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Winzervirus und Katzen im Rebberg: Zwei Ostschweizer Weinbauern erzählen

Was macht einen guten Wein aus? Weshalb sollten Weinbauern heutzutage keine Einzelkämpfer mehr sein? Und hat man als Winzer irgendwann ausgelernt? Aus Anlass der Sonderschau des Weinkantons St.Gallen an der Olma erzählen zwei Winzer von ihrer beruflichen Tätigkeit.
Natascha Arsic
Weinbau ist ihre Leidenschaft: Roman Rutishauser (links) und Marco Casanova. (Bilder: Ralph Ribi/Thomas Hary)

Weinbau ist ihre Leidenschaft: Roman Rutishauser (links) und Marco Casanova. (Bilder: Ralph Ribi/Thomas Hary)

Roman Rutishauser, Winzer aus Thal:

«Das Mithelfen im Familienbetrieb war als Kind und Jugendlicher manchmal ein Müssen, dann ein Dürfen und schliesslich ein Wollen», erinnert sich Roman Rutishauser. Letztlich wurde ihm überlassen, ob er Winzer werden wollte. Wer auf einem Weinbaubetrieb aufwachse, werde aber automatisch mit dem Virus «Winzer, Wein und Weinkultur» infiziert, sagt der 34-Jährige. Zuerst habe er eine Lehre als Koch gemacht – auch ein kreativer Berufe, der sich gut kombinieren lasse.

Rutishauser sagt begeistert:

«Als Winzer wird es einem nicht langweilig.»

Jedes Rebjahr sei anders, «es bleibt immer spannend». Dem «Rookie des Jahres 2019» ist wichtig, dass diese Jahrgangsunterschiede in seinen Weinen zu spüren sind. Dies mache für ihn ehrlichen, echten Wein aus. Der Jungwinzer hat eine bestimmte Vorstellung von der Qualität seines Weines und darauf arbeitet er auch hin. Stets unverfälscht möchte Rutishauser den Jahrgangscharakter in die Flasche bringen.

Roman Rutishauser führt sein Weingut in Thal in dritter Generation. (Bild: Ralph Ribi)

Roman Rutishauser führt sein Weingut in Thal in dritter Generation. (Bild: Ralph Ribi)

Einen Lieblingswein hat er selber nicht: «Es gibt viele, das kommt immer auf die Situation an. Nicht jeder Wein passt zu jeder Gelegenheit.» Seine Weine sieht er alle als Spezialitäten: «Einen Wein kann man nicht kopieren, das ist schlichtweg nicht möglich», sagt er. Selbst wenn zehn Winzer die gleichen Trauben hätten, würden zehn verschiedene Weine entstehen. Es sei das Handwerk, der Erfahrungsstand und die Persönlichkeit eines jeden Winzers, die einen Wein ausmachen.

Da die Schweiz ein kleines Weinbauland ist, kenne man die Weine im Ausland oft nicht, weil sehr wenig exportiert wird. Der St.Galler sagt:

«Die meisten hierzulande produzierten Weine werden auch hier getrunken. Schweizer Weine sind absolut vergleichbar mit den internationalen.»

Mittlerweile gebe es auch im Kanton St. Gallen gute Produzenten mit Top-Produkten. «Wir dürfen zu den Produkten stehen, die wir machen». Die Weinbranche befindet sich laut Rutishauser in einem Wandel: Viele Jungwinzer kommen nach und es werde in nächster Zeit viele Betriebsübernahmen geben. Der Weinbaukanton St. Gallen habe eine einzigartige, schöne Vielfalt an hervorragenden Weinen, die sich zu entdecken lohnen.

Wie kann die Weinregion auf sich aufmerksam machen? «Wir müssen als Einheit an Weinpräsentationen auftreten und uns einen Namen machen», sagt Roman Rutishauser dazu.


Marco Casanova, Winzer aus Walenstadt:

Nur biologisch zu produzieren, war Marco Casanova «zu wenig anspruchsvoll». Daher entschied er sich, mit Pflanzen, Menschen, Tieren, der Natur «und dem Kosmos» ganzheitlich zu arbeiten. Der 50-Jährige sagt:

«Das ist eine Lebensphilosophie.»

Privat lege er ebenso viel Wert darauf, sich selber Gutes zu tun und praktiziert beispielsweise Yoga. Für seinen eigenen Kompost hätte der Winzer auf seinem Demeter-zertifizierten Weinbetrieb gerne Kühe. Dies sei zurzeit zwar noch nicht möglich, aber: «Seit der letztjährigen Mäuseplage haben wir Katzen im Weinberg integriert, die ihre Aufgabe hervorragend erfüllen», sagt er lachend.

Casanova arbeitete unter anderem sieben Jahre in Südfrankreich. Dort half er mit, ein Weingut aufzubauen, das zu internationaler Bekanntheit gelangte. Der Winzer hätte sich aber nie träumen lassen, hierzulande einen eigenen Weinbetrieb zu besitzen.

«In der Schweiz ein Weingut zu haben, ist wie eine Perle am Sandstrand zu finden.»

Dass es bei ihm dennoch geklappt hat, zeige ihm, dass er auf dem richtigen Weg ist. Mit 28 Jahren Weinerfahrung kennt er seine Stärken: sein Know-how und sein Durchhaltevermögen. «Ich bin wie ein Hund, der den Knochen nicht loslässt, wenn er ihn hat.» Dennoch setzt sich Casanova nicht fest, wenn er einen guten Wein produziert hat.

Marco Casanova ist der einzige in der Umgebung von Walenstadt, der seinen Wein biodynamisch herstellt. (Bild: Thomas Hary)

Marco Casanova ist der einzige in der Umgebung von Walenstadt, der seinen Wein biodynamisch herstellt. (Bild: Thomas Hary)

Das Schöne am Winzerberuf sei, dass man nie ausgelernt habe. «Man weiss nie, ob man seinen besten Jahrgang produziert hat und darum gibt man immer sein Bestes», so der 50-Jährige.

Der St.Galler Wein werde immer wieder neu positioniert und präsentiert, was laut Casanova nötig ist. «Wir haben gute Weine, die mit den besten Qualitäten aus den umliegenden Regionen oder auch international mithalten können.» Schweizer trinken relativ viel Wein, meint er schmunzelnd. Die Schweiz sei aber kein Land für Massenwein, sondern für Spezialitäten. Wenn man guten Wein produziere, habe man hier die Chance, auch mit einem kleineren Betrieb zu überleben.

Die Winzer in Walenstadt seien mit ebenfalls hochwertigen Produkten teils wohl Konkurrenten. Casanova ist aber der Meinung, dass sich eine Gegend heutzutage gemeinsam präsentieren muss.

«Einzelkämpfer – das war früher einmal, nun müssen wir als Gruppe auftreten.»

Stolz erzählt er, dass die Bio-Winzer aus Walenstadt mittlerweile einen eigenen Slogan haben: «Die Weinperlen vom Walensee». Zusammen sei man nämlich viel stärker als alleine.

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