Altstätten
Heute kein Jägerlatein: Der Pelzfellmarkt fällt den aktuellen Coronamassnahmen zum Opfer

Ohne Pelzfellmarkt fehlt den Jägern nicht nur die Handelsplattform, sondern auch ihr jährliches Zusammenkommen.

Max Tinner
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Da war Corona noch weit weg: Pelzfellmarkt im Altstätter «Sonnen»-Saal am 2. Februar 2017.

Da war Corona noch weit weg: Pelzfellmarkt im Altstätter «Sonnen»-Saal am 2. Februar 2017.

Bild: Max Tinner

Heute hätte im Saal des Hotels Sonne der Pelzfellmarkt stattfinden sollen. Am Donnerstag der Lichtmesswoche verkaufen Jäger aus dem Rheintal und dem Appenzellerland hier den Händlern die Felle der von ihnen geschossenen Tiere. Hauptsächlich Füchse werden für gewöhnlich aufgeführt, in geringerer Zahl auch Kaninchen-, Marder- und Dachsbälge.

Die derzeitige Coronasituation lässt aber keinen Markt zu – zumal jeweils nicht nur Jäger und Händler kommen, sondern auch mehrere Hundert Schaulustige. Er wurde deshalb bereits vor drei Wochen abgesagt.
Seitens der Kürschner ist das kein Beinbruch. Einer habe ihn schon vor dem Jahreswechsel wissen lassen, dass sein Lager noch voll sei und er kaum Bedarf habe, sagt Fredi Büchel, der seitens der Jägerschaft für die Organisation des Pelzfellmarkts verantwortlich ist. Damit wäre der Markt heute für die Jäger womöglich enttäuschend herausgekommen. Denn bleibt die Nachfrage gering, so gibt es auch kaum etwas zu verdienen.

Die Zahlungsbereitschaft machte zuletzt noch einigen Jägern zu schaffen

Es fragt sich, was ein Jäger nun, wo der Markt ausfällt, mit seinen Fellen macht? «Entweder verarbeitet er sie selbst, er behält sie zurück – oder er entsorgt sie», sagt Büchel, wobei er Letzteres bedauern würde.
Tatsächlich ist der Preis für ein Fuchsfell seit Jahren tief. Kurz gestiegen ist er zwischenzeitlich nur, als die Kürschner und Händler mit einer Mo­dekampagne versuchten, das Image der Pelze aus einheimischer Jagd gegenüber Importpelzen aus Zuchten aufzubessern. Zuletzt ist es hingegen vorgekommen, dass ein Jäger mit den Fellen über der Schulter schon auf der Türschwelle kehrt machte, wenn er von anderen hörte, wie wenig gezahlt wird.

Der Altstätter Pelzfellmarkt hat eine lange Tradition. Wie Fredi Büchel die Besucher der Pelzfellmärkte jeweils aufklärt, lässt er sich bis ins Jahr 1802 zurückverfolgen. Mit dem Preiszerfall und der als Folge davon rückläufigen Auffuhr verliert er aber immer mehr von seiner früheren Bedeutung. Dennoch verdriesst die Jäger die Absage. Das schliesst Fredi Büchel aus Rückmeldungen, die er bekommen hat. Der Markt sei eben nicht nur Handelsplatz, sondern auch gesellschaftliches Ereignis, wo man zusammenkomme und sich austausche, hält er fest.

Das fehlt vielleicht auch dem einen oder anderen Nichtjäger, der den Markt jeweils gerne besucht. Selbst wenn er von dem Jägerlatein, das in der Festwirtschaft gesprochen wird, längst nicht alles versteht.