Alpenrhein: Bevölkerung will Natur zu ihrem Recht verhelfen

WIDNAU. Die Mehrheit der Bevölkerung trägt – im Gegensatz zu den Gemeinden – die naturnahe Sanierung des Alpenrhein mit, auch wenn diese im Konflikt mit der Landwirtschaft und der Grundwasserversorgung steht. Zu diesem Schluss kommt eine repräsentative Umfrage der Plattform «Lebendiger Alpenrhein».

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Blick von der Siedlung Tuass oberhalb Triesen im Fuerstentum Liechtenstein auf den Alpenrhein. (Bild: Keystone)

Blick von der Siedlung Tuass oberhalb Triesen im Fuerstentum Liechtenstein auf den Alpenrhein. (Bild: Keystone)

Auf beiden Seiten des Alpenrheins wünsche sich die Bevölkerung eine raschere Umsetzung der im Entwicklungskonzept geforderten Massnahmen für mehr Natur und Sicherheit, heisst es in der Mitteilung zur Meinungsumfrage zum Projekt «Rhesi» vom Dienstag. Die Plattform «Lebendiger Alpenrhein» der Umweltverbände aus der Schweiz und aus Vorarlberg befragte 424 Personen.
«Rhesi» (Rhein, Erholung, Sicherheit) hat die Verbesserung des Hochwasserschutzes für alle Menschen zum Ziel, die am Rhein und im Überflutungsraum des Flusses leben. Das Projektgebiet erstreckt sich über 65 Kilometer von der Illmündung bis zur Bodenseemündung.

Projekt «Rhesi» blockiert
Basis von «Rhesi» ist das Entwicklungskonzept Alpenrhein aus dem Jahr 2005, das von der Regierungskommission Alpenrhein (IRKA) und der Internationale Rheinregulierung (IRR) entwickelt wurde. Darin wurden verschiedene Fachgebiete, zum Beispiel Hochwasserschutz, Grundwasser und Gewässerökologie, analysiert, und es wurde ein Massnahmenkonzept mit Handlungsempfehlungen entwickelt.
In den letzten zehn Jahren sei keine der rund 19 vorgezeichneten Rhein-Aufwertungen umgesetzt worden, sagte Lukas Indermaur vom WWF. Zudem sei das Projekt «Rhesi» seit zwei Jahren wegen Nutzungskonflikten in der Landwirtschaft und beim Grundwasser blockiert.

Die Umfrage-Ergebnisse zeigten, dass die Mehrheit der Bevölkerung die Ängste der Gemeinden nicht teilt. So finde eine klare Mehrheit (74 Prozent), dass Trinkwasser-Brunnen bei nachweislicher Sicherstellung der Versorgung verlegt werden können. 64 Prozent der Befragten stimmten zu, dass verpachtete Landwirtschaftsflächen dem Rhein zugestanden werden können, heisst es weiter.

Generationen-Projekt
68 Prozent der Befragten bevorzugten die naturnahe Sanierungs-Variante des Alpenrheins. Der Bevölkerung und der Natur müsse zu ihrem Recht verholfen werden, sagte SP-Nationalrätin Claudia Friedl an die Adresse der Entscheidungsträger. Rhesi sei ein Generationenprojekt, da sei nur das beste gut genug.
Bei der Hochwassergefahr klaffen die Meinungen der Experten und der Bevölkerung gemäss Umfrage am stärksten auseinander: Während 71 Prozent der befragten Personen in der Schweiz und in Vorarlberg der Meinung sind, dass die Hochwasser-Sicherheit heute gewährleistet sei, müsse diese gemäss Experten dringend verbessert werden.

Hochwassersicher und naturnah
Heute sei der Hochwasserschutz am Alpenrhein − zumindest von der Ill abwärts − nicht mehr gewährleistet, sagte Rainer Siegele, Bürgermeister der Vorarlberger Gemeinde Mäder. Mit dem Projekt «Rhesi» könne der Rhein wieder hochwassersicher und gleichzeitig naturnah werden.

Die Baukosten für das Projekt «Rhesi» werden grob auf 600 Millionen Franken inklusive Instandhaltungskosten geschätzt. Der Baubeginn war einmal für 2017 geplant. Die Baudauer wird auf 20 Jahre geschätzt. (sda)

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