Glosse
Alles wird wieder gut

Mosttröpfli: Die Thurgauer Politik tritt von einem Fettnapf in den nächsten. Was tun?

Christian Kamm
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Christian Kamm (Bild: Urs Jaudas)

Christian Kamm (Bild: Urs Jaudas)

Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht. Aber ich zum Beispiel, ich beginne mir langsam Sorgen um die Thurgauer Politik zu machen. Die Damen und Herren im Regierungsgebäude treten von einem Fettnapf in den nächsten. Kunstmuseum in den Sand gesetzt, dann das ganze Schlamassel mit Hefenhofen. Und kaum ist das einigermassen ausgestanden, wird in der Pädagogischen Hochschule, auf die der Kanton doch so stolz ist, gestritten, was das Zeug hält. O Thurgau, wo bleibt dein sonniger Glanz?

Immerhin: Rettung scheint nah. Und das ausgerechnet vom anderen Ufer. Man muss nur genau hinschauen – über den See hinweg zum grossen Nachbarn im Norden. Dort zeigen die Deutschen momentan, wie Politik eigentlich geht. Nämlich: Richtige Kommunikation ist alles.

So heisst in deutschen Landen ein Familiengesetz der Regierung unterdessen nicht einfach nur banal und uninspiriert Familiengesetz. Nein, es heisst jetzt das «Starke-Familien-Gesetz». Spüren Sie den Unterschied? Macht es klick? Merken Sie, welch ungeheures Potenzial in diesem kleinen, aber feinen Unterschied auch für eine endlich wieder gelingende Thurgauer Kantonspolitik steckt?

Wie soll etwa der ansonsten ewig stänkernde Grosse Rat einem «Schlaue-Kinder-Bildungsgesetz» widerstehen können? Kann er nicht. Jede Wette auch: Das «Hoch-hinaus-Baugesetz», das «Hohe-Hürden-Einbürgerungsgesetz», oder ein «Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn-Abfallgesetz» würden den Grossen Rat im Sturm erobern. Pannenfrei. Dann kann es wieder heissen: «O Thurgau, du Heimat, wie bist du so hold.» Und alles ist gut