AMRISWIL: Thurgauerin beklagt sich über verpfuschtes Löwentattoo

Verpfuschtes Motiv: Für Kristina Mihajlovic endete der Besuch im Tattoo-Studio unerfreulich. Aus einem realistischen Löwenkopf wurde eine Kinderzeichnung. Nun will sie das Sujet überstechen lassen.

Maria Keller
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Auf dem Sofa in ihrem Wohnzimmer: Kristina Mihajlovic mit dem verpfuschten Löwenmotiv. Der selbe Tätowierer hat an dem Auge auf ihrem rechten Arm mitgewirkt. (Bild: Reto Martin)

Auf dem Sofa in ihrem Wohnzimmer: Kristina Mihajlovic mit dem verpfuschten Löwenmotiv. Der selbe Tätowierer hat an dem Auge auf ihrem rechten Arm mitgewirkt. (Bild: Reto Martin)

Kristina Mihajlovic hat sich den Besuch beim Tätowierer in Amriswil ein wenig anders vorgestellt. Geplant war die realistische Darstellung eines Löwenkopfs auf dem Unterarm der 20-Jährigen. Das Ergebnis ähnelt aber eher einer Kinderzeichnung. Die Erlerin ist schwer enttäuscht und will sich das Tattoo mit einem anderen Motiv überstechen lassen.

Eigentlich hat Mihajlovic Erfahrungen mit Tattoos. Auf ihrem andern Unterarm ist ein grosses Auge gestochen, an dem sogar derselbe Tätowierer mitgewirkt hat, indem er kleine Bäume stach (siehe Foto). Damals sei er ihr nicht negativ aufgefallen, sagt Mihajlovic.

Inspiration für das Tattoo bekam Mihajlovic von dem sozialen Netzwerk «Pinterest». Dort entdeckte sie ein Bild des Motivs, wie sie es gerne auf ihrem Unterarm gehabt hätte. Der Tätowierer habe eingewilligt und den Löwen erst auf ihren Arm skizziert. «Es sah gut aus. Ich war noch zuversichtlich.» Während des Stechens sei die Skizze irgendwann weggegangen. «Dann hat er begonnen, Freestyle zu machen.» Am Ende der Sitzung sei Mihajlovic so perplex gewesen, dass sie kommentarlos aus dem Studio gegangen sei, auch wenn das Ergebnis überhaupt nicht ihren Vorstellungen entsprochen habe. «Ich habe meine Kollegin gefragt: Ist das normal?»


Der Tätowierer habe ihr auf Nachfrage mitgeteilt, dass man einen zweiten Termin vereinbaren müsse, um das Motiv zu vervollständigen. «Davon hat er mir zuvor noch nichts gesagt.» Die Begründung des Tätowierers: Das Tattoo sei nicht so verheilt wie gewünscht. Mihajlovic entschloss sich dazu, den Tätowierer anzuzeigen. «Als Reaktion darauf hat er mich auf allen sozialen Netzwerken blockiert.» Der Tätowierer wollte sich gegenüber unserer Zeitung nicht äussern.

Er macht die Preise selber

Zugegeben, viel Geld musste Mihajlovic für die «Kinderzeichnung» nicht hinblättern. Nur 350 Franken hat es sie gekostet. Selber schuld? «Er sagte mir, er sei aus dem Reglement der Mindestpreise raus. Er mache die Preise selbst und wolle nicht zu viel verlangen. Zu Gunsten der Kunden.»

Mit diesem Motiv auf dem Unterarm will Mihajlovic nicht herumlaufen. Am 2. November wird ein Kreuzlinger Tattoo-Studio den Löwenkopf überstechen. Das Motiv ist noch nicht klar. Die Chefin mache sich zur Zeit Gedanken, sagt Mihahjlovic. Durch sie habe sie das Vertrauen in Tattoo-Studios wiedergewonnen. «Sie ist sehr professionell und sticht nicht einfach darauf los.»


«Ich habe keine Lust auf Diskussionen»

Mihajlovic sagt, sie wolle nicht weiter gegen den Amriswiler Tätowierer vorgehen. Der Aufwand, den eine Anzeige mit sich bringen würde, sei ihr momentan zu gross. «Ich habe keine Lust auf Diskussionen.»