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Alte Mauern suchen im Internet neue Besitzer

Historische Bausubstanz online: Auf der «Roten Liste des Schweizer Heimatschutzes» finden sich Objekte mit Vergangenheit, die einen Käufer suchen. Auch in der Ostschweiz gibt es Angebote.
Sandra Schweizer
Soll einer Überbauung weichen: Die Villa Wiesental in St.Gallen. (Bild: Schweizer Heimatschutz)

Soll einer Überbauung weichen: Die Villa Wiesental in St.Gallen. (Bild: Schweizer Heimatschutz)

Was auf der Internetseite der Europäischen Messe für Restaurierung, Denkmalpflege und Altbausanierung «denkmal» in Leipzig in einer virtuellen Denkmalbörse zum Kauf angeboten wird, nämlich unter Denkmalschutz stehende Objekte, versucht man auch in der Schweiz übers Internet zu vekaufen. Zwar sind Schlösser, Burgen und Gutshöfe etwas weniger breit gestreut als im an historischen Monumenten reichen deutschen Bundesland Sachsen. Dafür gibt es hierzulande alte Bauernhäuser, Fabrikgebäude und Villen, die online einen neuen Besitzer suchen.

Historisch wertvoll, aber herrenlos
Auf der «Roten Liste» führt der Schweizer Heimatschutz seit fünf Jahren online Objekte, die als architektonisch oder baugeschichtlich bedeutend eingestuft werden, jedoch «gefährdet» sind. Das sind sie, weil sie während längerer Zeit ungenutzt blieben. Sie laufen Gefahr, abgerissen oder, so fern sie klassiert sind, aus dem Inventar entlassen zu werden.

Ein Klick auf www.heimatschutz.ch genügt, um sich einen Überblick über die Objekte zu verschaffen, die in der gewünschten Region, zu haben sind. Der Kanton St.Gallen etwa figuriert mit zehn Objekten auf der Liste. Für die meisten werden Käufer gesucht, für einige der Liegenschaften sollen Investoren oder finanzielle Beiträge zur Renovation gewonnen werden. Unter den Gebäuden finden sich ehemalige Wohnhäuser, eine Beiz, Villen und ein Fabrikareal. So steht etwa das Kronen-Areal in Rheineck, eine aus mehreren Häusern historisch gewachsene Liegenschaft aus dem 17. Jahrhundert, zum Verkauf. Die Villa Wiesental am Rosenberg in St.Gallen soll einer Überbauung weichen, und die Villa Stoffel in Heerbrugg, erbaut vom Architekten Otto Glaus, einem Mitarbeiter von Le Corbusier, wird zwar als herausragendes Zeugnis der Nachkriegarchitektur gewertet, aber auch sie sucht nach einem Käufer.

Verschiedene Gründe für die «Rote Liste»
«Mit unserer Liste wollen wir die Öffentlichkeit auf diese Objekte aufmerksam machen. Wir versuchen, den einzelnen Fällen ein Gesicht zu geben», sagt Peter Egli, Architekt bei der Geschäftsstelle des Schweizer Heimatschutzes und Verantwortlicher für die «Rote Liste». Die Gründe, wieso ein an und für sich wichtiger Bau von den Eigentümern nicht mehr gewollt wird, sind vielfältig. Egli sagt: «Es kann vorkommen, dass sich Erbengemeinschaften nicht einig werden, was mit einem Objekt geschehen soll. Dann wird versucht, über die <Rote Liste> eine neue Nutzung zu finden.» Anderen Besitzern fehlt es schlicht am Geld, eine Liegenschaft weiterhin zu unterhalten, oder eine Gemeinde sucht eine Möglichkeit, ihr Haus im Dorfzentrum besser zu nutzen.

Unterschiedliche Käufer
Viele der Objekte auf der Roten Liste stehen unter Denkmalschutz. Probleme gibt es deswegen keine. «Diejenigen, die auf die <Rote Liste> schauen, sind mit dem Thema vertraut und finden es natürlich, dass man mit einem alten Gebäude nicht beliebig verfahren kann», sagt Egli. Und was sind das für Leute, die sich solche alten Bijoux «posten»? Peter Egli: «Da wir ganz verschiedene Objekte haben, gibt es auch ganz unterschiedliche Käufer. Allerdings kaufen auch öfter einmal Privatpersonen, die gezielt nach Objekten suchen, bei denen sie selber Hand anlegen können.»

Gerettet oder abgebrochen?
Und der Erfolg der Liste? Der sei schwer messbar, gibt Egli zu. Mindestens ebenso wichtig wie Verkaufszahlen sind dem Architekten die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Schicksal historischer Bausubstanz und die Möglichkeit, interessierte Kreise an die Immobilien heranzubringen. Aber immerhin: Seit die Liste existiert, konnten von 150 Objekten 40 gerettet werden. 26 wurden in der Zwischenzeit abgerissen. Für den Kanton St.Gallen verzeichnet die Liste sieben Erfolgsfälle. Abgesehen vom stattlichen ehemaligen Gasthaus Hirschen in Flawil, handelt es sich bei allen Objekten um alte Wohn- und Bauernhäuser, die von Privaten bewohnt werden können. Im Kanton scheinen sich mit Hilfe der Liste ein paar historische Wohnträume verwirklicht zu haben.

Steht auch auf der "Roten Liste": Das Nilbo-Haus in St.Gallen. (Bild: Schweizer Heimatschutz)

Steht auch auf der "Roten Liste": Das Nilbo-Haus in St.Gallen. (Bild: Schweizer Heimatschutz)

Wichtige Nachkriegsarchitektur: Die Villa Stoffel in Heerbrugg. (Bild: Schweizer Heimatschutz)

Wichtige Nachkriegsarchitektur: Die Villa Stoffel in Heerbrugg. (Bild: Schweizer Heimatschutz)

Auf der Roten Liste der Schweizer Heimatschutzes: Die Villa Wiesental an der Rosenbergstrasse. (Bild: Trix Niderau)

Auf der Roten Liste der Schweizer Heimatschutzes: Die Villa Wiesental an der Rosenbergstrasse. (Bild: Trix Niderau)

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