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Bildstrecke

Einmalige Alpstein-Bilder: Zwei Hobby-Fotografen zeigen ihre besten Aufnahmen

Remo Schläpfer und Nicolas Giovanettoni verbringen regelmässig die Nacht im Alpstein. Für den perfekten Moment, das eine Bild, verzichten die Hobby-Fotografen auf viel Schlaf. Wir haben sie begleitet.
Martin Oswald

«Wir haben Glück mit dem Wetter heute», sagt Nicolas Giovanettoni. Der durchschnittliche Berggänger hofft auf schönes Wetter, nicht so der passionierte Fotograf. «Es kommen gleich zwei Gewitter von unterschiedlichen Seiten, das wird spannend.»

Der 37-jährige Einsatzleiter der Stadtpolizei Zürich sitzt zusammen mit seinem Cousin Remo Schläpfer vor einem Teller Pommes Frites auf der Terrasse des Bergrestaurants Hoher Kasten. Stärkung für eine lange Nacht. Schläpfer hat nicht nur die Wetterprognosen genau angeschaut, sondern auch den Verlauf des Mondes und der andere Planeten studiert. Morgens um 4 Uhr sollen die Perseiden besonders gut zu sehen sein. «Eine Sternschnuppe einfangen, das wär’s.» Ob die Wolken den Blick auf dieses Naturschauspiel freigegeben werden?

Cousins werden Freunde

Jahre lang hatten die beiden keinen Kontakt. Erst die Beerdigung von Remo Schläpfers Vater brachte die beiden wieder in Kontakt. Dabei entdeckten sie ihre gemeinsame Leidenschaft für die Natur und die Fotografie. Seither kommen sie regelmässig in den Alpstein und sind gern gesehene Gäste. Übernachtet wird mal im Zelt, mal in der alten Berghütte.

Tausende Bilder haben sie von hier oben schon geschossen, aber ihr Hunger ist nicht gestillt. Wetterkonstellationen, Jahreszeiten, Lichtverhältnisse - die Aussicht auf den Alpstein, nach Appenzell oder ins Rheintal fasziniert jedes Mal von neuem. So auch heute. Im Minutentakt wechseln sich leuchtend grüne Matten und dunkle Wolken ab. Giovanettoni und Schläpfer halten drauf, klicken und haben ein Lachen auf dem Gesicht. «Schau, wie schön der Nebel über den Kamm zieht.» - «Da drüben regnet es, wow.»

Die Fortsetzung der Reportage weiter unten.

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

Föhnstimmungen sind ein Highlight für Fotografen. Jedoch nicht, wenn die Bergbahn aufgrund aufkommenden Windböen nicht mehr fahren kann. Mit über 20 Kg Gepäck gings vom Schäfler hinuter nach Wasserauen. (Schäfler)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

Aufgrund eines Sandsturms in der Saharawüste wurde der Sand in die Schweiz getragen. Aufgrund der langen Trockenheit, glänzten die Sandpartikel golden in den letzten Sonnenstrahlen. (Schäfler)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

Montagmorgen in der Früh, Gedränge und Stress auf der Autobahn, langsames und erholsames Erwachen auf dem Berg. (Hoher Kasten)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

Über 4 Jahre lang habe ich auf diese Konstellation gehofft, Nebel, Sonnenuntergang und die Bergstation ist aus dem Nebel. Träume gehen eben doch in Erfüllung. (Hoher Kasten)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

Perseiden Sternschnuppenregen, Gewitter, Nebel und die Milchstrasse, alles zu gleich in einem Shot. Wie ein 6-er im Lotto. (Kamor)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

Eine Stunde flog der Pilot um den Hohen Kasten bis für mich die Position und das Licht stimmte. Perfektionismus in der Fotografie. (Hoher Kasten)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

10 Stunden harrten wir bei -12 Grad in der Kälte aus, in der Hoffnung, dass der Himmel aufbricht und sich die Sterne zeigen. 10 Minuten, bevor wir aufgaben, wurde unsere Hartnäckigkeit belohnt. (Hoher Kasten)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

«In 5 Minuten fährt die letzte Bahn», hörte ich von hinten, doch die Stimmung wurde immer grandioser. «Wir fahren jetzt, los!» Das letzte Bild, Kamera auf dem Stativ, Rucksack in der Hand und im Spurt zur Bahn. Die Rüge des Mitarbeiters und der Stress haben sich bei diesem Resultat aber geloht. (Säntis)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

Während einer Stunde blieb die Front an der genau gleichen Stelle stehen. Im Sekundentakt schossen die Blitze aus der Wolke in das Felsmassiv der österreichischen Alpen. (Gäbris)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

Leermond, klarer Himmel, geringes Luftflimmern durch die Wärme der Erde- die Bedingungen konnten nicht besser sein. Einschlafen im Schlafsack unter dem Sternenhimmel, was gibt es schöneres? (Hoher Kasten)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

Nach ausbleibendem Regen während der Blütenzeit, war die Luft voll von Pollen. In Kombination mit den letzten Sonnenstrahlen ergab sich eine spezielle Stimmung im Alpstein. (Hoher Kasten)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

Moderne trifft die Berge. (Schwägalp Passstrasse)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

Am Abend ein Halo, in der Nacht Sturmböen bis 120km/h Spitze. Gut hatten wir die beiden Zelte gut verankert. (Hoher Kasten)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

Ein Bild wie aus finnisch Lappland. Nach dem 5. Besuch am frühen Morgen, ergab sich das langersehnte Bild. 1 Stunde bei minus 10 Grad ausharren, für einen Moment von 30 Sekunden. (Appenzell)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

Die Nebelschwaden im Rheintal umspülen die Erhöhungen und lassen diese wie Inseln im Meer erscheinen. (Hoher Kasten)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

Innerhalb einer Stunde flossen die Nebelschwaden vom Bodensee herkommend durch das Rheintal und hüllten es in Nebel. Wunderschön, dieses Naturspektakel miterleben zu dürfen. (Hoher Kasten)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

Bei diesem Anblick von Simon Kaufmann über dem Nebelmeer verstand ich erst, was er mit immer versuchte zu erklären. Die Ruhe in der Nacht, der Morgen, unglaublich. Der Nachtschichtvirus ist übergesprungen. (Hoher Kasten)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

Mein erstes Bild, welches ich bei einer Nachtschicht geschossen habe, als ich Simon Kaufmann begleiten durfte. Herbststimmung auf dem Hohen Kasten. (Hoher Kasten)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

(Bild: Nicolas Giovanettoni)

Es gibt es Momente, in welchen man die Kamera zur Seite legt und den Moment für sich geniesst. Doch zuerst noch rasch ein Foto machen. (Hoher Kasten)

(Bild: Remo Schläpfer)

(Bild: Remo Schläpfer)

Diese Lichtstimmung zeigte sich auf dem Fähnerenspitz mit Blick auf den Kronberg, welcher dank des Lichtkegels gekonnt in Szene gesetzt wird.

(Bild: Remo Schläpfer)

(Bild: Remo Schläpfer)

Diese Herbststimmung zeigte sich mir irgendwo auf dem Weg zur Meglisalp, über welcher hoch oben das Kreuz auf dem Kreuzböhl wacht.

(Bild: Remo Schläpfer)

(Bild: Remo Schläpfer)

Die Milchstrasse thront über dem Alpstein, welcher erleuchtet wird von den Lichtern des Säntis, des Rotsteinpasses, der Meglisalp und des Mesmers.

(Bild: Remo Schläpfer)

(Bild: Remo Schläpfer)

Nach einer Wanderung zur Widderalp eröffnete sich mir am Abend ein Lichtspiel mit Blick auf die Meglisalp und den Säntis.

(Bild: Remo Schläpfer)

(Bild: Remo Schläpfer)

An einem Montagmorgen durfte ich auf dem Hohen Kasten diese einzigartige Morgenstimmung im Rheintal einfangen – eine Spielerei von Licht und Nebel, welche diese beeindruckenden Strahlenbündel hervorgebracht hat.

Eine Föhnlage im Herbst erlaubte diese mystische Aufnahme vom Hohen Kasten im Sonnenaufgang mit den österreichischen Alpen im Hintergrund.

Remo Schläpfer ist 33, lebt in Gossau und arbeitet als Entwicklungs-Ingenieur bei Endes Engineering in Rorschach. Er beschäftigt sich dort mit Optomechanik, was ihm bei der Fotografie zugute kommt. Kollege Giovanettoni sagt dazu: «Remo ist der Tüftler von uns beiden und kennt jede technische Finesse. Ich bin dagegen mehr so der intuitive Typ.» Doch des Nachts auf dem Berg zeigt sich, dass die beiden auch Zwillinge sein könnten. Schiebt sich eine Wolke zur Seite, wechseln beide das Objektiv. Zeigt sich die Sonne, montieren sie denselben Filter. Warum müsst ihr immer das gleiche machen, hätten sich die Partnerinnen bei gemeinsamen Ausflügen schon gefragt, erzählt Giovanettoni. Die Frauen bräuchten viel Verständnis für ihre gemeinsame Leidenschaft. Auch das Material ist teuer. Schläpfer und Giovanettoni haben Fotoausrüstung im Wert eines Mittelklassewagens mit auf den Berg gebracht.

Das Warten auf den perfekten Moment

Der angekündigte Sturm zieht tatsächlich auf und schenkt den beiden Fotografen spektakuläre Bilder. Ein paar wenige schaffen es zuhause am Computer durch den strengen Auswahlprozess. «Du hoffst halt immer auf dieses eine magische Bild», sagt Remo Schläpfer. Gelingt es, mache das glücklich.

Der Himmel zieht zu, grosse Regentropfen prasseln auf die beiden inzwischen dick eingepackten Hobbyfotografen herunter. Schnell packen sie die teure Ausrüstung ein und flüchten in die alte Hütte. Jetzt ist Warten angesagt. Zeit zum Diskutieren und über das eigene Tun zu philosophieren.

«Die einen gehen zum Psychiater, wir fotografieren.»

Remo Schläpfer schwärmt von den gemeinsamen Nächten auf dem Berg mit seinem Cousin. Keine Touristen, kein Licht. Nur die Kamera und die Natur. Unersetzlich seien diese Momente, gar besser als Ferien.

Nicolas Giovanettoni und Remo Schläpfer fotografieren auf dem Hohen Kasten. (Bild: Martin Oswald)

Nicolas Giovanettoni und Remo Schläpfer fotografieren auf dem Hohen Kasten. (Bild: Martin Oswald)

Es gab Phasen, da sei das Fotografieren zur Sucht geworden. Er habe ohne es zu geniessen Hunderte Bilder gemacht, sagt Nicolas Giovanettoni. Heute habe er den Genuss wieder entdeckt. «Manchmal komme ich nach drei Stunden auf dem Berg mit einem einzigen Bild zurück. Aber dieses eine Bild, das ist perfekt.» Remo Schläpfer nickt. Auch er habe einen Reifeprozess durchlaufen. Seine Bilder finden grossen Anklang und das ein oder andere landet auf seinem Instagram-Account. «Aber es ist mir die Zeit nicht wert, dort täglich zu posten und möglichst viele Follower zu gewinnen.» Wenn mal eine Bild in der Zeitung gedruckt werde und er dafür Komplimente bekomme, bedeute ihm das mehr als ein paar Likes.

Manchmal würden sich Firmen melden und Bilder kaufen. Doch Giovanettoni und Schläpfer sind sich - einmal mehr - einig. «Das Fotografieren muss Hobby bleiben, sonst geht die Leidenschaft kaputt.» Die Leidenschaft ist es, die in den Bildern zum Ausdruck kommen soll. Remo Schläpfer versucht zu erklären:

«Der Trick ist, nicht das festhalten zu wollen, was man mit dem Auge sieht, sondern das Gefühl, welches man beim Betrachten der Szenerie verspürt.»

Es ist drei Uhr nachts, der Handywecker klingelt, rasch ziehen sich die beiden an, schnappen ihre Ausrüstung und huschen hinaus ins Dunkel. Doch in dieser Nacht haben sie kein Glück. Der Himmel gibt keinen Blick frei auf die Sterne. «Vielleicht bekommen wir dafür einen schönen Sonnenaufgang zu sehen.» Für eine erleuchtete Alp im Morgenlicht und sanfte Nebelschwaden über den Wäldern verzichten sie gerne auf Schlaf.

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