ein wenig Heimatgefühl vermitteln.

Doch die letzte Näherin ist schon lange ausgezogen. Und nun sind es auch die Menschen, die in den letzten Jahren dort günstigen Wohnraum suchten und fanden. Mitte Februar waren noch etwa zwei Drittel der Wohnungen bewohnt. Ende März war Deadline für die Mieter, die das schon seit mehreren Jahren wussten und – solange der Bau noch nicht losging – immer wieder eine Fristerstreckung erhielten. Dennoch hat es auch einige wenige gegeben, die kurz vor dem Auszug nichts davon wussten, weil sie die Post des Vermieters nicht geöffnet hatten. Stefan Mayer von Hess Investment versichert jedoch, dass für alle eine Lösung gefunden werden konnte.

«Wohnen mit Service», wer sich das leisten möchte

Anstelle der 32, damals sehr fortschrittlichen, 3,5-Zimmer-Wohnungen sollen nun in einer ersten Etappe zwei Wohnblöcke mit 41 Mietwohnungen entstehen, die voraussichtlich in etwa zwei Jahren bezugsbereit sind.

Ugur Uzdemir Inhaber des Generalunternehmens Motivo.

Ugur Uzdemir Inhaber des Generalunternehmens Motivo.

Bild: Manuel Nagel

Wahrscheinlich dürften eher wenige Familien in die 1,5- bis 3,5-Zimmer-Wohnungen einziehen. Vielmehr sind diese ausgerichtet auf Alleinstehende oder Paare, die noch oder keine Kinder mehr haben. Und genau für diese Klientel möchte Hermann Hess ebenfalls so speziellen und fortschrittlichen Wohnraum anbieten, wie es einst sein Vater vor 60 Jahren tat. In Zusammenarbeit mit Bonacasa bietet Hess für jene, die sich das leisten wollen, zusätzliche Dienstleistungen an. Bei diesem «Wohnen mit Service» haben die Mieter die Möglichkeit, einen Wäschedienst, eine Hausreinigung oder einen Fahrdienst in Anspruch zu nehmen, wie Klaus Morlock, CEO und Leiter Immobilien der Hess Investment, erklärt.

Klaus Morlock, CEO und Leiter Immobilien der Hess Investment.

Klaus Morlock, CEO und Leiter Immobilien der Hess Investment.

Bild: Manuel Nagel

Das Konzept gibt es in der Ostschweiz nur noch in Frauenfeld. Und auch wenn vielleicht eher ältere Menschen diese zusätzlichen Dienstleistungen in Anspruch nehmen werden, so will Morlock dennoch nicht von «Alterswohnungen» sprechen. Man versuche eine Durchmischung von Singles und jüngeren Paaren ohne Kinder – «Familien fühlen sich durch dieses Konzept wohl eher nicht angesprochen» – sowie älteren Bewohnern zu erreichen. «Es wird auch der Fall sein, dass einige die Services noch nicht jetzt brauchen, aber dann in einigen Jahren, um’s im Alltag leichter zu haben – aber dann nicht schon wieder umziehen wollen.»

Das höchste dieser Häuser soll einst 30 Meter hoch sein

Die beiden Wohnblöcke sollen aber erst der Anfang sein. Im Rahmen eines Gestaltungsplans sollen dort zwischen der Turnhalle Freiestrasse und dem Einkaufszentrum Amriville einst vier Wohnblöcke stehen. Zwei weitere kämen dann dorthin, wo jetzt noch ein grosser Parkplatz ist. Während die nun entstehenden zwei Häuser der Umgebung angepasst und mit ihren fünf und acht Stockwerken 17 und 22 Meter hoch werden, so wird das höchste der vier Häuser rund 30 Meter in den Himmel ragen.

Ein Bagger knabbert die Isolation vom Doppelhaus «Isabel und Fernando» weg.

Ein Bagger knabbert die Isolation vom Doppelhaus «Isabel und Fernando» weg.

Bild: Manuel Nagel

Man hätte auch noch höher bauen können, sagt Klaus Morlock, doch nebst den städtebaulichen Gesichtspunkten gebe es auch Überlegungen, wie viele Wohnungen man überhaupt in einem Markt platzieren wolle. Aber diesem müsse man sich letztlich immer anpassen, weshalb die Mieten konkurrenzfähig sein müssten. Die Hess Investment rechnet mit 900 bis 1000 Franken für 1,5 Zimmer und mit 1300 bis 1400 Franken für die 3,5-Zimmer-Wohnungen. Abheben wolle man sich mit der architektonischen Qualität – es gibt eine Klinkerfassade – und dem hohen Standard beim Innenausbau, der Eigentumswohnungen entsprechen werde, wie Klaus Morlock verspricht.

Die Vertreter der am Bau beteiligten Firmen beim Spatenstich. Im Hintergrund das Doppelhaus Aida und Carmen.

Die Vertreter der am Bau beteiligten Firmen beim Spatenstich. Im Hintergrund das Doppelhaus Aida und Carmen.

Bild: Manuel Nagel

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