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16'533 Tiere, 126'172 Seilbahnkilometer und 140 Tonnen Käse: Der Alpstein in Zahlen und Fakten

Wann wurde das erste Bergrestaurant eröffnet? Wie viele Kühe leben im Alpstein? Wie stark bläst der Wind auf dem Säntis? Eine Zusammenstellung.
Text: Tim Naef / Illustrationen: Selina Buess

Topografie: Gipfel, Seen und Gestein

Der Alpstein gehört zum grössten Gebirge Europas, den Alpen, welche sich vom Mittelmeer an der Côte d'Azur bis zum Donaudurchgang bei Wien 1000 Kilometer hinziehen. So klar die Alpen definiert sind, so schwierig ist dies beim Alpstein. Die Frage: «Was gehört alles zum Alpstein?», kann je nach Kriterien unterschiedlich beantwortet werden. Beim Bundesamt für Landestopografie (swisstopo) ist der Alpstein als Massiv erfasst, welches eine Ausdehnung von rund 45 Quadratkilometer hat. Es gibt aber auch Literatur, welche von einer Fläche von 135 km2 ausgeht. Häufig wird darüber gestritten, ob die Voralpen ebenfalls zum Alpstein-Massiv dazugezählt werden dürfen.

Dementsprechend schwierig ist es, sämtliche Gipfel zu bestimmen. Swisstopo hat beispielsweise deren 65 mit Namen erfasst. Richtet man sich aber nach dem Schweizer Alpen-Club (SAC) beherbergt das Alpstein-Massiv 128 Berggipfel, wobei der Säntis (2503 m), der Girenspitz (2448 m) und der Altmann (2436 m) die höchsten Erhebungen sind. Eine Liste sämtlicher Gipfel finden Sie hier.

Und auch mit den Gewässern ist es so eine Sache. Swisstopo hat sieben Seen mit Namen erfasst. Es gibt aber noch weitere. Da der Alpstein ein niederschlagsreiches Gebiet ist, sollte es eigentlich viel fliessendes und stehendes Gewässer haben. Hat es auch, nur sehen wir davon wenig. Das meiste spielt sich unterirdisch ab. Dies hat mit dem Kalk-Untergrund zu tun. Deshalb ist es erstaunlich, dass überhaupt noch oberirdische Bäche und auch Seen existieren. So entwässern beispielsweise der Sämtiser- und Fählensee unterirdisch.


Säntis: Lothar, Frosttage und Sonnenstunden

Seit dem Beginn der Wetteraufzeichnung auf dem Säntis, 1882, wurde so mancher Rekord gemessen: Die Rekordtemperaturen auf dem Säntis waren 20,8 °C im Juli 1983 und minus 32 Grad im Januar 1905. Die grössten Niederschlagsmengen auf dem Säntisgipfel wurden im Juni 1910 mit 183 mm am Tag und im Juli 1991 mit 81,9 mm in einer Stunde gemessen. Die höchste auf dem Gipfel je gemessene Windgeschwindigkeit war 230 km/h und wurde im Jahr 1999 vom Wintersturm «Lothar» verursacht.

Doch nicht nur die Wetterextreme sind auf dem Säntis beeindruckend. So hat Meteoschweiz verschiedene Jahresmittel (von 1981 bis 2010) errechnet: Temperatur: - 1,2 Grad Celsius; 1809 Sonnenstunden pro Jahr; 11,14 Meter Neuschnee und nicht weniger als durchschnittlich 246 Frosttage (Anzahl Tage mit einer Minimaltemperatur kleiner als 0° Celsius).

Nebst Wetterstation, Aussichtspunkt und höchster Berg im Alpstein, ist der Säntis auch ein Tatort: Am 21. Februar 1922 wurde das Wetterwarte-Ehepaar Haas ermordet. Die Tat ging als düsterer Teil in die Geschichte vom Säntis ein und ist bis heute ungelöst.


Tourismus: Berggasthäuser und dreimal um die Erde

Der Alpstein ist wohl die Bergregion mit der dichtesten Restaurantdichte weltweit. Laut Appenzellerland-Tourismus gibt es aktuell
24 Berggasthäuser im Alpstein-Massiv. Nicht mitgezählt: Das Säntis-Hotel auf der Schwägalp und die SAC-Hütte auf dem Zwinglipass.

Wer die Aussicht im Alpstein geniessen will, muss nicht unbedingt Schweiss und Muskelkater in Kauf nehmen. Mit den insgesamt sechs Bergbahnen lässt sich das eigentliche Wandergebiet auch ohne Anstrengung erkunden. Dabei lassen sich die allgemeinen Daten der einzelnen Bahnen einfach auf der entsprechenden Homepage nachlesen. Doch wussten Sie, dass 2018 alle Bergbahnen zusammen mehr als eine Million Besucher transportiert haben; dies in insgesamt 57'014 Einzelfahrten? Dabei haben die Gondeln zusammengerechnet 126'172 Kilometer* zurückgelegt, was einer Strecke von dreimal um die ganze Erde bedeutet.

*insgesamt zurückgelegte Kilometer aller Kabinen im gesamten Alpsteingebiet innerhalb eines Jahres. Beispiel Seilbahn Hoher Kasten: (Länge der Bahn schräg (2,693 km) multipliziert mit allen Fahrten von 2018 (9532 Einzelfahrten)).

Wo viel gewandert und geklettert wird, gibt es leider auch Unfälle. So sind in den vergangenen zehn Jahren 54 Personen im Alpstein-Gebiet verstorben. Davon entfallen 33 durch auf Unfälle (26 Wanderer, 3 Schneeschuhläufer und je ein Kletterer, ein Skitourengänger, ein Gleitschirmflieger und ein Jäger. 21 Menschen kamen durch medizinische Notfälle ums Leben.

Landwirtschaft: Alpen, Kühe und Käse

Der Alpstein, ist Wanderparadies und Naherholungsgebiet, doch in erster Linie ist er landwirtschaftlicher Raum. Auf rund 67 Quadratkilometer erstrecken sich in drei Kantonen 719 Alpen (Appenzell Ausserrhoden: 130, Appenzell Innerrhoden: 168 und St.Gallen: 420), die von insgesamt 389 Betrieben bewirtschaftet werden.

Auf diesen Alpen tummeln sich 4475 Kühe, 6461 Jungvieh, 5597 Kleinvieh, was einem Nutztierbestand von 16'533 entspricht. Dabei ist der Grossteil für die Milchwirtschaft gedacht. Dies stellte die Betriebe vor finanzielle Probleme. Die neue Milchmarktordnung der späteren 2000er verunmöglichte es, auf den Alpen noch kostendeckend Milch zu produzieren.

Dieses Problem führte dazu, dass viele Betriebe wieder auf die Käseproduktion umgestiegen sind, um das Halten von Milchvieh auf den Alpen wieder rentabel zu machen. So werden auf den 719 Alpen im Alpstein jährlich rund 140 Tonnen Käse produziert, wovon allein die Schwägalp einen Anteil von rund 95 Tonnen hat.

Historisches: Steinhäuser, Leitern und Botaniker

Der Säntis gehört zu den schon früh bestiegenen Bergen, unter anderem zur Jagd. Der Benediktiner-Pater Desiderius Wetter berichtet in seiner Chronik, dass am 14. Dezember 1680 zwei Geistliche und ein Naturforscher aus Zürich mit einem Führer aus Innerrhoden auf den Säntis stiegen, um einen Kometen mit Schweif möglichst auf grosser Höhe besichtigen zu können.

1805 wurde der Äscher durch Josef Anton Büchler neu errichtet und es wurden erstmals Gäste bewirtet. Diese stammten meist aus den Kurorten aus der Region. Rund ein halbes Jahrhundert später, 1860, wurde das heutige Gebäude errichtet und in der Folge immer wieder modernisiert und umgebaut.

Am 10. Juli 1825 gelang dem Botaniker Carl Friedrich mit Hilfe zweier Bergführer die erste nachweisbare Besteigung des Altmanns. In seinem Bericht beschreibt Frölich die Wanderung von Weissbad über die Fählenalp bis auf den Gipfel des Altmanns, wobei der Botaniker alle Bergblumen mit ihren lateinischen Bezeichnungen auflistet, die er auf dem Weg gefunden hat.

Eines der ersten Berggasthäuser wurde auf dem Säntis errichtet. 1846 baute Jakob Dörig, «Schribersjock» genannt, ein einfaches Steinhaus, welches nebst Speis und Trank neun Personen in einem Heulager Obdach bot. Rund 20 Jahre später wurde aus dem Stein- ein Holzhaus mit beheizbarer Stube, zwei Schlafzimmern und einem Heulager für 20 Personen. Dies wurde nötig, da die Nachfrage für eine Unterkunft auf dem Säntis immer weiter stieg. Im Jahr 1875 beherbergte die Unterkunft bereits 2800 Bergsteiger.

1904 fand, mit dem Erklimmen des sechsten Kreuzberges, die letzte Erstbesteigung im Alpstein statt. Ein Jahr zuvor wurde der fünfte Kreuzberg nur mithilfe einer 10 Meter langen Leiter bezwungen.


Quellen: Swisstopo, MeteoSchweiz, Buch: "Der Alpstein, Natur und Kultur im Säntisgebiet", Appenzell-Tourismus, Bergnotfallstatistik, eigene Recherche.

Die komplette Grafik zum Download

Zahlen und Fakten zum Alpstein.pdf

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