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Alles, was Sie über den Weinbau in der Ostschweiz wissen müssen

Der Weinkanton St. Gallen zeigt in einer Sonderschau, was in ihm steckt. Ein Blick auf Rebflächen, Rebsorten und was es mit dem «Traubenkocher» auf sich hat.
Regula Weik, Natascha Arsic, Christoph Zweili

Berneck hat die meisten Weinberge

Der Kanton St.Gallen gehört heute mit 212 Hektaren Rebfläche zu den kleinen Weinbaukantonen der Schweiz (im Vergleich: Wallis 484; Waadt 378). Davon entfallen 70 Prozent auf rote Traubensorten, 30 Prozent auf weisse. Mit rund 40 Hektaren besitzt die Rheintaler Gemeinde Berneck die meisten Weinberge des Kantons. Die kleinste Rebbaugemeinde ist Berg mit nur 1700 Quadratmetern und 800 Rebstöcken.

Traubenlese in einem Rebberg in Berneck. (Bild: Hannes Thalmann

Traubenlese in einem Rebberg in Berneck. (Bild: Hannes Thalmann

In der Ostschweiz weisen auch die Kantone Schaffhausen mit 481 Hektaren, Graubünden mit 421 und der Thurgau mit 254 mehr Rebfläche aus als St.Gallen. Im Thurgau sind 65 Prozent rote Sorten, 35 Prozent weisse. Der Kanton St.Gallen ist in vier Produktionsgebiete entlang der grossen Gewässer aufgeteilt: Das St. Galler Rheintal (Bodensee und Rhein) und das Sarganserland (Seez und Walensee) profitieren vom milden Klima und vom Föhn, dem «Traubenkocher». Die Region am oberen Zürichsee und die Region Wil-Bronschhofen (Thur) sind deutlich kleiner; Jona war allerdings vor 100 Jahren noch die grösste Weinbaugemeinde im Kanton.

Der Thurgau ist in sechs Regionen unterteilt: Lauchetal (das kleinste Produktionsgebiet), Oberes Thurtal, Rhein, Seebachtal, Unteres Thurtal – mit 114 Hektaren die grösste Anbaufläche im Thurgau – und Untersee. Üsslingen ist mit 51 Hektaren die grösste Thurgauer Rebbaugemeinde.


Feine und saure Böden

Die Bodenverhältnisse in den St.Galler Rebbergen reichen von feinem, nährstoffreichen Molasseboden mit Mergel, Sandstein und Nagelfluh (Thal), über saure, tiefgründige Braunerdeböden (Pfauenhalde, Berneck) bis zu Löss-Böden (Wartau) und durchlässige, kalkreiche Böden (Sargans), aus denen markante, körperreiche Weine entstehen. Im Süden sind tiefgründige, humus- und nährstoffreiche Kalkböden (Walenstadt) oder nährstoffreiche Moräneböden (Rapperswil) zu finden. Im Thurgau gedeihen die Reben auf sandig-lehmigen Böden, teilweise mit Kalkeinschüssen, bis hin zu tiefgründigen Möranen- und Schiefer- böden.


Müller-Thurgau-Trauben am Iselisberg in Uesslingen. (Bild: Reto Martin)

Müller-Thurgau-Trauben am Iselisberg in Uesslingen. (Bild: Reto Martin)

11 Prozent Müller-Thurgau

Die wichtigsten weissen Rebsorten im Kanton St.Gallen sind Müller-Thurgau mit 23 Hektaren Rebfläche und 11 Prozent Anteil an der Gesamtmenge, gefolgt von Chardonnay (10; 4,7), Sauvignon blanc (8; 3,8), dem pilzresistenten Johanniter (7; 3,1) und Pinot gris (weiss, 4; 1,9). Im Thurgau werden Müller-Thurgau angebaut (59 Hektaren; 23,2 Prozent), Pinot gris (5; 2,1), Sauvignon blanc (5, 2); Chardonnay (4; 1,2) und Solaris (3; 1,1).


Die Konkurrenz aus dem Süden

Kaum eine Kulturpflanze ist so vielseitig bedroht wie die Rebe. Krankheiten wie der Mehltau (echter und falscher), die Reblaus, die Kirschessigfliege und das Wetter können eine Ernte schmälern oder gar vernichten. So resultierte 2017 im Kanton St.Gallen die kleinste Traubenernte der vergangenen 37 Jahre. Letztmals waren im Jahre 1981, dem letzten starken Frostjahr, derart wenige Trauben aus den St.Galler Rebbergen geerntet worden.

Von Mehltau befallene Trauben. (Bild: Keystone)

Von Mehltau befallene Trauben. (Bild: Keystone)

Historisch gesehen erhielten die Rebgemeinden aber den «Todesstoss» durch das Aufkommen der Eisenbahn: Aus dem Süden wurde besserer und billiger (Rot-)Wein eingeführt. Kurz nach 1900 reduzierte sich die Rebfläche in der Ostschweiz auf einen Fünftel des ursprünglichen Bestandes.


400 Rebbauern pflegen 1,2 Millionen Rebstöcke

400 Rebbäuerinnen und Rebbauern pflegen in 33 Gemeinden im Kanton St.Gallen 1,2 Millionen Rebstöcke. Insgesamt gibt es im Kanton laut dem Branchenverband St.Galler Wein 32 Winzerbetriebe – 9 sind Traubenproduzenten mit Weinverkauf, der Rest sind Selbstkelterungsbetriebe. Viele Nebenerwerbs- und Hobby-Rebbauern bewirtschaften zum Teil auch unrentable Parzellen und tragen so zum Landschaftsbild bei. Im Sarganserland ist der Anteil der Bioproduktion mit geschätzten 18 Prozent am höchsten, kantonsweit liegt er bei 4 Prozent. Im Thurgau gibt es 133 Weinbaubetriebe.


Blauburgunder auf Platz 1

Die wichtigsten Rebsorten im Kanton St.Gallen sind: Blauburgunder (125 Hektaren Anbaufläche, 58,9 Prozent Anteil an der Gesamtmenge), Merlot (4; 1,9), Zweigelt (3; 1,3), Diolinoir (3, 1,2) und Gamaret (rot, 2; 1). Im Thurgau sind es Pinot Noir (130 Hektaren; 51,1 Anteil an der Gesamtmenge), Garanoir (5; 1,8), Regent (4; 2), Cabernet Jura (4; 1,5) und Leon Millot (3; 1,2).

Blauburgunder-Trauben am Iselisberg in Uesslingen. (Bild: Reto Martin)

Blauburgunder-Trauben am Iselisberg in Uesslingen. (Bild: Reto Martin)


Einst grössere Rebfläche als in der Westschweiz

Funde in römischen Ausgrabungsstätten weisen darauf hin, dass in der Ostschweiz schon vor 2000 Jahren Weinbau betrieben worden ist. Noch vor 150 Jahren wurden in der Ostschweiz auf annähernd 13'000 Hektaren Wein angebaut, damit war die Rebfläche hier grösser als in der Westschweiz. Angebaut wurden 146 Sorten. Bis 1992 bestand ein sehr enges Sortenkorsett: Im Kanton St.Gallen wurde nur noch eine Handvoll Traubensorten angebaut. Als der Bund dann neue Sorten zuliess, nutzten viele Winzer diese Chance.

Heute gedeihen wieder über 40 Sorten (davon 30 reine) in den Weinbergen. Die Ostschweiz gilt weinmässig noch immer als «Cool Climate»-Gebiet, obwohl die Weine im Zuge der Klima­erwärmung konzentrierter und fülliger ausfallen. Viele Weinberge profitieren von der ausgleichenden Wirkung von Seen und Flüssen. Eine wichtige Rolle spielt in gewissen Regionen auch der Föhn.

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