Alte Dampflady auf Jungfernfahrt

Nach gut drei Jahren Verjüngungskur in Hard dampft die «Duchess of Argyll» über den Bodensee. Rund 12 000 Arbeitsstunden waren nötig, um die 1883 erbaute Dampfyacht aus England zu renovieren.

Gernot Grabher
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Reinhard Kloser (links) und Hubert Hartmann mit der «Duchess of Argyll» auf der Jungfernfahrt vor dem Lindauer Hafen. (Bild: Gernot Grabher)

Reinhard Kloser (links) und Hubert Hartmann mit der «Duchess of Argyll» auf der Jungfernfahrt vor dem Lindauer Hafen. (Bild: Gernot Grabher)

HARD. Ein ungewöhnlicher Anblick bietet sich derzeit an schönen Tagen auf dem Bodensee. Denn dann zieht es den Liechtensteiner Erich Hoop und die Pensionäre Reinhard Kloser und Hubert Hartmann aus dem österreichischen Hard mit ihrer alten Dampfyacht, der «Duchess of Argyll», hinaus auf das Wasser. Erbaut wurde das Schiff im Jahr 1883. Und bis zu jenem Tag, als Erich Hoop die zum Verkauf angebotene Yacht im Internet sah, schwamm sie in der Themse in England.

Es sei nicht schwer gewesen, das Interesse von Reinhard Kloser und Hubert Hartmann zu wecken, sagt Hoop. Kloser, ein Leben lang als Schiffsingenieur auf den Weltmeeren unterwegs, und Hartmann, Zimmereiunternehmer im Unruhestand, fuhren sofort mit nach England. Die drei legten 50 000 Pfund auf den Tisch des Besitzers, der mit der «Duchess» Jahrzehnte die Themse hinauf- und hinuntergedampft war. Sie sei eine maritime Rarität, sagte dieser. Tatsächlich existieren von dem Bootstyp weltweit nur noch sechs Exemplare. Die «Argyll» ist das älteste.

«Wie auf Katzenpfoten»

Als das Boot dann auf dem Landweg in Hard eintraf, begann die Arbeit. Der Rumpf musste gründlich saniert werden, Planken waren von Grund auf zu erneuern, die Inneneinrichtung musste gänzlich über Bord geworfen werden. Tausende Stunden erforderte allein die Erneuerung der Holzteile. «Es ist eben ein alte Dame», sagt Reinhard Kloser über die Dampfmaschine an Bord. «Und denen muss man gut zureden, aber dann laufen sie prächtig.» Der Schiffsingenieur erinnerte sich anlässlich der Renovierung der «Duchess» an eine Dampfmaschine, die sich in den Beständen des Dampfbootvereines Bodmann befand. Das 1906 in Schottland erzeugte Aggregat wurde gründlich überholt und in die «Duchess» eingebaut. Viel Erfahrung und Feingefühl waren nötig. «Und einiges Nachdenken über die Technik», erinnert sich Kloser. «Aber jetzt läuft sie wie auf Katzenpfoten.» Und tatsächlich, die alte Maschine werkelt klaglos und tüchtig vor sich hin. Dann und wann legt Heizer Hubert Hartmann ein paar Scheiter nach, aber sonst fährt das Boot stressfrei über den See, wie sich bei der Jungfernfahrt herausstellte. Gas geben kann man allerdings nicht. Soll die Fahrt schneller werden, muss das Feuer angefacht werden. Die «Duchess» kann eine Maximalgeschwindigkeit von elf Knoten – 20 Kilometer pro Stunde – erreichen. Zugelassen wäre das Schiff für 17 Personen, «aber so viele werden wir nie mitnehmen», sagen Kloser und Hartmann.

Nur Liebhaberei

Die beiden geniessen vor allem das Erlebnis der nostalgischen Fahrt über den Bodensee. Und ein bisschen Stolz kommt dazu, wenn etwa wie bei einer Vorstellungsrunde im Lindauer Hafen die Touristen am Ufer winken und die Kameras in Anschlag bringen. Das vorschriftsmässig dreifach ertönende Signal des dampfbetriebenen Horns, das noch von der 1906 erbauten «Stadt Bregenz» stammt, hat die Neugier geweckt. Aber: «Wir wollen mit dem Schiff gelegentlich mit Freunden über den See fahren», sagt Kloser, «an eine kommerzielle Nutzung ist nicht gedacht.» Obwohl es jede Menge Anfragen gibt.