«Am Ende des Tages hängt da einfach mein Traum am Säntis»: Wie die imposante Schweizerfahne am Säntis installiert wird
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«Am Ende des Tages hängt da einfach mein Traum am Säntis»: Wie die imposante Schweizerfahne am Säntis installiert wird

Bilder: Raphael Rohner

Die grösste Schweizerfahne der Welt wird abermals am Säntis aufgehängt. Wir haben die Fahne auf ihrem Weg in die Felswand begleitet. Eine Geschichte über eine Fahne, die fast im Container endete.

Raphael Rohner
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Sie gilt als die grösste Schweizerfahne der Welt und sie wird auch dieses Jahr am 1. August wieder über die Landesgrenzen hinaus den Stolz der Nation zeigen. Die 700 Kilogramm schwere Schweizerfahne, die am Säntis gehisst wird. Doch hissen würde die Arbeit der Leute, welche die Fahne an Ort und Stelle bringen, keinesfalls richtig beschreiben. Viel eher ist es ein «Würg», die Fahne hoch zu bugsieren und in der Wand anzubringen.

Fahne wird als Wurst in die Felswand getragen

«Ursprünglich war die Fahne viel grösser geplant», sagt der designierte Senior-Chef der Heimgartner Fahnen AG aus Wil, Hein Höhener. Er hatte vor zwölf Jahren die Idee, eine gigantische Fahne herzustellen und an verschiedenen Orten aufzuhängen. Er wollte sich von seinem Traum nicht ablenken lassen und hielt daran fest. Leider fehlte es damals an möglichen Orten, um die grosse Fahne der Bevölkerung zu zeigen. So verschwand die Schweizerfahne beinahe in der Versenkung, beziehungsweise in einem Container.

Bild: Michel Canonica (Schwägalp/1.August 2019)

Höhener: «Erst als der Chef der Säntisbahn mich irgendwann mal fragte, was ich denn mit dieser riesigen Fahne machen würde, kamen wir auf die Idee, sie an den Säntis zu hängen.» Schliesslich wurde es gemacht, und die Tradition ist entstanden.

Höhener ist sichtlich angespannt, als die Fahne am Mittwochnachmittag auf der Schwägalp ausgelegt wird. Der feine und doch zähe Stoff wird von Höhener und anderen Helfern auf einer mit Kuhfladen dekorierten Wiese ausgelegt und zu einer Wurst gewickelt.

Er erklärt: «Wir müssen die Fahne jetzt so klein wie möglich machen, damit die Seilbahn sie hinaufziehen kann, bevor wir sie dann ausrollen.» Der Stoff der Fahne fühlt sich an wie eine ganz dünne Lastwagenplane. Kaum vorstellbar, dass die ganze Flagge rund 700 Kilogramm schwer sein soll, doch zeigt sich schnell die Unhandlichkeit der Fahne: «Wir hätten sie grad beinahe falsch herum ausgelegt, das wäre dann bestimmt blöd gekommen», sagt Höhener.

Die 700 Kilogramm schwere Fahne als Wurst unter der Säntisbahn.

Die 700 Kilogramm schwere Fahne als Wurst unter der Säntisbahn.

Höhenarbeiter haben einen «Chrampf»

Unten an der Fahne arbeiten an diesem Nachmittag rund sechs Leute Hand in Hand, um die Fahnenwurst für ihre Reise in die Felswand vorzubereiten. Es wird gewitzelt, gehölzelt, man kennt sich: «Wir machen das mittlerweile seit Jahren gemeinsam, da kennt man sich untereinander», sagt Höhener und bindet einen Bändel um die Fahne. Kurz darauf fährt die letzte fahrplanmässige Seilbahn. Anschliessend wird an der bergwärts fahrenden Gondel eine Seilwinde befestigt und so die Fahnenwurst an ihren Bestimmungsort getragen. Höhener schaut gespannt zu, wie die Wurst langsam Meter für Meter dem Himmel entgegen schwebt und schliesslich die Seilbahn in Bewegung gesetzt wird. Höhener vertraut auf die Arbeit der Höhenarbeiter, um die Fahne sauber und sicher zu montieren.

Bild: Tobias Lehnherr/TVO

Seit Beginn ist Roland Düsel am Säntis dabei. Er ist Geschäftsführer der Geo-Höhenarbeit und verantwortlich für die Männer im Fels: «Es ist jedes Mal ein rechter Krampf, die Fahne zu platzieren und so auszurollen, dass sie keinen Schaden nimmt. Doch mittlerweile sind wir ein eingespieltes Team.» Düsel und sein Team nehmen die Fahnenwurst, die unter der Bergbahnkabine hängt, unter der ersten Stütze entgegen und seilen sich damit nachher zu den Ankerpunkten im Fels ab: «Schliesslich spannen wir die Wurst wieder auseinander und müssen uns dann über die Fahne hinweg abseilen, um sie auszurollen. Keine leichte Übung.»

Rund 25 Männer stehen in Düsels Team, um die Fahne auszurollen. Einzig von Seilen sind sie gesichert und unter ihnen, einige Hundert Meter tiefer in der Schwägalp, schauen ihnen unzählige Zuschauerinnen und Zuschauer bei der Arbeit zu.

Während die Männer weit oben im Fels tätig sind, schaut Höhener von unten gespannt zu. «Es kribbelt noch immer, wenn ich daran denke, dass da oben mein Traum aufgehängt wird», sagt der ehemalige Geschäftsführer. Neben ihm haben sich auch die ersten Gäste versammelt, um das Spektakel mitzuverfolgen. Eine Gruppe junger Wanderer aus Deutschland postet eine Instagram-Story: «Da hängen diese Schweizer doch tatsächlich eine riesige Fahne an ihre Berge. Die spinnen doch, die Schweizer», spricht ein junger Mann zu seiner Story.

Bild: Raphael Rohner

Die Fahne wird heute ausgerollt und wird bis nach dem 1.August am Säntis hängen bleiben.

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