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In Altenrhein im Test: Dieser Abfallkübel soll die Weltmeere säubern

Im Hafen am Rheinspitz hat der Kanton St. Gallen den ersten «Seabin» der Schweiz installiert. Der Kübel saugt Abfall aus dem Wasser. Entwickelt haben ihn zwei Australier gegen Plastikabfälle im Meer.
Marcel Elsener
Der saugende Kübel in Altenrhein: Hafenmeister Reto Schäfler mit dem zweiten, noch nicht installierten «Seabin». (Bild: Raphael Rohner)

Der saugende Kübel in Altenrhein: Hafenmeister Reto Schäfler mit dem zweiten, noch nicht installierten «Seabin». (Bild: Raphael Rohner)

Altenrhein kann mit der Schweizer Premiere eines Projekts auftrumpfen, das weltweit bereits ziemlich Furore machte. Das klingt spektakulär, ist aber eine unscheinbare Sache: Im Hafen am Rheinspitz muss man schon genau hinsehen, um den gelben Kübel zu entdecken. Am Steg neben der Tankstelle im östlichen Hafenbereich Richtung Alter Rhein hat ihn Hafenmeister Reto Schäfler installiert – eine Stelle, wo die Strömung erfahrungsgemäss die meisten Abfälle hintreibt. Ununterbrochen saugt der Kübel mit seiner strombetriebenen Unterwasserpumpe Wasser ein: Alle grösseren und kleineren Abfälle bleiben im Sack, Zigarettenkippen, Papierfetzen, Fast-Food-Packungen und so weiter.

Und selbstverständlich PET-Flaschen und andere Plastikabfälle – dafür wurde der «Seabin» (Meerkübel) von zwei Australiern schliesslich erfunden. Ihr mit Crowdfunding finanziertes Projekt verstehen sie als Beitrag gegen die verheerende Plastikverschmutzung der Weltmeere.

Im Bodenseehafen vor allem Grünabfall und Sturmfolgen

Im gepflegten Bodenseehafen fallen allerdings wenig Plastikabfälle an: Seit seinem Einsatz vor einer Woche saugt der «Seabin» vor allem Grünzeugs ein, wie Algen, Seegras, Blätter, kleine Äste. «Sicher nicht falsch», sagt Reto Schäfler. «Doch vermutlich gäbe es für den Kübel in einem Stadtzürcher oder auch im Rorschacher Kornhaushafen mehr zu tun.» Immerhin musste der junge Hafenmeister seinen «Seabin» in den Tagen nach dem 1.-August-Sturm halbstündlich leeren, auch da vor allem Grünabfall. Eine Arbeitserleichterung, aber eine reichlich schwere Last: «Wenn der Sack voll ist und noch Restwasser drin liegt, vermag man ihn allein kaum zu tragen.» Auch wenn die Mieter am Rheinspitz mit seinen 180 Plätzen – und wohl auch jene im benachbarten Marina-Rheinhof mit 350 Plätzen – ihre Abfälle in der Regel verantwortungsvoll entsorgen, kann das Hafenwasser durch den Alten Rhein und Seeströmungen verschmutzt sein. «Eine sinnvolle Sache, die man sich in jedem Bodenseehafen vorstellen könnte», meint Schäfler. «Denn jedes gesammelte PET-Fläschchen ist eines weniger, das letztlich im Meer landet.» Von Bootsleuten wird der Hafenmeister oft auf sein neues «Spielzeug» angesprochen – durchwegs mit positiven Reaktionen. Dabei ist erst einer von zwei bestellten «Seabins» im Einsatz; die Montage mit einigen Handgriffen ist einfach, aber es braucht eine geeignete Stelle und die Verlegung eines Stromkabels.

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Seabin soll den Bodensee säubern

Rheinunternehmen unterstützt innovative Idee

Die hervorragende Idee der beiden Australier habe ihn sofort begeistert, sagt Silvio Müller vom Rheinunternehmen, der den staatlichen Hafen verwaltet. Als ein Vertrieb in Frankreich die ersten «Seabins» für Europa anbot, bestellte er spontan zwei Stück, zu Kosten von je 4500 Franken. Die Abfallsauger dürften zwar günstiger werden, sobald die Verkäufe steigen. Doch geht es Müller um die Vorbildfunktion: Ausgezeichnet mit dem «Blauen Anker» für sein sauberes Hafenbecken, wolle der Rheinspitz Ansporn sein für andere Bodenseehäfen, wenn es um Innovationen für den Umweltschutz gehe. «Vielleicht installieren wir weitere Sauger an neuralgischen Punkten.» Und vielleicht macht das Beispiel ja Schule: Bereits haben sich andere Hafenmeister nach dem Kübel in Altenrhein erkundigt. Gesprächsstoff bietet die St. Galler Premiere allemal: «Ein guter Weltanschluss», meint ein «Böötler», der vom Einsatz des «Seabins» in Kiel und Helsinki gelesen hat. «Vielleicht entwickeln sie ja noch einen Sauger, der sich selbstständig auf dem Meer bewegen kann.» Und während der erste der beiden Seekübel saugt und saugt, kann man über Namen spekulieren: Wie wär’s mit Tom und Jerry?

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