Alles nur ein Freud’scher

Scharfgezeichnet

Odilia Hiller
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ST.GALLEN 18.10.2016 Vadian-Denkmal auf dem Marktplatz in St.Gallen. © Samuel Schalch / TAGBLATT (Bild: Samuel Schalch (Samuel Schalch))

ST.GALLEN 18.10.2016 Vadian-Denkmal auf dem Marktplatz in St.Gallen. © Samuel Schalch / TAGBLATT (Bild: Samuel Schalch (Samuel Schalch))

Muffel, Miesepeter, Murrkopf. Nieselprim, Knasterer, Krauterer, Stoffel. Brummbart, Brummbär, Griesgram, Trauerkloss, Schwarzmaler, Sauertopf. All diese Ausdrücke nennt Woxikon.de als Synonyme für den Begriff «Fadian». Fadian, so lautet seit dieser Woche auch das Motto für das Kinderfest 2018 der Stadt St.Gallen.

Man hat es bildlich vor sich: Eifrig beugen sich die Verantwortlichen der Stadt über Vorschläge für ein originelles Thema des Events, der die Kantonshauptstadt alle drei Jahre in den Ausnahmezustand versetzt. Und sie merken: 2018 gibt es noch mehr zu feiern! Just vor 500 Jahren verlegte Reformator Vadian seinen Lebensmittelpunkt nach St.Gallen, um der Stadt beizubringen, dass die katholische Kirche mit etwas zu wenig Fadheit gesegnet war.

Ein hübsches Wortspiel kommt der inspirierten Runde da wie gerufen. Aus Vadian und Faden mach’ ...Fadian! Denn auch die St.Galler Textiltradition, seit ein paar Jahren wieder schaurig hip, will ausgiebig gewürdigt sein.

Wie raffiniert. Die Schnitzelbänkler werden sich die unfreiwillige Komik an der Fasnacht auf der Zunge zergehen lassen. Die guten St.Galler. Sie geben sich so viel Mühe, nicht immer als fad, brötig und schmörzelig wahrgenommen zu werden. Sie werden sich wegen ihres Kalauers einiges gefallen lassen müssen. Gedanken etwa zur Beziehung zwischen Fadian und Föbü. Oder dazu, was Sigmund Freud mit solchen Pannen zu tun haben könnte.

Odilia Hiller

odilia.hiller@ostschweiz

-am-

sonntag.ch