Agglomerationsprogramm St.Gallen-Bodensee
Ein verschobener Bahnhof, ausgebaute Bahnhofplätze, Velo-Schnellrouten: Wie die Regio St.Gallen-Bodensee ihre Zukunft sieht

80 Massnahmen mit einem Volumen von 130 Millionen Franken will die Agglomeration St.Gallen-Bodensee im Rahmen ihres Programms der 4.Generation von 2024 bis 2028 umsetzen. Eines der Schlüsselprojekte ist die Versetzung des Bahnhofs Bruggen Richtung Haggen. Am Freitag schickte sie das Programm zur Prüfung nach Bundesbern. Erwartet wird der Prüfbericht im Frühling 2023.

Christoph Zweili
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Der Bahnhof Bruggen wird im Rahmen des Agglomerationsprogramms der 4.Generation Richtung Haggen versetzt.

Der Bahnhof Bruggen wird im Rahmen des Agglomerationsprogramms der 4.Generation Richtung Haggen versetzt.

Bild: Michel Canonica

Die Verschiebung des Bahnhofs Bruggen auf die Höhe des Bahnhofs Haggen, neue Bahnhofplätze in Gossau und Wittenbach und zwei Veloschnellrouten von St.Gallen-Zentrum in den Westen der Stadt und nach Teufen: Die Träger des Agglomerationsprogramms St.Gallen-Bodensee, die Kantone St.Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Thurgau, sowie 30 Agglomerationsgemeinden, darunter neu auch Berg, Untereggen und Eggersriet, wollen mit dem Programm der 4.Generation - ein freiwilliges Planungsinstrument auf regionales Basis - nahtlos an die erfolgreichen Vorgänger-Programme anknüpfen.

Maria Pappa, St.Galler Stadtpräsidentin.

Maria Pappa, St.Galler Stadtpräsidentin.

Bild: Tobias Garcia

Die Grundmotivation für diese Zukunftsbilder der Region bleibe bestehen, sagte die St.Galler Stadtpräsidentin Maria Pappa, Vorsitzende des Lenkungsausschusses des Agglomerationsprogramms, in der Empa:

«Die Weiterentwicklung und Stärkung der Agglomerationsräume – mit einer kompakten Siedlungsstruktur, qualitätsvollen Frei- und Grünräumen sowie einer clever organisierten Mobilität.»

In der jüngsten Generation würden daher keine neuen Schwerpunkte gesetzt, sondern die Stossrichtungen aus der 3.Generation konsequent weitergeführt. Dazu zählen:

  • das Wachstum in den Agglomerationszentren auf die Bahnhofsgebiete konzentrieren;
  • das Bahn- und Busangebot optimieren;
  • die Bahnhöfe zu attraktiven Umsteigeorten entwickeln und den Zugang zur Bahn verbessern;
  • den Fuss- und Veloverkehr fördern;
  • die Naherholungsgebiete und Freiräume aufwerten und attraktiver gestalten.

Lerchenfeld wird zu «zentralem Entwicklungsgebiet»

Regierungsrätin Susanne Hartmann.

Regierungsrätin Susanne Hartmann.

Bild: Benjamin Manser

Der Ort für die Präsentation des jüngsten Agglomerationsprogramms war bewusst gewählt: Es setzt einen wichtigen Impuls für die Entwicklung des Gebiets Lerchenfeld. Für die St.Galler Bauchefin Susanne Hartmann «ist das Lerchenfeld als Standort der Empa und des künftigen Innovationsparks Ost eines der zentralen Entwicklungsgebiete für die Stadt und den Kanton St.Gallen». Der neue Bahnhof Bruggen erhält optimale Zugänge und verbessert dadurch auch die Verbindung der nördlich und südlich gelegenen Quartiere.

Post für Bundesbern auf dem Empa-Dach: Gabriel Macedo, Präsident Agglo-Kommission Amriswil-Romanshorn; Maria Pappa, St.Galler Stadtpräsidentin; Leila Hauri, Geschäftsleiterin Regio Appenzell AR-St.Gallen-Bodensee; Susanne Hartmann, Bauchefin Kanton St.Gallen; und Dölf Biasotto, Regierungsrat Appenzell Ausserrhoden.

Post für Bundesbern auf dem Empa-Dach: Gabriel Macedo, Präsident Agglo-Kommission Amriswil-Romanshorn; Maria Pappa, St.Galler Stadtpräsidentin; Leila Hauri, Geschäftsleiterin Regio Appenzell AR-St.Gallen-Bodensee; Susanne Hartmann, Bauchefin Kanton St.Gallen; und Dölf Biasotto, Regierungsrat Appenzell Ausserrhoden.

Bild: Christoph Zweili

Zu den wichtigsten Massnahmen der 4.Generation zählen weiter:

  • In Goldach, Rorschach, St.Gallen, St.Fiden und Winkeln werden wichtige Arealentwicklungen weiter vorangetrieben. Sie sind zentrale Bausteine für die Siedlungsentwicklung nach innen;
  • Die Bahnhofplätze in Gossau und Wittenbach werden zu attraktiven Verkehrsdrehscheiben und Eingangstoren zu den Städten umgebaut. Dazu werden auch die Bushöfe neu gestaltet. Am Bahnhof Gossau wird eine zweite Personenunterführung erstellt;
  • In Arbon, Flawil, Gossau und St.Gallen werden wichtige innerstädtische Frei- und Grünräume aufgewertet und so zu attraktiven Erholungsorten umgestaltet;
  • In der Stadt St.Gallen wird das Busnetz weiter elektrifiziert;
  • Eine neue Parkierungsstrategie für Zentrums- und Agglomerationsgemeinden sorgt für mehr Effizienz im Verkehrssystem;
  • Im Velonetz werden regionale Veloschnellverbindungen gestärkt. Dazu werden zwischen Teufen und der Stadt St.Gallen und zwischen dem Stadtzentrum und dem Westen von St.Gallen neue Verbindungen gebaut. Netz- und Sicherheitslücken im Fuss- und Velowegnetz werden behoben und dadurch wird ein direktes und sicheres Netz in der gesamten Agglomeration geschaffen.

Das jüngste Programm – ein 130-Millionen-Paket

Mit 130 Millionen Franken für die über 80 Massnahmen, davon 100 Millionen im Kanton St.Gallen, ist das am Freitag vorgestellte Bündel bescheidener geschnürt als auch schon: Viele Massnahmen aus den früheren Programmgenerationen werden derzeit noch umgesetzt, vor allem aus der 3.Generation, die noch bis 2023 dauert - mit 380 Millionen Franken das bisher grösste Paket. An den Programmen 1 und 2 hatte sich der Bund aufgrund der hohen Wirksamkeit und dem guten Kosten-Nutzen-Verhältnis mit 40 Prozent beteiligt, ein schweizweiter Spitzenwert. Beim 380-Millionen-Paket waren es aufgrund des Gesamtumfangs noch 35 Prozent. Nun hofft die Agglomeration, dass sie die 40-Prozent-Hürde noch einmal schafft. Der Umfang der übrigen Agglomerationsprogramme ist wesentlich geringer.

Das Agglomerationsprogramm der 4.Generation wird nun durch das Bundesamt für Raumentwicklung geprüft - der Prüfbericht soll im Frühling 2023 vorliegen.

Mit den ersten zwei Programmen wurden Projekte wie die S-Bahn St.Gallen, die Durchmesserlinie der Appenzeller Bahnen, die Entlastungsstrasse in Arbon oder wichtige Massnahmen rund um die Bahnhöfe Rorschach, Goldach sowie eine Vielzahl von Massnahmen zu Gunsten des Fuss- und Veloverkehrs umgesetzt. In der 3.Generation werden Infrastrukturmassnahmen wie der A1-Anschluss in Witen oder die Bushöfe in Amriswil, Flawil und Herisau realisiert und damit wichtige Impulse für die Siedlungsentwicklung nach innen geleistet.