«Habe noch nie Steinböcke in einer solchen Panik gesehen» – Bergwirte begrüssen das Drohnenverbot im Alpstein

Die Innerrhoder Regierung will Drohnenflüge im Alpstein ab nächster Wandersaison verbieten. Die Aescher-Wirte freut diese Absicht. Auf dem Rotsteinpass ist der Bergwirt nach einer Panikattacke von Steinböcken besonders sensibilisiert auf dieses Thema.

Valentina Thurnherr und Christa Kamm-Sager
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Drohnen sind eine panikauslösende Bedrohung für Steinwild. (Bild: Benjamin Manser)

Drohnen sind eine panikauslösende Bedrohung für Steinwild. (Bild: Benjamin Manser)

Rotsteinpass-Bergwirt Albert Wyss hatte vor einem Jahr ein Erlebnis mit einer Drohne, das er nicht mehr vergessen kann. «Ich bin noch nie in meinem Leben so wütend geworden», sagt der Mann, der schon seit 30 Jahren auf dem Rotsteinpass wirtet. Es kam so: «Ich habe aus dem Fenster geschaut und eine Drohne fliegen sehen.» In der Folge sei bei der Geröllhalde eine Steinbockherde in grösster Panik weggerannt.

«Ich habe nicht gewusst, dass Steinböcke in eine derartige Panik geraten können und habe das noch nie vorher gesehen.»

Es sei reines Glück, dass keines der Tiere abgestürzt sei. Selbst wenn ein Helikopter lande, blieben die Steinböcke gelassen. Aber eine Drohne sei für sie Bedrohung pur. Der Grund: «Steinwild hat nur Feinde aus der Luft wie etwa der Adler.»

Seither spreche er jeden Wanderer an, der eine Drohne bei sich habe. «Ich finde Drohnen ein glattes Instrument, es gibt tolle Bilder damit, die mich auch freuen. Aber für die Tiere hier oben sind sie die grösste Bedrohung», so Wyss. Er begrüsse es ganz klar, dass nun ein Drohnenflugverbot im Innerrhoder Alpsteingebiet eingeführt werden soll.

«Die Leute sind respektlos»

In den vergangenen Jahren hatten die Pächter des Aeschers immer wieder mit dreisten Drohnenpiloten zu kämpfen. Auch die neuen Wirte wurden in diesem Sommer von der Plage heimgesucht. «Teilweise flogen die Drohnen bereits um halb sechs Uhr morgens über die Terrasse», sagt Melanie Gmünder, Betriebsleiterin des Aeschers. «Diese Leute sind einfach respektlos und wissen teilweise nicht mal, wie mit den Fluggeräten richtig umzugehen ist .»

Dass die Innerrhoder Regierung nun gegen die Drohnen-Belästigung vorgehen will, freut Gmünder sehr.

«Das ist grossartig, dass endlich etwas geht. Denn hätte die Regierung nichts unternommen, hätten wir selber die Initiative ergriffen.»

Ende Saison treffen sich alle Berggastwirte jeweils, einerseits um sich wieder zu sehen, andererseits um mögliche Probleme zu besprechen. «Hätte die Regierung nicht gehandelt, hätten wir zusammen mit den anderen Wirten einen Plan ausgearbeitet», sagt Gmünder. «Jetzt bin ich aber total glücklich.»

Dass Drohnen weiterhin mit Sonderbewilligung über dem Alpstein fliegen dürfen, damit hat Gmünder kein Problem. «Werden die Drohnen von Profis geflogen, wie zum Beispiel den Medien, stört es mich nicht weiter. Die sind immer respektvoll und fragen an, ob sie über das Gasthaus fliegen dürfen. Dem habe ich immer zugestimmt.» Zudem seien sie auch nicht mit einem Abstand von nur fünf Metern über die Terrasse geflogen.

Gäste fühlen sich in Privatsphäre gestört

Der Aescher war nicht das einzige Berggasthaus, dass von Drohnen gestört wurde. Auch auf der Meglisalp hatten die Betreiber des Berggasthauses öfters mit den Störenfrieden zu tun. «Bei uns war es nicht ganz so ausgeprägt wie beim Aescher», sagt Sepp Manser, Inhaber des Berggasthauses Meglisalp. «Dennoch sind im vergangenen Sommer, vier-, fünfmal Drohnen über das Gasthaus geflogen und jedes Mal haben sich unsere Gäste darüber beklagt.» Sie hätten sich besonders in ihrer Privatsphäre gestört gefühlt.

«Und die Piloten sieht man nirgends, entsprechend kann man sie nicht darauf aufmerksam machen, dass es nicht gerade erquickend ist, wenn sie direkt über die Gartenwirtschaft fliegen.»

Das sei aber nur ein Aspekt des Problems. «Ein anderer ist, dass die Piloten mit ihren Drohnen das Wild beobachten wollen. Auch er hat schon beobachten müssen, wie die Tiere panisch vor den Flugobjekten geflüchtet sind. Ihn selber als Naturliebhaber habe das extrem gestört. Entsprechend heisst er das Vorgehen der Innerrhoder Regierung gut.

«Das Verbot lässt die nötigen Ausnahmen zu. Darum finde ich es sehr gut, wenn es durchgesetzt wird.»