Am Abend der Buchvernissage wusste noch keiner von Toni Brunners Rücktritt

Am Freitagabend fand vor vollem Haus im Restaurant Sonne, dem «Haus der Freiheit» auf dem Wintersberg ob Ebnat-Kappel die Vernissage des Buches «Toni Brunner» statt. Gekommen waren Hunderte Parteifreunde aus der ganzen Schweiz, viele Bekannte, Verwandte und natürlich seine Nachbarn vom Wintersberg.

Rudolf Steiner
Merken
Drucken
Teilen
Toni Brunner mit seiner Partnerin Esther Friedli im Gespräch mit alt Bundesrat Christoph Blocher und dessen Gattin Silvia an der Buchvernissage «Toni Brunner». (Bild: Rudolf Steiner)

Toni Brunner mit seiner Partnerin Esther Friedli im Gespräch mit alt Bundesrat Christoph Blocher und dessen Gattin Silvia an der Buchvernissage «Toni Brunner». (Bild: Rudolf Steiner)

Den Weg auf den Toggenburger Hügel ob Ebnat-Kappel war an diesem nebligen Freitagabend offensichtlich leichter zu finden als ein freier Parkplatz vor dem «Haus der Freiheit», Toni Brunners Landbeiz, Heimat, Rückzugs- und Kraftort auf dem Wintersberg auf fast 900 Meter über dem Meer im Toggenburg. Das Restaurant Sonne liegt knapp einen Kilometer unterhalb des Hundsrückens, dem Heimetli im Bendel auf der Sonnenseite des Tals, wo Polit-Urgestein, Naturtalent und Saftwurzel Toni Brunner aufgewachsen ist, seine Jugend- und Schulzeit verbracht und offenbar auch das Rüstzeug für seine beispiellose, jahrzehntelange Karriere als Politiker geholt hat.

Ziehväter, Parteifreunde und Bewunderer

Gefeiert und gehuldigt haben sie, Freunde und Nachbarn, an diesem Abend den mittlerweile 44-jährigen Politfuchs, das unbedarfte, bescheidene Bergbauernbürschchen, das vor 23 Jahren völlig unvorbereitet in eine ihm völlig unvertraute urbane Welt gestolpert ist und der im Laufe der Jahre zum vielerorts und fast allseits beliebten und gefeierten SVP-Politstar herangereift ist. An diesem Abend wussten wahrscheinlich nur die Allerwenigsten, dass er einen Tag später offiziell seinen Rücktritt als Nationalrat bekanntgeben und am Ende der Wintersession sein Mandat an den Nagel hängen würde, um wieder zu seiner Familie und seinen Wurzeln als Bergbauer im Toggenburg zurückkehren.

Toni Brunner mit Franz A. Zölch (Werd Verlag Thun) und Beni Gafner (Buchautor und Bundeshausjournalist BAZ) im Gespräch an der Buchvernissage «Toni Brunner». (Bild: Rudolf Steiner)

Toni Brunner mit Franz A. Zölch (Werd Verlag Thun) und Beni Gafner (Buchautor und Bundeshausjournalist BAZ) im Gespräch an der Buchvernissage «Toni Brunner». (Bild: Rudolf Steiner)

Am Abend der Buchvernissage jedenfalls wurde er noch gefeiert und auf ihn, den selbstverhinderten Bundesrat - «ich habe nie ein Exekutivamt angestrebt», so Brunner - angestossen und Lobreden gehalten. Nach dem Begrüssungstrunk und dem musikalischen Auftakt der einheimischen Ländlerkapelle Forrer-Dütschler - sie spielte dreimal den Ländler «Taifun sticht», da Brunners Lieblings-Eringerkuh in seinem Stall so heisst - unterhielten sich Buchautor Beni Gafner und Franz Zölch vom herausgebenden Werd Verlag Thun.

«Es sei nicht leicht gewesen, Toni Bunner von der Buchidee zu begeistern», sagte etwa Zölch.

«Berner Grinde seien Nasenwasser dagegen. Eineinhalb Jahre habe er ihn bearbeitet und endlich am Berner Zibelemärit 2017 die Zusage erhalten», schilderte Zölch seine Bemühungen um den Toggenburger Politjungstar.

Mit 44 Jahren noch zu jung für eine Biographie

Brunner wollte aber keine Biographie, dafür fühle er sich noch zu jung. So einigte man sich darauf, eine Sammlung von Beiträgen von Brunners persönlichen Freunden und Weggefährten seiner Laufbahn herauszugeben. Buchautor Beni Gafner, der Brunner als Bundeshausredaktor verschiedener Zeitungen von Anfang an begleitete, war bei der Buchgestaltung für den roten Faden verantwortlich. Sozusagen das Vorwort oder den ersten Beitrag im Buch schrieb alt Bundesrat Christoph Blocher, gemeinhin als einer der Ziehväter des damaligen Politneulings Toni Brunner bezeichnet, der am Freitagabend auch auf dem Wintersberg dabei war und ein spontanes Grusswort an Brunner und das Publikum richtete.

Auch Kabarettist Andreas Thiel war bei der Vernissage anwesend. (Bild: Rodulf Steiner)

Auch Kabarettist Andreas Thiel war bei der Vernissage anwesend. (Bild: Rodulf Steiner)

Weitere Anekdoten und spannende Reminiszenzen steuerten etwa alt Bundesrat Adolf Ogi, die Fernsehjournalisten Filippo Leutenegger und Hanspeter Trütsch, alt Ständerat und Vorgänger des SVP-Präsident Hans Uhlmann, Nationalrat Hansjörg Walter und Kabarettist Andreas Thiel bei. Letzterer war bei der Vernissage anwesend und unterhielt sich zum Abschluss in einem kurzen Wortgefecht mit Toni Brunner auf der Bühne noch zum Thema «Kuh und Demokratie». In Toni Brunners Stall stehen übrigens nur schwarze Eringerkühe - alle mit Hörnern natürlich, denn es gibt keine schwarzen Hornlosen. Thiel frotzelte:

«Wird die Hornkuhinitiative angenommen, erhältst du noch mehr Subventionen.»
Toni Brunner signierte mehr als 100 Exemplare des Buchs «Toni Brunner». (Bild: Rudolf Steiner)

Toni Brunner signierte mehr als 100 Exemplare des Buchs «Toni Brunner». (Bild: Rudolf Steiner)

Dies löste nicht nur bei Brunner, sondern im ganzen Saal, schallendes Gelächter aus. Am Freitagabend signierte «unser Toni vom Toggenburg» wie gewohnt charmant, spitzbübisch lächelnd und geduldig mit persönlicher Widmung mehr als 100 Exemplare für seine Fans.

Buch «Toni Brunner»

ISBN 978-3-85932-9, Fr. 39.00 Werd & Weber Verlag AG Thun/Gwatt