ALTENRHEIN: Saudischer Tiefflieger im Glück

Ein Geschäftsflugzeug schlitterte im Januar in Altenrhein knapp an einer Katastrophe vorbei: Es verlor beim Anflug zu rasch an Höhe und beschädigte zwei Lichtmasten. Der Bund untersucht den Vorfall.

Adrian Vögele
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Die Anflugbefeuerung in Altenrhein: Am 5. Januar prallte ein Jet mit den Rädern gegen die vordersten Masten. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Anflugbefeuerung in Altenrhein: Am 5. Januar prallte ein Jet mit den Rädern gegen die vordersten Masten. (Bild: Hanspeter Schiess)

Das wäre beinahe ins Auge gegangen: Am 5. Januar am späten Nachmittag nimmt ein grosser Businessjet Kurs auf den Flugplatz Altenrhein. An Bord sind fünf Personen – zwei Piloten, zwei Passagiere und eine Flugbegleiterin oder ein Flugbegleiter. Doch der Anflug misslingt: Das Flugzeug nähert sich zu rasch dem Boden. Noch ausserhalb des Flugplatzgeländes sinkt es unter zehn Meter Höhe – so tief, dass es mit dem Fahrwerk zwei Masten der Anflugbefeuerung beschädigt. Von hier zur Pistenschwelle sind es noch über 200 Meter, bis zur vorgesehenen Landezone sogar noch 300 Meter. Im letzten Moment retten die Piloten die Situation, das Flugzeug überfliegt den Flugplatzzaun und setzt auf der Piste auf – ohne Schäden.
Die Ursache des Zwischenfalls ist noch unklar; die Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes (Sust) hat eine Untersuchung eröffnet und einen provisorischen Vorbericht veröffentlicht.

Schweizer Flugkapitän und griechischer Co-Pilot
Bei der Maschine handelt es sich um eine Bombardier Global 5000. Die Flugzeuge der Global-Serie gehören zu den grössten Businessjets auf dem Markt, sie können je nach Ausstattung bis zu 13 Passagiere transportieren. Die Maschine, die den Flugplatz Altenrhein zu tief anflog, gehört einer Firma in Saudi-Arabien. Wie viele andere Geschäftsflugzeuge ist sie aber – wohl aus steuerlichen Gründen – auf der britischen Isle of Man immatrikuliert. Der Flugkapitän des obigen Fluges war ein Schweizer (Jahrgang 1967), der Co-Pilot Grieche (Jahrgang 1949).

Ob Besatzung und Passagiere eine Landung in Altenrhein von Beginn an beabsichtigten, ist offen. Wie auf der Webseite Flightradar24.com zu sehen ist, flog die Maschine ab Basel in ungefährer Richtung Memmingen/München. Nachdem sie den Überlinger See passiert hatte, bog sie plötzlich scharf nach rechts ab, überflog den Bodensee und den Kanton Thurgau und nahm Kurs auf Altenrhein. Beim Anflug nutzte der Jet das Instrumentenlandesystem (ILS) des Flugplatzes. Dieses zeigt den Piloten im Cockpit den korrekten Landekurs und die richtige Sinkrate an, sodass sie den Flugplatz auch bei schlechter Sicht anfliegen können. Ab einer Höhe von 150 Metern müssen sie die Landebahn von Auge erkennen können, ansonsten müssen sie durchstarten. Das ILS-Verfahren ist jedoch bei Verkehrsflugzeugen und in der Geschäftsfliegerei Standard; es wird auch bei guten Sichtverhältnissen angewendet. Warum die saudische Maschine im Anflug zu tief geriet und die Beleuchtungsmasten touchierte, wird nun abgeklärt.

Die Anflugbefeuerung – englisch «lead-in lighting» – dient dazu, den Piloten auf die Piste einzuweisen. Die Masten der Anflugbefeuerung sind rund fünf Meter hoch und stehen auf dem Gelände zwischen Piste und See, das über Feldwege auch öffentlich zugänglich ist. Zwischen dem letzten Masten und dem Flugplatzgelände liegt die Dorfstrasse, die Hauptverbindung für den Autoverkehr nach Altenrhein. Die People’s Air Group, die Betreiberin des Flugplatzes, nimmt zum Vorfall keine Stellung – auch nicht zum Sachschaden an der Beleuchtung. Sie verweist auf die noch nicht abgeschlossene Untersuchung.