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AKTION: Fragwürdige Postkarte verkündet Islamisierung

Rund um den Zürichsee wurden gestern Postkarten verteilt, die eine baldige Übermacht von Muslimen verkünden. Die betroffenen Gemeinden vermuten eine Hetzkampagne. Die Polizei sucht nach den Drahtziehern.
Die Postkarten, die in der Region Zürichsee verteilt wurden. (Bild: PD)

Die Postkarten, die in der Region Zürichsee verteilt wurden. (Bild: PD)

Einige Bewohner rund um den Zürichsee erhielten gestern merkwürdige Post: eine Karte, auf der die baldige Islamisierung ihrer Gemeinde verkündet wird. Unterschrieben waren die Postkarten von einem angeblichen islamischen Zentralrat der jeweiligen Kommune. Die Postkarte löste Unbehagen aus. Ein Lachner schrieb, er empfände die Postkarte als indirekte Drohung. Eine Frau aus Herrliberg nennt sie eine «absolute Frechheit».

Es gibt Zweifel an der Authentizität der Karten. Sie stammen wahrscheinlich eher nicht aus muslimischen Kreisen, so der Tenor. Der Gemeindeschreiber von Eschenbach spricht von einem bösartigen Scherz und einer Hetzkampagne. «Wir verurteilen diese Aktion aufs Schärfste», erklärt Thomas Elser. Einen «Islamischen Zentralrat Eschenbach» gebe es seines Wissens nicht. Mit der muslimischen Bevölkerung habe es in Eschenbach noch nie Probleme gegeben.

Den Zentralrat anschwärzen

Noch ist unklar, wer hinter der Aktion steckt. Auf den Postkarten ist eine Mailadresse angegeben, doch auf Anfrage hat sich bis Redaktionsschluss niemand gemeldet. Der Name des angeblichen Absenders der Postkarte, der sogenannte «Islamische Zentralrat», spielt auf die bekannte Organisation «Islamischer Zentralrat Schweiz» (IZRS) an. Doch der Verein habe nichts mit der Aktion zu tun, erklärt Generalsekretärin Ferah Ulucay. «Da steckt wahrscheinlich ein übereifriger Patriot dahinter, der seine Landsleute vor einer nicht existenten Gefahr warnen wollte.» Es gehe hier nur um Stimmungsmacherei, die vom IZRS verurteilt werde. Anderseits müsse das Ganze auch mit Humor genommen werden. Schliesslich sei das auf den Postkarten ausgemalte Szenario fernab der Realität.

Auch die tunesisch-schweizerische Islamexpertin Saïda Keller-Messahli ist überzeugt, dass die Absender auf den IZRS abzielten. Jemand wolle wohl den Leuten Angst vor der Organisation machen. Aus welcher Ecke die Drahtzieher stammten, könne sie nicht einschätzen. «Es kann ein Einzeltäter sein, der so seine Angst loswerden wollte.» Genauso gut könne die Täterschaft aber aus der rechtsextremen Ecke stammen. Keller-Messahli glaubt nicht, dass in dieser Art und Weise Angst verbreitet werden kann. «Die Strategie ist recht durchsichtig», meint sie. Damit spricht Keller-Messahli auch die Machart der Postkarten an. Für jede Gemeinde wurde ein Ortsbild mit Wappen und Minarett verziert. Das Gebäude scheint zur Mahmud-Moschee in Zürich zu gehören.

Auch im Briefkasten der Gemeinde Herrliberg landete eine Postkarte. Dies weckt sofort Assoziationen mit der SVP, da dort Chefstratege Christoph Blocher wohnt. Auch das Design erinnert an andere Kampagnen der Partei. Keller-Messahli spekuliert, dass möglicherweise die SVP hinter der Aktion stecken könnte.

Die Kantonspolizeien der drei betroffenen Kantone haben Ermittlungen aufgenommen. Ob die Verteilaktion gegen ein Strafgesetz verstösst, entscheidet die Staatsanwaltschaft.

Olivia Tjon-A-Meeuw

ostschweiz@tagblatt.ch

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