Reportage

«Es können alle kaum erwarten, endlich wieder im Ring zu stehen»: Am ersten Boxturnier nach dem Lockdown flogen in St.Gallen die Fäuste

Der Boxclub Sportring St.Gallen veranstaltete das erste Boxturnier seit Ende Februar. Die Halle war bis auf den letzten Platz ausverkauft und die Stimmung ausgelassen. Ein Blick in den Boxring.

Raphael Rohner
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Schenken sich nichts: Schwergewichtsboxer Mark Tinaj aus Bern und der St.Galler Lazar Kostic.

Schenken sich nichts: Schwergewichtsboxer Mark Tinaj aus Bern und der St.Galler Lazar Kostic.

Bilder: Raphael Rohner

Das erste Boxturnier nach Corona fand in St.Gallen statt. Im Athletikzentrum wird angestanden und alle reden gespannt über die anstehenden Kämpfe. «Der Andrang an diesem Samstag ist ausserordentlich gross, doch dürfen wir nicht mehr als 300 Leute in die Halle lassen», sagt René Engler, Vizepräsident des Vereins Sport Ring St.Gallen.

«Auch der stärkste Boxer geht vor dem Virus in die Knie»

Auf dem heutigen Plan stehen 14 olympische Kämpfe und ein Profiboxkampf. Doch ausgerechnet der Hauptkampf musste abgesagt werden, weil der Gegner positiv auf Corona getestet wurde. «Das ist natürlich sehr schade. Aber auch der stärkste Boxer geht vor dem Virus in die Knie, ist halt so», sagt Engler. Trotzdem ist er zuversichtlich, dass der Abend rund läuft und die Zuschauerinnen und Zuschauer ordentliche Kämpfe zu sehen bekommen:

«Es können alle kaum erwarten, endlich wieder im Ring zu stehen.»

Zino Meuli, der 28-jährige Profiboxer aus Horn, ist sichtlich enttäuscht, dass sein Kampf wegen Corona nicht stattfinden kann. Trotzdem nimmt er es gelassen: «Da kann man nichts machen, es wird ein anderes Mal geben – garantiert.» Für Meuli wäre es der 14. Profikampf seiner Karriere gewesen.

Die Halle war ausverkauft. Nur 300 Zuschauerinnen und Zuschauer waren erlaubt.

Die Halle war ausverkauft. Nur 300 Zuschauerinnen und Zuschauer waren erlaubt.

Bild: Raphael Rohner

Während die Zuschauerinnen und Zuschauer auf Plastikstühlen und Festbänken Platz nehmen, bereiten sich die Boxerinnen und Boxer in der hinteren Halle für ihren Kampf vor. Die letzten Bänder werden um die Hände gelegt, die Taktik mit dem Trainer besprochen und dann geht es los: In der Halle wird der Kampf ausgerufen und die Kämpfer laufen durch die Halle.

Tosender Applaus und jubelnde Zurufe der jeweiligen Fans hallen durch den Raum. Die Kämpfer laufen ruhig zum Ring und klettern hinein. Der Richter gibt die Regeln bekannt und dann beginnt der Kampf. Unzählige Smartphones werden auf den Rängen gezückt und filmen die Kämpfe. Die Luft in der Halle wirkt elektrisiert.

49 Bilder

Bilder: Raphael Rohner

St.Galler Heimsieg im Schwergewicht

Der letzte Kampf des Abends steht an. Die Zuschauer in der Halle sind gespannt. Alle warten auf den Schwergewichtskampf. In den Ring steigen der 28-jährige St.Galler Lazar «Der Laser» Kostic und der Berner Mark Tinaj. Sie betreten den Ring und alle Augen sind auf sie gerichtet. Kostic muss schon wenige Augenblicke nach dem Gong zur ersten Runde einige harte Schläge einstecken: Tinaj schlägt kraftvoll wie ein Panzer aus der Deckung und trifft Kostic. Die Köpfe der beiden stossen aneinander und es fliesst Blut, doch Kostic will weiterkämpfen.

Der St.Galler Schwergewichtsboxer Lazar «Laser» Kostic muss einstecken...

Der St.Galler Schwergewichtsboxer Lazar «Laser» Kostic muss einstecken...

Bild: Raphael Rohner
...kämpft aber mit einer Platzwunde weiter.

...kämpft aber mit einer Platzwunde weiter.

Bild: Raphael Rohner

Es ist Kostics erster Kampf seit drei Jahren. In dieser Zeit boxte er sich ausserhalb des Ringes durch eine Weiterbildung und musste auf vieles verzichten, erzählt er nach dem Kampf. Doch denkt er wegen der Platzwunde am Kopf gar nicht ans Aufgeben. Man hört ihn im Ring sagen: «Geht schon – los! Weiter!» Doch rinnt ihm das Blut über das Gesicht und er muss verarztet werden. Danach steckt er wieder ein.

Tinaj lässt nicht locker und Lazar - auch «Laser» genannt - schlägt zurück. Einem Stakkato gleich teilt Kostic aus und zwingt Tinaj in die Ecke. Bei jedem Treffer von Kostic jubeln die Zuschauer noch lauter. Schliesslich erwischt er Tinaj mehrmals direkt und gewinnt den Kampf. Ein Heimsieg.

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