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Alte Füchse, Quereinsteiger, Klimaseniorinnen: Wer im Kanton St.Gallen alles in den Nationalrat drängt

255 St.Gallerinnen und St.Galler kämpfen um die zwölf Sitze des Kantons im Nationalrat. Das sind 28 Prozent mehr als noch vor vier Jahren. Allen Anstrengungen für die Gleichstellung der Geschlechter zum Trotz beträgt der Anteil der Frauen weiterhin nur einen knappen Drittel. Immerhin ist das Kandidatenfeld altersmässig breit gefächert.
Marcel Elsener, Noemi Heule
Der Nationalratssaal in Bern: Von 200 Sitzen sind 12 für den Kanton St.Gallen reserviert. (Bild: Keystone)

Der Nationalratssaal in Bern: Von 200 Sitzen sind 12 für den Kanton St.Gallen reserviert. (Bild: Keystone)

Sie sind begehrt wie noch nie, die zwölf St.Galler Sitze im Nationalrat. 255 Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Kanton bewerben sich um ein Mandat – mehr denn je. Die Bisherigen treten zwar allesamt wieder an, doch sie sind nicht vor der Abwahl gefeit.

Vor vier Jahren ereilte dieses Schicksal zwei Vertreterinnen grüner Parteien: Die Sitze von Margrit Kessler (GLP) und Yvonne Gilli (Grüne) fielen dem Rechtsrutsch zum Opfer. Mit der Kandidatenflut vervielfacht sich die Zahl der Listen: Waren es im Jahr 1979 noch deren fünf, breiten sich die potenziellen Volksvertreter in diesem Jahr über 25 Seiten aus.

2015 abgewählt: Margrit Kessler (links) und Yvonne Gilli. (Archivbild: Benjamin Manser)

2015 abgewählt: Margrit Kessler (links) und Yvonne Gilli. (Archivbild: Benjamin Manser)

Reihenfolge neu geregelt

Wer ist in der Pole Position? 2015 und 2011 gehörte die Liste 1 jeweils der Jungen CVP, 2007 war die gemeinsame Liste von SD (Schweizer Demokraten) und NA (Nationale Aktion) auf dem ersten Platz. Nun ist es vorbei mit solch zufälligen Startplätzen – wer im September das Wahlbüchlein 2019 öffnet, wird sich über die neue Ordnung wundern: Die Listennummern sind nicht mehr wahllos durcheinander gewirbelt, sondern aufgrund des am 1. Januar 2019 in Kraft getretenen neuen Gesetzes über Wahlen und Abstimmungen säuberlich verteilt.

Sprich: Die Plätze wurden nicht mehr nach Eingabe der Liste vergeben, sondern nach dem Stimmenanteil der Parteien. Jedenfalls gilt das für jene Parteien mit Nationalratsmandat(en): Die SVP hat als wählerstärkste St.Galler Partei (35,8 Prozent Stimmenanteil 2015) automatisch die Listennummer 1 auf sicher, gefolgt von der CVP (16,6 Prozent), der FDP (14,3 Prozent) und der SP (14,2 Prozent).

Die weiteren Listennummern ergeben sich wie bisher aufgrund der Reihenfolge ihres Eingangs. Bei gleichentags eingereichten Listen entscheidet das Los.

Unbegrenzte Anzahl Listen

Nicht für ihre Hauptliste, wohl aber für die Ergänzungslisten mussten alle Parteien bisher Unterschriften sammeln: 200 Namen pro Liste. Diese Quorums-Vorschrift wurde auf Bundesebene vor vier Jahren gestrichen, zumindest für die im Nationalrat vertretenen Parteien. Der Wegfall des Aufwands ist eine Begründung, warum die grossen Parteien nun vermehrt Unterlisten zusammengestellt haben. Namentlich in den Kantonen Bern (von 26 auf 34) und Aargau (von 23 auf 36) ist die Anzahl der Listen markant gestiegen, allein die CVP Aargau tritt mit sagenhaften neun Listen an.

Tatsächlich sieht das Gesetz keine Obergrenze vor. Toni Brunners Spruch jüngst am SVP-Wahlfest, wonach er am liebsten «noch 20 weitere Listen» gemacht hätte, war demnach nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Ein Drittel Frauen

Das Wahljahr 2019 sollte die Frauen vorwärts bringen. Doch auch nach der doppelten Frauenwahl in den Bundesrat und dem Frauenstreik steigt der Frauenanteil auf den St.Galler Nationalratslisten nur marginal. Waren es vor vier Jahren noch 32,2 Prozent, sind es in diesem Jahr 32,9. Den bisherigen Höhepunkt erreichte der Frauenanteil 1995 mit 38 Prozent, seither ging es tendenziell wieder bergab.

Auf separate Frauenlisten setzt die FDP, deren Hauptliste dafür nur vier Frauen enthält. Bei der SP und den Grünen sind es mit sechs Kandidatinnen je die Hälfte, auf der SVP Hauptliste sind es gerade mal drei. Der Frauenanteil im Nationalrat liegt auf ähnlichem Niveau – derzeit sind es 31,7 Prozent.

Drei Generationen

Der durchschnittliche Kandidat verfällt mit 43 Jahren dem Lockruf aus Bundesbern. Die älteste Kandidatin feiert heuer ihren 78. Geburtstag: Cécile Federer, Jahrgang 1941, findet sich – wenig überraschend – auf der Liste der Grünen Klimasenioren.

Cécile Federer. (Archivbild: Urs Bucher)

Cécile Federer. (Archivbild: Urs Bucher)

Die Jüngsten haben erst 2019 auf ihre Volljährigkeit angestossen: Eine junge Grüne und drei Jungsozialistinnen mit Jahrgang 2001 kandidieren für den Nationalrat. Unter ihnen sind Miriam Rizvi, das Gesicht der St.Galler Klimastreik-Bewegung, und ihre Wiler Mitstreiterin Anna Miotto.

Miriam Rizvi. (Archivbild: Urs Bucher)

Miriam Rizvi. (Archivbild: Urs Bucher)

Anna Miotto. (Archivbild: David Grob)

Anna Miotto. (Archivbild: David Grob)

22 müssen die Doppelbelastung von Milizamt und Beruf nicht fürchten: Sie haben das Pensionsalter erreicht.

Die Kleinparteien

Die Zahl der Kandidatinnen und Kandidaten mag zugenommen haben, doch die Politlandschaft hat gesamthaft an Vielfalt verloren. Die neuen Wahlgesetze bevorteilen die grösseren Parteien mit vorhandenen Mandaten. Zwar stellen wiederum EVP, EDU und SD eine Liste, und Parteifrei SG will es beharrlich weiterhin wissen. Doch die meisten Klein- und Kleinstparteien der letzten Jahrzehnte sind sang- und klanglos verschwunden, als da waren vor vier Jahren noch die Piratenpartei oder die Alternativen von der IP (Integrale Politik) und beispielsweise bis 2007 die Katholische Volkspartei (KVP) St.Gallen.

Nur noch eine Einzelmaske

Ein Rückgang auch bei den Solisten: Unter der 25 Listen findet sich 2019 eine einzige Einzelmaske, nämlich der Lenggenwiler Landwirt und Wiler Gastwirt (Art’s Pub) Stefan Rusch, der unter dem Listentitel «Der Pflug» antritt. 2015 waren es noch drei Einzelmasken: die parteilose frühere SVPlerin Sarah Bösch («Das Original»), der rechtsextreme Ignaz Bearth mit seiner Direktdemokratischen Partei Schweiz (DPS) und Marcel Giger (Amden – parteilos).

Auffällig viele Einzelbewerbungen hatte es 2007 gegeben, unter Listentiteln wie «Für Kinder und Jugend» oder «Tierschutz ist Menschenschutz».

Bei dieser Wahl nicht dabei: Sarah Bösch. (Archivbild: Benjamin Manser)

Bei dieser Wahl nicht dabei: Sarah Bösch. (Archivbild: Benjamin Manser)

Die Nimmermüden

Von wegen Einzelkämpfern: Andreas Graf gibt nicht auf. Zweimal kandidierte der «Unternehmer, Denker, Optimist, Veränderer» von Parteifrei SG für den Ständerat. Einmal versuchte er es in den Regierungsrat, aktuell bewirbt er sich fürs Gemeindepräsidium von Steinach. Nun drängt es ihn überdies in die grosse Kammer: Er befindet sich in illustrer Parteifrei-Gesellschaft neben einer ayurvedischen Köchin oder einer Tierrechtlerin.

Wieder mit von der Partie: Andreas Graf. (Archivbild: Michel Canonica)

Wieder mit von der Partie: Andreas Graf. (Archivbild: Michel Canonica)

Auch Bruno Egli will partout ein Mandat. Bisher beschränkten sich die Ambitionen des Taxiunternehmers auf das Gossauer Stadtpräsidium. Zweimal kandidierte er dafür, einmal versuchte er es in den Stadtrat. Der «Taxitubel», wie er sich selbst nennt, will das Verkehrsproblem auch schon mal mit fliegenden Taxis lösen. Nun will er auf der Liste der Schweizer Demokraten höher hinaus.

Letzte Frist bis 26. August

Die Einreichefrist für Kandidaten ist am Montag abgelaufen, doch eine letzte Frist besteht noch: Bis am 26. August können die Parteien ihre Listenverbindungen einreichen. Dann beginnt die heisse Phase des Wahlkampfs. Bis es am 20. Oktober so schön schnöd heisst: Wahltag ist Zahltag.

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