Für mindestens 16 Millionen Franken: Altes Schloss bei Hohentannen im Thurgau steht zum Verkauf

Es ist eine besondere Postadresse: Schlossweg 2. Noch exklusiver und edler ist allerdings das Gebäude selbst. Im Weiler Oetlishausen will der ehemalige Flughafendirektor Josef Felder sein Schloss verkaufen.

Manuel Nagel
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Hoch über der Thur mit Blick auf Kradolf thront das Schloss Oetlishausen. Auch die Stallungen mit Reithalle und die Kapelle aus dem 12. Jahrhundert gehören dazu. (Bild: Manuel Nagel)

Hoch über der Thur mit Blick auf Kradolf thront das Schloss Oetlishausen. Auch die Stallungen mit Reithalle und die Kapelle aus dem 12. Jahrhundert gehören dazu. (Bild: Manuel Nagel)

Die Annonce passt so gar nicht zum aktuellen, nebligen Wetter: «Auf einem weiten, sonnigen Hochplateau mit herrlicher Sicht auf den Säntis präsentiert sich das sechs Hektaren grosse Anwesen in idyllischer Natur», schreibt die Immobilienfirma, welche das Schloss Oetlishausen im Auftrag des Besitzers anbietet.

Schlossherr ist Josef Felder, bis 2008 Direktor des Flughafens Zürich. Dieser erwarb das 1180 erbaute Gebäude von der Stadt Zürich, doch der Verkauf im Frühjahr 2007 ging nicht ohne Nebengeräusche über die Bühne. Die Stadt Zürich hatte das Schloss zu Beginn der 1950er-Jahre erworben und wollte es nach etwas mehr als einem halben Jahrhundert wieder abstossen.

Josef Felder war ein «verlässlicher Käufer»

Der Gemeinderat der Stadt Zürich musste dem Geschäft zustimmen, doch von Seiten der Grünen und der Alternativen Liste gab es Opposition. Niklaus Scherr, der bis 2017 für die AL politisierte, passte damals nicht, «dass die Stadt einem wohlhabenden Städter ein Landstück zuschanzt, das wesentlich sinnvoller genutzt werden könnte».

Ausserdem sei der Verkaufspreis mit 2,81 Millionen zu tief, monierten die Stadtzürcher Grünen. Zudem beklagte sich ein unterlegener Interessent öffentlich, dass er ein höheres Gebot als Josef Felder abgegeben hätte, dieser ihm aber vorgezogen worden sei. Diesen Vorwurf jedoch wies der damalige Finanzvorsteher Martin Vollenwyder vehement zurück. Das Konzept eines heilpädagogischen Reithofs des unterlegenen Interessenten habe die Stadt nicht überzeugt. Im Gegensatz zu diesem sei Josef Felder ein verlässlicher Käufer.

Und nicht zuletzt habe man sich auch mit der Gemeinde Hohentannen abgesprochen, die Interesse an einem steuerkräftigen Zuzüger habe, so Vollenwyder.

Von 2,81 Millionen auf über 16 Millionen

Doch am Ende hatten Grüne und die Alternative Liste nicht mal die Unterstützung der Sozialdemokraten. Deren Gemeinderat Thomas Marthaler sagte damals im Parlament, «dass die SP diesem Geschäft vorbehaltlos zustimmt», obwohl seine Partei sonst Landverkäufe der Stadt generell ablehnen würde. Doch ausserkantonale Liegenschaften zu halten, ohne Verwendung dafür zu haben, sei schlicht nicht sinnvoll. Zuvor hatte die Stadt Zürich im Schloss Hauswirtschaftskurse durchgeführt, stellte diese jedoch 2004 ein.

Unter diesen Voraussetzungen genehmigte der Zürcher Gemeinderat den Verkauf an Felder letztlich mit 94 zu 22 Stimmen. Selbst ein Antrag der Gegner, im Vertrag ein Vorkaufsrecht für die Stadt Zürich zu verankern, um die Liegenschaft der Spekulation zu entziehen, scheiterte.

Nun ist das Schloss wieder auf dem Markt. Doch die Stadt Zürich würde sich das idyllische Anwesen wohl kaum mehr leisten wollen. Löste sie vor etwas mehr als elf Jahren knapp drei Millionen Franken, so muss ein Käufer jetzt mindestens 16 Millionen Franken auf den Tisch legen, um ins Schloss einzuziehen.

Immobilienmakler hält sich bedeckt

Wie hoch der Kaufpreis genau liegt, dazu will das zuständige Maklerbüro Walde & Partner keine Auskunft geben. Doch das Objekt ist in die höchste von fünf Kategorien eingestuft worden, deren Preis mit «über 16 Millionen» angegeben wird. Walde & Partner halten sich auch bedeckt, was seit dem Kauf 2007 alles im und rund ums Schloss gemacht wurde und verweisen auf die Privatsphäre des Besitzers. Doch betrachtet man die Fotos von Küche, Bad, Weinkeller und Reithalle, die für jedermann auf der Makler-Website einsehbar sind, so wird klar, dass Josef Felder viel Geld in das Objekt gesteckt haben muss.

Alleine die neue Reithalle hat eine Fläche von 1064 Quadratmetern. Hinzu kamen noch eine Tiefgarage und die benachbarte Kapelle aus dem 12. Jahrhundert, die Felder für eine halbe Million von der Evangelischen Kirchgemeinde Bischofszell-Hauptwil erworben hat.

Gemeinde ist gespannt auf den Käufer

«Wenn ein guter Steuerzahler wegzieht, dann ist das für eine kleine Gemeinde nicht so einfach.»Werner MinderGemeindepräsident

«Wenn ein guter Steuerzahler wegzieht, dann ist das für eine kleine Gemeinde nicht so einfach.»
Werner Minder
Gemeindepräsident

Werner Minder, Präsident der Gemeinde Hohentannen, hat Kenntnis von den Verkaufsabsichten Felders. «Wir sind natürlich gespannt, wer dieses Objekt kauft und hoffen, dass diese Person dann auch wieder Wohnsitz nimmt in unserer Gemeinde und somit auch ihr Steuerdomizil wieder hier hat», sagt Minder. «Jemand, der das Schloss nur als Wochenend- oder Feriensitz nutzt, bringt uns nicht viel», sagt der Gemeindepräsident. Weshalb Felder Hohentannen überhaupt verlassen möchte, ist Werner Minder jedoch nicht bekannt.

Er ist aber guter Dinge: «Das Schloss ist ein Objekt, welches über unsere Gemeindegrenzen ausstrahlt», sagt Minder. Es sei sehr gepflegt und auch viel investiert worden, weshalb die Liegenschaft nun so gut dastehe.

Keine Bevorzugung eines reichen Städters

Auch das Landwirschaftsamt des Kantons Thurgau geriet damals beim Schlossverkauf ins mediale Schussfeld. Walter Schild, Abteilungsleiter für Boden- und Pachtrecht, erinnert sich an die Vorwürfe, seine Behörde würden einen reichen Städter bevorzugen. Das bäuerliche Bodenrecht schränkt den Kauf von Grundstücken in der Landwirtschaftszone stark ein. Agrarland sollte nach dem Willen des Gesetzgebers «Selbstbewirtschaftern» vorbehalten bleiben. Kaufen dürfte es nur, «wer die Fähigkeiten besitzt, den landwirtschaftlichen Boden selber zu bearbeiten und ein landwirtschaftliches Gewerbe persönlich zu leiten». Der «Beobachter» schrieb damals, Felder «müsste laut Gesetz eigentlich schleunigst das Bauern lernen» und sprach von einem Sonderfall. Doch Walter Schild widerspricht, dass Felder damals eine Sonderbehandlung bekommen habe. «Wir parzellieren fast wöchentlich ein altes Gebäude aus, welches dann mit etwas Kulturland verkauft wird.» Es treffe nicht zu, dass beim bäuerlichen Bodenrecht nur Bauern Land kaufen dürften. Der Käufer müsse lediglich Selbstbewirtschafter sein. Das bedeute, man dürfe als Landbesitzer das Land nicht verpachten oder andere bewirtschaften lassen. Aber das sei beim passionierten Reiter und Pferdehalter Josef Felder nicht der Fall gewesen, erklärt Walter Schild. (man)