ALTNAU: Neubau abgebrannt: Polizei sucht Jugendliche

Der Schock sitzt tief: Ein Bauernehepaar aus Altnau verliert bei einem Brand am Samstag sein neugebautes Haus. Die Polizei geht von Brandstiftung aus und sucht nach Jugendlichen.

Annina Flaig
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Der Grossbrand hat das Wohnhaus stark zerstört. Der angebaute Schopf ist komplett niedergebrannt. (Bild: Annina Flaig)

Der Grossbrand hat das Wohnhaus stark zerstört. Der angebaute Schopf ist komplett niedergebrannt. (Bild: Annina Flaig)

ALTNAU. Das Bauernehepaar Rosmarie Blaser und Beat Sauter hat ein Jahr lang jede freie Minute in den Bau seines neuen Hauses investiert. Am 30. April wollten sie einziehen. Ihr Hab und Gut war bereits in Schachteln verpackt, als das Schicksal zuschlug: Samstagnacht brannte das neue Bauernhaus an der Hermannshofstrasse lichterloh.

Müde und traurig stehen die beiden im Regen vor der Brandruine. «Es gibt nicht viel zu erzählen», sagt Beat Sauter. Seine Frau Rosmarie Blaser fügt an: «Vielleicht fehlen uns auch einfach die Worte.» Die beiden sind im Dorf bekannt: Seit 24 Jahren führen sie im Zentrum von Altnau den alten und charakteristischen «Hof zum Esel» mit angegliedertem Bio-Hofladen.

Familie aus dem Bett geholt

Ein Passant, der die Familie kennt, hat Samstagnacht das Feuer entdeckt und die Feuerwehr alarmiert. Danach klingelte er beim Ehepaar an der Haustür. Sie sind sofort los und haben gesehen, wie über 100 Einsatzkräfte der Feuerwehren Altnau-Güttingen und Münsterlingen sowie die Stützpunktfeuerwehr Kreuzlingen gegen die Flammen kämpften. Diese konnten Teile des Wohnhauses retten. Der Anbau ist komplett niedergebrannt. Der Sachschaden beläuft sich nach Angaben der Polizei auf gegen eine Million Franken. Noch ist nicht klar, ob das Haus renoviert werden kann oder ob man es komplett neu bauen muss.

Die Betroffenheit im Dorf ist gross. «Alle fragen, wie sie helfen können. Aber man kann nichts tun», sagt Sauter, der gestern alle Hände voll damit zu tun hatte, den Fall mit der Versicherung zu besprechen. «Finanziell wissen wir nicht, wie stark es uns trifft.» Auf dem Hof sind drei ihrer vier Kinder darum bemüht, dass der Alltag weitergeht.

Jede Schindel einzeln angenagelt

Das Ehepaar hatte seit längerem den Wunsch, sich ausserhalb des Dorfes ein neues Heim zu bauen. Sauter mag keine Übertreibungen und Sentimentalitäten. «Klar mag es mich», sagt er und blickt die verkohlten Schindeln an, die er zusammen mit seinen Kindern und einem Nachbarn von Hand angenagelt hatte. Er und seine Frau seien dankbar, dass niemand verletzt worden sei. Auch das Dach über dem Kopf verlieren sie nicht. Denn ihren Eselhof haben sie noch nicht vermietet. Und den Tieren, die im Stall gleich neben dem abgebrannten Haus untergebracht sind, gehe es gut. «Die Feuerwehrleute haben die Tiere und damit auch unsere Existenzgrundlage gerettet. Dafür sind wir sehr dankbar», sagen sie.

Störenfriede flüchten per Velo

Die Kantonspolizei ist in ihren Ermittlungen gestern einen Schritt vorwärts gekommen, wie Mediensprecher Andy Theler auf Anfrage sagt. «Technische Ursachen können mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.» Es sei wahrscheinlich, dass man es mit der fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst, also mit Brandstiftung zu tun habe.

Privates Fest behindert
Bereits am Sonntag liess die Polizei verlauten, dass gemäss Aussagen von Auskunftspersonen vor dem Brand ein Fest in der näheren Umgebung von Jugendlichen gestört worden sei. Gemäss Theler handelte es sich dabei um ein privates Fest mit rund einem Dutzend Besucher. Die Jugendlichen hätten gestört, indem sie immer wieder das Licht gelöscht hätten.

Jugendliche werden gesucht
Als die Veranstalter auf die Jugendlichen aufmerksam wurden, seien diese auf ihren Fahrrädern geflüchtet. Die Auskunftspersonen haben laut Theler die Störenfriede mit dem Auto verfolgt, bis sie sie auf den Feldwegen aus den Augen verloren. Weiter wurden der Polizei mehrere Sachbeschädigungen wie abgebrochene Wegweiser, verstreute Hundekotsäckli und ein umgeknicktes Schild bei einer Feuerstelle oberhalb des abgebrannten Wohnhauses gemeldet. Damit sei nicht gesagt, dass die Störenfriede das Feuer gelegt hätten. Die Polizei ist auf der Suche nach ihnen. Theler rechnet damit, dass man die Jugendlichen, welche von den Auskunftspersonen identifiziert werden könnten, bald finden wird. (afl)

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