Altersmilde Freunde

Übrigens ...

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Wer vier und mehr Amtsdauern im Parlament sitzt, macht sich Gedanken zu seiner politischen Bilanz. SP-Ständerat Paul Rechsteiner denkt nicht im Traum daran. Im Gegenteil: Rechsteiner plant seine politische Zukunft. Und es müsste mit seltsamen Dingen zuge-hen, wenn der St. Galler am 10. November nicht zum Vizepräsidenten der ständerätlichen Sozialkommission gewählt würde. Das ergibt allerdings nur dann Sinn, wenn er in zwei Jahren auch das Präsidium übernimmt.

Vorher müsste der Chefgewerkschafter aber zur Wiederwahl antreten. Ob er tatsächlich eine weitere Amtsdauer anstrebt, lässt Rechsteiner gegenüber der NZZ offen. Der St. Galler SP-Kantonalpräsident Max Lemmenmeier immerhin rechnet fest damit, dass er sein bestes Pferd im Stall noch einmal vor den Wahlkarren spannen kann. Nach heutigem Stand werde Paul Rechsteiner nochmals antreten, sagt er. In der Tat: Ob 33 oder 37 Jahre in Bern – wo ist da der Unterschied?

Auch den ehemaligen SVP-Schweiz-Präsidenten Toni Brunner treiben keinerlei Rücktrittsgedanken um. 1995 als jüngster Nationalrat der Geschichte erstmals gewählt, sitzt der Toggenburger seit nunmehr 22 Jahren im Parlament. Geht es nach ihm, darf es ruhig auch noch eine sechste Amtsdauer werden. Widerstand dagegen wird es in der SVP so wenig geben wie in der SP gegen Rechsteiner.

Die Bühnen, auf denen die beiden ihr politisches Heu gelagert haben, könnten weiter nicht auseinanderliegen. Doch was heisst das schon für den zwischenmenschlichen Bereich? Inzwischen versteht sich Rechsteiner blendend mit FDP-Ständeratskollegin Karin Keller-Sutter. Vielleicht werden ja auch die beiden Männer noch Freunde. Altersmilde ist ein Phänomen, das jeden erwischen kann. Zudem hat man jetzt schon eine Überzeugung gemeinsam: Manche Karrieren dauern ewig. Einzelne noch länger. (lü)