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ALKOHOL: Pegelstand im Gummiboot

Der Promillegrenzwert für Gummiböötler soll aufgehoben werden. So will es der Bund. Doch auf dem Bodensee und dem Rhein gibt es damit keinen Freipass für uferloses Trinken – hier gilt ein anderes Gesetz.
Sebastian Keller

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch

«Vorschriften zu Promillegrenze auf Schiffen: Keine Anwendung für Gummiboote». Manch ein Hobbykapitän dürfte ob dieser Ankündigung des Bundesamtes für Verkehr (BAV) die Korken knallen lassen. Mit einer Änderung der Binnenschifffahrtsverordnung schlägt das BAV vor, kleine Schiffe von der Promillegrenze auszunehmen: Strandboote, Paddelboote, Windsurf- und Kiteboards sowie nicht motorisierte Gummiboote. Das Bundesamt begründet in einer Mitteilung, dass von diesen Wasserfahrzeugen eine geringere Gefährdung ausgehe als von motorisierten Booten. Zudem sei ein konsequenter Vollzug in diesem Bereich «kaum möglich». Seit 2014 gilt: Mehr als 0,5 Promille Alkohol darf ein Führer eines Kleinbootes nicht im Blut haben.

Wer sich mit einem Gummiboot auf dem Bodensee oder den Rhein begibt, sollte aber auch künftig auf uferloses Trinken verzichten. BAV-Sprecherin Olivia Ebinger sagt auf Anfrage: «Für den Bodensee und den Rhein gibt es im Geltungsbereich der Bodensee-Schifffahrts-Ordnung keine Änderung.» Das heisst: Auf diesen internationalen Gewässern gilt weiterhin der Promillegrenzwert von 0,8. Diesen haben die Anrainerstaaten Deutschland, Österreich und die Schweiz festgelegt. Damit ist aktuell etwas mehr Spielraum beim feucht-fröhlichen Böötlen vorhanden als auf Binnengewässern.

Matthias Graf, Sprecher der Kantonspolizei Thurgau, bestätigt, dass sich auf dem Bodensee und Rhein nichts ändern soll. Die gelockerte Bestimmung findet aber – so sie denn definitiv verankert wird – auf anderen Binnengewässern wie Thur und Sitter Anwendung. Die Polizei appelliert an die Eigenverantwortung der Benutzer. «Man muss sich selber einschätzen können.» Graf erinnert daran, dass gerade auch auf der Thur gefährliche Situationen entstehen können. Die Thur ist ein Wildbach. Ein klarer Kopf auf dem Wasser sei daher auf jeden Fall ratsam. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung empfiehlt in einem Merkblatt, das auch die Kantonspolizei auf ihrer Webseite publiziert hat: «Fahren Sie nur, wenn Sie gesund und fit sind, und verzichten Sie auf Alkohol und Drogen.» Erich Hefti begrüsst es, dass auf dem Bodensee die Promillegrenze weiterhin auch für Gummibootführer gilt. Der Oberkapitän der Schweizerischen Bodensee Schifffahrtsgesellschaft (SBS) sagt: «Mit Alkohol wird man schnell übermütig und geht eher ein Risiko ein.» Auch wenn er betont, dass es – «zum Glück» – selten zu gefährlichen Situationen zwischen Kursschiffen und anderen Seenutzern komme.

Lebensretter und Blaukreuzler sind dagegen

Gegen die Aufhebung der Promillegrenze für Gummibootkapitäne auf Binnengewässern schwimmen bereits verschiedene Organisation an: so etwa die Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft oder das Blaue Kreuz. Letztere befürchtet einen Anstieg der Todesopfer auf Schweizer Seen und Flüssen. Der Bund hat am 10. April die informelle Vorkonsultation bei Kantonen, Parteien und Schifffahrtsunternehmen eröffnet. Die gelockerte Promille-Regelung soll voraussichtlich ab 2020 gelten.

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