Am späten Abend oder am Sonntag den Wocheneinkauf erledigen – wo die Läden in der Ostschweiz länger geöffnet haben dürfen

In der St.Galler Innenstadt dürfen Läden neu länger offen bleiben. Das gefällt nicht allen. Ein Blick in die Ostschweiz zeigt: Was in der Stadt St.Gallen neu ist, kennt man in anderen Kantonen schon lange.

Linda Müntener
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Eine Stunde länger dürfen die Geschäfte im St.Galler Tourismusperimeter neu geöffnet haben.

Eine Stunde länger dürfen die Geschäfte im St.Galler Tourismusperimeter neu geöffnet haben.

Bild: Benjamin Manser

Am Abend länger einkaufen – in der St.Galler Innenstadt ist das seit kurzem möglich. Der Stadtrat hat einen Tourismusperimeter festgelegt. In diesem Rayon, der die Altstadt und Teile der westlichen Innenstadt umfasst, dürfen die Läden länger offen bleiben, als es das kantonale Gesetz über Ruhetag und Ladenöffnung erlaubt. Und zwar von Montag bis Samstag von 6 bis 20 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr.

Wie lange Läden geöffnet haben dürfen, regelt nicht der Bund. Die Bestimmungen sind je nach Kanton unterschiedlich. Im Kanton Zürich beispielsweise dürften Läden wochentags theoretisch 24 Stunden geöffnet sein. Einige Kantone kennen gar kein einschlägiges Gesetz.

Mit seiner Regelung umgeht der St.Galler Stadtrat eine Gesetzesänderung auf kantonaler Ebene, wie sie in der Vergangenheit mehrmals an der Urne gescheitert ist. Das ruft Kritiker auf den Plan. Die Gewerkschaften gehen auf die Barrikaden, SP und Grüne wollen die Änderung ebenfalls bekämpfen.

Was in der Stadt St.Gallen Diskussionen auslöst ist, kennen die anderen Kantone in der Ostschweiz schon länger. Im Thurgau, Kanton Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden sind die Ladenöffnungszeiten lockerer geregelt:

Thurgau: So liberal wie kaum ein anderer Kanton

Eines der liberalsten Ladenöffnungsgesetze der Schweiz hat der Kanton Thurgau. Seit einer Abstimmung im Jahr 2002 dürfen die Läden dort von Montag bis Samstag von 6 Uhr bis 22 Uhr geöffnet haben. Das Abstimmungsresultat war damals knapp. Denn auch wird immer wieder Kritik an der Regelung geübt. So präsentierte die Gewerkschaft Unia im Jahr 2018 eine Umfrage, wonach 62 Prozent von 200 Befragten Detailhandelsangestellten Mühe damit hätten, ihr Privatleben mit den aktuellen Ladenöffnungszeiten unter einen Hut zu bringen.

Politische Vorstösse von Links, die Öffnungszeiten zu verkürzen, scheiterten bisher. Die Bürgerlichen argumentieren mit der Konkurrenz in Konstanz und Co. Wegen der Frankenstärke stehe der Detailhandel im Grenzkanton Thurgau besonders unter Druck. Flexible Ladenöffnungszeiten seien ein Wettbewerbsvorteil, der aufrecht erhalten werden müsse.

Im Kanton Thurgau dürften die Läden bis 22 Uhr offen haben, das reizt aber kaum ein Detailhändler aus. Ausnahme: die Tankstellenshops.

Im Kanton Thurgau dürften die Läden bis 22 Uhr offen haben, das reizt aber kaum ein Detailhändler aus. Ausnahme: die Tankstellenshops.

Bild: Reto Martin

Kaum ein Detailhändler reizt das Gesetz jedoch aus. Nach der Lockerung dauerte es vier Jahre, bis beispielsweise die Migros ihre Öffnungszeiten anpasste – und vereinzelt um lediglich eine halbe Stunde nach hinten verlegte. Bis heute haben die Supermärkte des Grossverteilers maximal bis 20 Uhr geöffnet. Bis 22 Uhr bleiben im Thurgau kaum Ladentüren offen – mit Ausnahme der Tankstellenshops.

Appenzell Ausserrhoden: Länger einkaufen nur in Herisau

Im Kanton Appenzell Ausserrhoden bestimmen die Gemeinden über allfällige längere Ladenöffnungszeiten. Eingeführt wurde das bisher nur im Hauptort Herisau. Dort halten die Grossverteiler Migros und Coop ihre Geschäfte länger offen. Die Migros hat unter der Woche täglich von 7 bis 20 Uhr geöffnet, am Samstag von 7 bis 18 Uhr. Coop macht Freitag am Abendverkauf mit.

Längere Ladenöffnungszeiten gibt es in Appenzell Ausserrhoden nur im Hauptort Herisau. Das nutzt beispielsweise die Migros, die derzeit im Dorf ihren Neubau realisiert.

Längere Ladenöffnungszeiten gibt es in Appenzell Ausserrhoden nur im Hauptort Herisau. Das nutzt beispielsweise die Migros, die derzeit im Dorf ihren Neubau realisiert.

Bild: Ralph Ribi

Die kleineren Betriebe schliessen in der Regel um 18.30 Uhr. Sonntags müssen die Geschäfte grundsätzlich geschlossen bleiben, ausgenommen sind maximal vier Sonntagsverkäufe im Jahr.

Die Gemeinden können jedoch Ausnahmebewilligungen für Sonntagsverkäufe, erlassen, sofern es «die Verhältnisse es rechtfertigen». Diese Kriterien können beispielsweise Blumengeschäfte, Tankstellenshops, Bäckereien, oder Kioske erfüllen, heisst es auf Anfrage beim Kanton.

Appenzell Innerrhoden: Souvenirs am Sonntag kaufen

Appenzell Innerrhoden kennt keine eigene kantonale Regelung. Der Kanton richtet sich nach dem Arbeitsgesetz, wonach Läden von Montag bis Samstag zwischen 6 Uhr und 23 Uhr öffnen können – unter Einhaltung der Ruhepausen für die Angestellten. In der Realität schliessen die Geschäfte in Innerrhoden werktags jedoch um 18.30 Uhr.

Im Dorf Appenzell sind Geschäfte mit Souvenirartikel auch am Sonntag geöffnet.

Im Dorf Appenzell sind Geschäfte mit Souvenirartikel auch am Sonntag geöffnet.

Bild: Sandra Ardizzone

Im Hauptort Appenzell hat der Sonntagsverkauf von 10 bis 18 Uhr vor allem aus touristischen Gründen eine lange Tradition. Die Öffnungszeiten variieren je nach Geschäft. Geschäfte mit Souvenirartikel sind auch sonntags zwischen 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Landsgemeinde lag 2001 ein Gesetz vor, das diese Sonntagsverkäufe einschränken wollte – die Verschärfungen wurden aber abgelehnt.