Video aus dem Cockpit: Fliegen Sie mit dem Tiger-Hunter von Altenrhein aus über die Ostschweiz

Am Wochenende öffnet das neue Flieger- und Fahrzeugmuseum Altenrhein seine Tore – inklusive Flugshow. Einen Vorgeschmack gab es schon am Dienstag: Ein Hawker Hunter startete zu einem Testflug. 

Adrian Vögele, Raphael Rohner
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Drei Tage noch, dann hebt das neue Flieger- und Fahrzeugmuseum Altenrhein ab: Nach eineinhalb Jahren Bauzeit wird der erweiterte Gebäudekomplex wieder für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Im alten Hangar und im dreistöckigen Neubau laufen die Vorbereitungen am Dienstag auf Hochtouren. Noch gibt es viel zu tun: So wird beispielsweise noch an der Hebebühne gearbeitet, die tonnenschwere Flugzeuge auf die erste Etage des Neubaus heben soll. Derweil zügelt das Museumsteam mit dem Fahrzeuglift wertvolle Autos ins zweite Obergeschoss. Dort sind unter anderem Oldtimer der Marken Rolls-Royce, Bentley und Jaguar zu sehen. 

Mit «Double Victory» in die Luft  

Draussen lockern die fliegenden Legenden aus dem Museum ihre Muskeln für die Eröffnungsshow am Wochenende: Auf dem Rollweg steht der Hawker Hunter mit der Immatrikulation HB-RVV, ein Doppelsitzer mit dem Namen «Double Victory» und unverkennbarer schwarzgelber Tiger-Bemalung. Der Kampfjet mit Baujahr 1956, der übrigens ebenfalls von einem Rolls-Royce-Triebwerk angetrieben wird, hat eine grössere Revision hinter sich. Nun muss er sich auf einem Werkflug bewähren: Paul «Chappe» Ruppeiner, Chefpilot des Museums, und Hans-Peter «Goliath» Reusser als Technischer Pilot machen sich bereit für den Start. «Wir fliegen in Richtung Bündnerland – dort werden wir in 6000 bis 7000 Metern Höhe eine Reihe von Tests durchführen, um sicherzugehen, dass alles reibungslos funktioniert», sagt Ruppeiner.  

Die Zeit der Hunter-Flüge läuft wohl bald ab  

Die zwei Piloten sind alte Hasen mit über 20'000 Flugstunden. Den Hunter kennen sie in- und auswendig, sie flogen ihn schon in der Luftwaffe. Jetzt erhalten sie «Double Victory» und einige weitere Exemplare des Flugzeugtyps in Zivil am Leben. Doch ein Ende zeichnet sich ab. Das Hauptproblem: Es gibt keinen Pilotennachwuchs. Die Generation, die den Hunter noch aus dem aktiven Einsatz in der Luftwaffe kennt, ist im Pensionsalter oder kurz davor. Ganz «frische» Piloten auf dem Muster auszubilden, würde viel Zeit benötigen, wie Ruppeiner sagt: «Der Hunter ist ein komplexes Flugzeug, für eine solide Ausbildung müsste man genügend Flugstunden absolvieren.» Das wiederum ist wegen der hohen Kosten und der strengen Auflagen der Behörden nicht realistisch. 

Für Ruppeiner und seine Crew gilt deshalb das Motto: Geniessen, solange es noch geht. «Das Schönste für mich ist, dass dieses Flugzeug nach 63 Jahren immer noch fliegt – und dass es immer noch genauso gut fliegt wie damals», sagt der Chefpilot. Dann heisst es: Einsteigen, Helm anziehen, letzte Checks, und los. Der Rolls-Royce im Heck heult auf und lässt die Luft über der Rollbahn flimmern. Die Maschine im Tigerkleid setzt sich in Bewegung – und steigt kurz darauf mit charakteristischem Fauchen in den Himmel. 

Im Flieger- & Fahrzeugmuseum Altenrhein (FFA) werden die meisten Exponate... (Bild: Raphael Rohner)
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... nicht nur ausgestellt. Paul «Chappe» Ruppeiner, Chefpilot des Museums und sein Copilot,... (Bild: Raphael Rohner)
... Hans-Peter «Goliath» Reusser als Technischer Pilot machen sich bereit für den Start. (Bild: Raphael Rohner)
Der Hawker Hunter Doppelsitzer steht normalerweise im Museumshangar. (Bild: Raphael Rohner)
Ein Grossteil der Flieger, die in Altenrhein stehen, werden noch geflogen. (Bild: Raphael Rohner)
Der getigergte Hunter ist ein Highlight der Ausstellung. (Bild: Raphael Rohner)
Nach dem Testflug sind die Piloten überglücklich. Die neuen Teile im Jet laufen. (Bild: Raphael Rohner)
Nach dem Testflug wird der Kampfjet für die Museums-Eröffnung herausgeputzt. (Bild: Raphael Rohner)
Letzte Vorbereitungen vor der Eröffnung des FFA-Museums in Altenrhein. (Bild: Benjamin Manser)
Letzte Vorbereitungen vor der Eröffnung des FFA-Museums in Altenrhein. (Bild: Benjamin Manser)
Letzte Vorbereitungen vor der Eröffnung des FFA-Museums in Altenrhein. (Bild: Benjamin Manser)
Letzte Vorbereitungen vor der Eröffnung des FFA-Museums in Altenrhein. (Bild: Benjamin Manser)
Letzte Vorbereitungen vor der Eröffnung des FFA-Museums in Altenrhein. (Bild: Benjamin Manser)

Im Flieger- & Fahrzeugmuseum Altenrhein (FFA) werden die meisten Exponate... (Bild: Raphael Rohner)

Claude Nicollier fliegt mit

Bevor die Jets irgendwann endgültig parkiert werden, hat Ruppeiner noch einiges vor. Am kommenden Wochenende zum Beispiel: Zur Eröffnung des FFA-Museums ist am Samstag ein Formationsflug mit drei Hunter-Jets und einer De Havilland Vampire geplant, mit sehr erfahrenen Piloten am Steuer. Die Zusammensetzung sei rekordverdächtig, sagt Ruppeiner. Er steht deswegen in Kontakt mit den Experten des Guinness-Buchs der Rekorde. Ob es für einen Eintrag reicht, ist noch offen. Mit in die Luft gehen wird voraussichtlich auch Claude Nicollier, der ehemalige Astronaut. Er war ebenfalls Pilot bei der Luftwaffe, bevor er in den Weltraum wechselte, und hat Hunter-Flugerfahrung. «Ich habe ihn eingeladen, im Doppelsitzer mitzufliegen», sagt Ruppeiner. Das wäre dann tatsächlich eine geballte Ladung an Legenden. Und das erst noch am Jubiläumstag der ersten Mondlandung. 

Zweitägiges Eröffnungsspektakel

Am kommenden Samstag und Sonntag feiert das FFA-Museum in Altenrhein Eröffnung. Das Programm beginnt jeweils um 10 Uhr. Diverse Autos und Flugzeuge aus dem Museum werden draussen in Aktion zu sehen sein, beispielsweise die Hunter- und Vampire-Jets, der Stearman-Doppeldecker, das Trainingsflugzeug T-6, ein Ferrari GTO, ein Jaguar E-Type und ein Rolls-Royce Phantom. Zu Besuch kommen weitere fliegende Oldtimer, etwa die «Classic Formation», bestehend aus einer Douglas DC-3 und mehreren Beechcraft Model 18. Angekündigt sind weiter eine P-51 Mustang und ein Fieseler Storch. Zudem präsentiert die Schweizer Luftwaffe jeweils am Nachmittag einen Super-Puma-Helikopter. Auch  Modellflugvorführungen mit Jet-Modellen stehen auf dem Programm. 

Weitere Infos: https://ffa-museum.ch/

Der Testflug vom Hunter in voller Länge:

Mit dem Kampfjet über der Ostschweiz: «Es ist jedes Mal wie heimkommen»

Ihr Arbeitsplatz ist über den Wolken der Schweiz und sie gehören zu den Besten der Welt: Kampfjetpiloten der Schweizer Luftwaffe. Ein Thurgauer Jetpilot hat uns exklusiv seinen Arbeitsplatz gezeigt und verrät im Porträt, was ihm durch den Kopf geht, wenn er mit dem Kampfjet über seine Heimat fliegt.
Raphael Rohner