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1300 Jahre St.Galler Dom: Die Schädel der Klostergründer sollen zurückgebracht werden

Seit bald vier Jahrhunderten ruhen die Schädel der St.Galler Klostergründer in einem Reliquienschrank der Wenzelskapelle in Prag. Nun will sie das Bistum nach St.Gallen zurückbringen.
Christoph Zweili

Eine Vorstellung, die schmunzeln lässt: Martin Gehrer, Administrationsratspräsident des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St.Gallen, und Bischof Markus Büchel hasten nach drei harten Verhandlungstagen in Prag auf den Zug. Sie fahren zurück nach St.Gallen – je mit einem Schädelteil der Klostergründer Gallus und Otmar unter dem Arm. Bistum und Kanton wollen im kommenden Jahr die 1300-Jahr-Feier der Klostergründung durch Otmar begehen. «Eine gute Gelegenheit, die beiden Reliquien zu uns zu holen und sie hier zu zeigen», sagt Gehrer. «Ich weiss erst seit einigen Tagen, dass es die beiden Schädel gibt.

«Dass die Schädel gerade jetzt wieder auftauchen, ist purer Zufall.»

Martin Gehrer, AdministrationsratspräsidentKatholischer Konfessionsteil Kanton St. Gallen (Bild: Benjamin Manser)

Martin Gehrer, Administrationsratspräsident
Katholischer Konfessionsteil Kanton St. Gallen (Bild: Benjamin Manser)

Im Jahr 612 liess sich Gallus dort nieder, wo heute die Stadt St. Gallen steht. Ab 719 baute Otmar als erster Abt die Gemeinschaft zu einem Kloster aus, dem «Vorgängerstaat» von Kanton und Katholischem Konfessionsteil des Kantons St. Gallen. Nun sind die vergessenen Reliquien der beiden Heiligen wieder ans Licht gekommen, nachdem sie zuvor unsichtbar versperrt in einem nicht zugänglichen Schrein einer Seitenkapelle im Prager Veitsdom lagen.

Bereits im Mittelalter, überliefert sei das Jahr 1353, waren sie aus dem Kloster St. Gallen entfernt worden, schreibt die NZZ unter ­Berufung auf den St. Galler alt Stiftsarchivar Lorenz Hollenstein. Er hat die Geschichte der Reliquien von Otmar und Gallus aufgearbeitet. Verantwortlich für den Verlust des Otmar- und des Gallus-Schädels war Karl IV., König von Böhmen und späterer römisch-deutscher Kaiser. Ein frommer Mann und fanatischer Reliquiensammler.

«Er hat in ganz Europa verschleppt, was er finden konnte», sagt Bistumskanzler Claudius Luterbacher.

Hinter dem Reliquienhandel standen handfeste Interessen, Luterbacher bezeichnet ihn als «eine Art Wirtschaftsförderung». Wer damals die besten Reliquien hatte, löste wahre Pilgerströme aus. Diese frommen Leute sahen sich nicht nur die Kultgegenstände an, sie blieben oft auch mehrere Tage vor Ort – «ein oft auch fragwürdiger Wirtschaftsfaktor».

In die Herz-Jesu-Kapelle oder in die Otmar-Krypta

Heute spielten wirtschaftliche Gründe keine Rolle mehr, Reliquien seien für viele Gläubige eher ein Gegenstand der Verehrung. Vom Schädel von Gallus gibt es in der Gallus-Krypta in der Kathedrale die Hirnschale (Cranium sancti Galli), 1989 für echt befunden und datiert ins 7. Jahrhundert. «Wenn wir die Schädelteile der Klostergründer im Rahmen des Jubiläums, zumindest als Leihgabe, ­zurück nach St.Gallen bringen können, dann gehören sie nicht in ein Museum, sondern an einen passenden sakralen Ort», hält Luterbacher fest. Infrage kämen im Weltkulturerbe des St.Galler Klosterbezirks beispielsweise die Herz-Jesu-Kapelle oder – nomen est omen – die Otmar-Krypta. «Einen Hype wollen wir nicht auslösen», ergänzt Gehrer. «Vielmehr sollen sich Gläubige in Ruhe zum Gebet zurückziehen können.»

Offizielle Stellen in St.Gallen haben mehrmals versucht, die Reliquien wieder ins Kloster zurückzubringen. Bisher vergeblich. Rechnen sich Gehrer und Luterbacher Chancen aus, dass es diesmal klappen könnte? «Der Wunsch, die Reliquien zurückzubringen, tauchte immer wieder auf, war in den letzten zehn Jahren aber kein Thema mehr», sagt der Bistumskanzler. Der letzte Kontakt zu Prag habe sich ebenfalls zerschlagen, «aber das war vor meiner Zeit». Im Bistum will man nun pragmatisch vorgehen. Man werde nicht den diplomatischen Weg einschlagen, «sondern zuerst den direkten Kontakt suchen». Eingefädelt ist noch nichts, für diese Woche ist aber noch eine Sitzung zwischen Konfessionsteil und Bischof angesetzt. Gut möglich, dass es dem Kanzler obliegen wird, den Kontakt herzustellen.

«Im Moment ­wissen wir zwar, dass die Reliquien im Veitsdom liegen, aber nicht, wem sie gehören.»

Claudius Luterbacher, Kanzler Bistum St. Gallen. (Bild: Regina Kühne)

Claudius Luterbacher, Kanzler Bistum St. Gallen. (Bild: Regina Kühne)

So gross wie das Gallusjubiläum 2012 will man die 1300-Jahr-Feier zur Klostergründung nicht anlegen. «Es wird am 16. November, dem Gedenktag des Heiligen Otmar, einen Festgottesdienst geben», sagt Gehrer. Natürlich habe das Jahr der Klostergründung 719 eine gewisse historische Bedeutung, «einen eigentlichen Gründungsakt gab es aber nicht», sagt Kanzler Luterbacher. Man werde 2019 immer wieder einzelne Schlaglichter auf Dinge werfen, die an die 1300-jährige Klostergeschichte erinnern. Dazu gehört auch die Musik. «Dass es heute noch eine Diözesane Kirchenmusikschule, eine Domsingschule und Konzerte am Dom gibt, zeigt, dass das klösterliche Erbe weiterlebt.»

Vier Millionen Franken für zwei Ausstellungen

Im Jubiläumsjahr bekommt auch das St.Galler Weltkulturerbe, der Stiftsbezirk, im Kulturraum im Zeughausflügel am Klosterplatz eine eigene Ausstellung. Dabei wird erstmals der St.Galler Klosterplan aus dem 9. Jahrhundert einem breiten Publikum gezeigt. Die Eröffnung der Ausstellung ist am 12. April 2019 geplant. Für die Realisierung der Ausstellung hat der Kanton St.Gallen über zwei Millionen Franken budgetiert.

Bereits am 20. Januar wird das sanierte Lapidarium, die Ausstellung unter der Stiftsbibliothek, neu eröffnet. Hier sind seit 1981 kunsthistorisch wertvolle Exponate wie Kapitelle und weitere Werkstücke der früheren Klosterbauten (9. bis 17. Jahrhundert) ausgestellt. Knappe zwei Millionen Franken investiert der Katholische Konfessionsteil in Bau und Ausstellung, davon wird die Hälfte über Dritte finanziert. Beide Ausstellungen werden von der Stiftsbibliothek betrieben. «Das ist ein grosser Schritt nach vorne, um den Stiftsbezirk besser zu positionieren», sagt der Regierungsratspräsident der Katholikinnen und Katholiken, Martin Gehrer.

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