ÄRZTEMANGEL: Parlament gibt grünes Licht für Medizinstudium

Das geplante St. Galler Medizinstudium hat eine weitere Hürde genommen: Der Kantonsrat hat der Vorlage zugestimmt. Die CVP warnte, das Projekt dürfe nicht zu Lasten bestehender HSG-Institute gehen.

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Am St. Galler Medical Master sind das Kantonsspital und weitere Ostschweizer Spitäler beteiligt. (Bild: Ralph Ribi (St. Gallen 30. März 2015))

Am St. Galler Medical Master sind das Kantonsspital und weitere Ostschweizer Spitäler beteiligt. (Bild: Ralph Ribi (St. Gallen 30. März 2015))

44 Prozent der Ärzte in der Ostschweiz haben ein ausländisches Diplom: Diese Zahl fiel in der Parlamentsdebatte über die geplante St. Galler Medizinausbildung immer wieder. Der Anteil ist deutlich höher als in der gesamten Schweiz – national beträgt er 33 Prozent. Der Ärztemangel wird sich noch verschärfen: «Die Hälfte der Hausärzte im Kanton ist über 55 Jahre alt», sagte Gesundheitschefin Heidi Hanselmann. Man sei zwar froh um die ausländischen Ärzte, aber zugleich sei es schade, wenn junge Ostschweizer keine Möglichkeit hätten, hier Medizin zu studieren, und deshalb wegzögen. «Es ist nun Zeit, einen Pflock einzuschlagen.» Dieser Ansicht sind auch die Fraktionen. Erwin Böhi (SVP) lobte das Tempo, das Regierung und Verwaltung an den Tag gelegt hätten: Zwei Jahre nach dem Projektauftrag liegt die Gesetzesänderung vor. Das sei umso erfreulicher, als mit Bildung und Gesundheit zwei Departemente an dem Projekt beteiligt seien. «Der Entscheid war allerdings überfällig», so Böhi. Den Nachbarländern Fachpersonal abzuwerben, sei «keine Politik». Umso mehr, als das Ausland inzwischen grosse Anstrengungen unternehme, seine Fachkräfte bei sich zu behalten.

Als grosser Kanton in der Verantwortung

Die CVP-GLP-Fraktion sieht St. Gallen auch aus nationaler Perspektive in der Pflicht: «Als einer der bevölkerungsreichsten Kantone muss St. Gallen aktiv gegen den Ärztemangel vorgehen», sagte Peter Göldi (CVP). Die Kosten seien vertretbar.

Der St. Galler Masterstudiengang in Medizin wird als gemeinsamer Abschluss der Universitäten St. Gallen und Zürich angeboten, am Projekt sind das St. Galler Kantonsspital, das Kinderspital und weitere Ostschweizer Spitäler beteiligt. Die CVP-GLP-Fraktion gab zu bedenken, der Masterstudiengang dürfe nicht auf Kosten anderer Abteilungen der HSG eingeführt werden.

Bildungsdirektor Stefan Kölliker räumte ein, man betrete mit der «School of Medicine» an der HSG Neuland. «Den Lehrkörper davon zu überzeugen, war eine Herausforderung.» Doch da der St. Galler Medizinmaster gerade auch die Gesundheitsökonomie und Managementfragen mit einbeziehe, sei die HSG dafür prädestiniert – «sie hat die Chance, hier schweizweit eine Vorreiterrolle zu übernehmen».

Die wesentliche Frage bleibt: Werden die St. Galler Medizinstudenten nach ihrem Abschluss in der Region bleiben? Parlament und Regierung sind zuversichtlich. «Das wird funktionieren», sagte Jigme Shitsetsang (FDP). Heidi Hanselmann erwähnte eine Studie, die ergeben habe, dass Absolventen der Rechtswissenschaft an der HSG später tendenziell in der Region bleiben würden. Es sei zu erwarten, dass das auch auf Mediziner zutreffen werde. Josef Kofler (SP) bekräftigte: «Das Studium ist für den Aufbau des persönlichen Umfelds die entscheidende Phase.»

Das letzte Wort zum St. Galler Medical Master hat das Volk: Die Abstimmung soll im kommenden Jahr stattfinden.

Adrian Vögele

adrian.voegele

@tagblatt.ch